Condors Boeing 757 mit dem Kennzeichen D-ABOM: Hier vor dem Abschiedsflug.

Wehmut, aber auch PartyCondors Abschied von der Boeing 757: «Ein bisschen wie die erste Liebe»

Während die deutsche Fluglinie ihre letzte Boeing 767 leise verabschiedete, schmiss Condor für die Boeing 757 eine Party über den Wolken. Condor und ihre Crews schlagen nun endgültig ein neues Kapitel auf.

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Im März 2023 führte Condor ihren letzten Flug mit einer Boeing 767 durch. Es war ein Linienflug von Havanna nach Frankfurt mit ganz normalen Fluggästen und lediglich zwei Journalisten an Bord. Auch wenn es für die Crew und auch viele andere Condor-Angestellte ein emotionaler Tag war, fiel er doch ruhig und ohne große Extras aus. Als die Flugzeugtür in Frankfurt aufging, wartete dort kein Empfangskomitee mit Torte, Konfetti und Musik. Die Crew verabschiedete sich einfach alleine für sich vom Flieger und schloss damit das Kapitel 767.

Für den Abschied von der Boeing 757 überlegte sich die Fluglinie etwas anderes. Zwar brachten am 2. November drei 757 von Condor zum letzten Mal Reisende in den Urlaub. Doch am 5. November folgte zum Abschied ein Sonderumlauf Frankfurt - Wien - Frankfurt. Die Route in die österreichische Hauptstadt ist Condors erfolgreichste City-Strecke.

Gin Tonic und die Condor-Version eines Lieds von AC/DC

An Bord befanden sich unter anderem: 75 Luftfahrtfans (die sich die heiß begehrten Tickets für 1000 Euro pro Stück gekauft hatten), 75 Mitarbeitende von Condor (die sich intern beworben hatten), Journalisten, Vertreter von Reiseveranstaltern und Partnerfirmen, Condor-Chef Peter Gerber, sein Vorgänger Ralf Teckentrup, Operativchef Christian Schmitt und Condorianerinnen und Condorianer, die eine lange Verbindung zur Boeing 757 haben.

Der 757-Abschied unterschied sich vom 767-Abschied nicht nur durch die reine Existenz eines Sonderfluges. Auch die Art, goodbye zu sagen, war eine völlig andere: Schickte Condor die 767 leise in die Rente, wählte sie bei der 757 den gegenteiligen Weg und setzte auf Lautstärke. Auf dem Rückflug legte ein Pilot als DJ auf, in Handgepäckfächern standen Boxen und Partybeleuchtung. Das erste Lied: Thunderstruck von AC/DC, allerdings umgetextet von «Thunder, Thunder ...» auf «Condor, Condor ...». Es folgten etliche Lieder mit Bezug zu Flügen, wie etwa «Über den Wolken». Dazu wurde reichlich Gin Tonic serviert, Bier, Radler und Sekt - einmal knallte sogar der Korken und Sekt spritzte durch die Kabine.

Boeing 757 «ein bisschen wie das erste Auto, die erste Liebe»

Es zeigte sich zwar: Ein sehr langer Flugzeuggang eignet sich nicht perfekt als Dancefloor, besonders, wenn noch Getränkewagen unterwegs sind. Dennoch herrschte Partystimmung, und zwar eine intime und angenehme, nicht die eines Mallorca-Fliegers zur Hochsaison.

«Es war phänomenal», sagte nach dem Flug auch Pilot David Friedmann im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. «Wir hatten super Wetter, wir hatten eine großartige Party, ich fand es überragend.» Von der Boeing 757 verabschiede man sich nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge. «Ich war jetzt 17 Jahre auf dem Flieger», so der Pilot. Da falle der Abschied nicht ganz leicht. «Es war mein erstes Flugzeug, es ist ein bisschen wie das erste Auto, die erste Liebe.» Andererseits sei es aufregend und spannend, nun ein neues Kapitel aufzuschlagen - und das heißt für Friedmann Airbus A330-900. Andere wechseln in die Airbus-Kurz- und Mittelstreckenflotte mit A320-200, A320 Neo, A321-200 und A321 Neo.

David Friedmann (l.) und  Thomas Gall steuerten die Boeing 757 auf dem Abschiedsflug.

«Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben» - mit Jets von Airbus

Auf diese Wechsel spielte wohl auch der DJ beim Abschiedsflug an, als er «Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben» auflegte. Denn Condor ist ab Donnerstag (6. November) eine reine Airbus-Betreiberin. Und das erklärt wohl auch, warum der Abschied von der 757 so anders ausfiel als der von der 767: Mit der 757 verabschiedete sich Condor nicht nur von einem Boeing-Modell, sondern ganz von den Flugzeugen des amerikanische Herstellers.

Hinzu kommt: Bei der Boeing 757-300 war die Fluglinie Erstkundin. «Ohne Condor gäbe es die 757-300 nicht, weil Condor sie als Launch Customer maßgeblich mitentwickelt hat», so Operativchef Christian Schmitt beim Abschiedsflug. Durch die finanzielle und wirtschaftliche Bedeutung gelte aber ebenso: «Ich glaube, ohne eine 757 gäbe es auch eine Condor nicht.»

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