Der Konzern war mit den Umbaufrachtern so zufrieden, dass er sich für die Umrüstung von zwei weiteren A321 zu Frachtern entschied. Sie stießen 2023 zur Flotte. Kurz zuvor sagte die damalige Lufthansa-Cargo-Chefin Dorothea von Boxberg im aeroTELEGRAPH-Interview, das Geschäft sei gut angelaufen, aber es gelte auch: «Wir gehen in ein neues Segment. Wir müssen Kunden finden, mit denen wir so noch nicht zusammengearbeitet haben.» Dennoch sei es ein guter Zeitpunkt gewesen, um in den Markt zu gehen. «Es gibt hohe Erträge, es sind zum Teil Märkte, die wir gut kennen, und wir können zusätzlich Dinge ausprobieren.»
«Wir bieten damit generell Flexibilität und Geschwindigkeit»
Im Herbst 2023 erklärte Holger Heinemann, Programmleiter des Frachtgeschäfts bei Lufthansa Cityline, im Podcast Luftraum, nach anfänglicher Zurückhaltung hätten die Crews die Vorteile von Cargoflügen kennengelernt, wie längere Strecken, neue Ziele und ein ruhiges Arbeiten. «Mittlerweile fliegt jeder, der Airbus auf der Passagierseite fliegt, auch Fracht.»
Noch Anfang 2026 baute Lufthansa Cargo das Netzwerk der A321-Frachter aus. Und im März sagte Ashwin Bhat, mittlerweile Chef von Lufthansa Cargo, man sei zufrieden mit dem Geschäft. Man konzentrierte sich mit diesen Flugzeugen nicht nur auf E-Commerce, sondern auch auf die Pharmabranche. So könnten etwa Pharmazeutika mit Boeing 777 F von Shanghai nach Frankfurt gebracht werden und von dort mit den A321 weiter nach Dublin. «Und wir bieten damit generell Flexibilität und Geschwindigkeit», so Bhat. «In den vergangenen Monaten hatten wir zum Beispiel Anfragen von Automobilherstellern für Charterflüge zu verschiedenen Zielen. Wir konnten sogar neue Aufträge gewinnen.»
Seit Mitte April stehen die Airbus-A321-Frachter am Boden
Doch Mitte April beorderte Lufthansa dann unter den Vorzeichen von hohen Triebstoffpreisen und Streiks die ganze Flotte von Lufthansa Cityline zu Boden, auch die vier A321 P2F. Der Konzern erklärte, die «Herausnahme der Cityline aus unserem Programm» sei eh bereits perspektivisch geplant gewesen. «Die aktuelle Krise zwingt uns, diese Maßnahme nun früher umzusetzen.» Für die A321-Frachter scheint es aber keinen Plan gegeben zu haben, den man einfach hätte vorziehen können. Denn die Flugzeuge stehen seitdem untätig am Boden.
Bhat erklärte dazu auf Nachfrage von aeroTELEGRAPH: «Unser strategisches europäisches Netzwerk ist ein wichtiger Baustein, um globale Lieferketten aufrechtzuerhalten.» Dieser Verantwortung seien sich Lufthansa Cargo und Lufthansa Group bewusst. «Wir werden nun gemeinsam einen Weg finden, unseren Kunden schnellstmöglich wieder diese Frachtkapazitäten anbieten zu können», so der Lufthansa-Cargo-Chef.
«Nicht so eine Hektik, eine Nachfolgelösung zu finden»
In einem Pressegespräch am 6. Mai sagte Lufthansa-Group-Chef Carsten Spohr, die Mittelstreckenfrachter hätten «nicht unsere profitabelsten Routen bedient», und fuhr dann fort, «um es mal vorsichtig zu sagen». Das Geld werde derzeit mit Fracht auf der Langstrecke verdient. Daher habe man aktuell «nicht so eine Hektik, eine Nachfolgelösung zu finden».
Zwar arbeite Lufthansa Cargo derzeit daran, die Frage zu beantworten: «Wer könnte als Betreiber für diese wenigen Flugzeuge in Betracht kommen?», sagte Spohr. «Aber das hat jetzt nicht oberste Priorität.» Die vier A321 P2F würden nicht mal 3 Prozent der gesamten Luftfracht der Lufthansa-Gruppe ausmachen, schätzte Konzernchef Spohr.
Wer betreibt die A321-Frachter in Zukunft für Lufthansa Cargo?
Als künftige Betreiber infrage kommen die Fluglinien innerhalb der Gruppe, die Cockpitcrews der Airbus-A320-Familie haben. So beispielsweise City Airlines, Brussels Airlines oder Discover. Auch eine externe Lösung zum Betrieb der A321-Frachter wäre denkbar.
Dass Lufthansa Cargo die vergleichsweise kleinen Umbaufrachter selber betreiben wird, gilt dagegen als ausgeschlossen, da die Flotte dafür mit lediglich vier Maschinen zu klein ist. Erst «ab etwa zehn Flugzeugen könnte man über sind eine gute Größe für einen eigenen Flugbetrieb nachdenken», sagte Dorothea von Boxberg 2023 auf diese Frage.
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