Die verlassene Boeing 727-100 am Flughafen Faro: Das Flugzeug landete dort am 11. April 2007.

1965 an Lufthansa ausgeliefertPolitiker aus dem Kongo soll nach 19 Jahren seine Boeing 727 aus Faro abholen

Vor fast 20 Jahren verließ Jean-Pierre Bemba nach einer verlorenen Präsidentschaftswahl die Demokratische Republik Kongo. Während Bemba längst zurück ist, steht seine Boeing 727 seit 2007 am Flughafen Faro. Die Portugiesen haben ihm ein Ultimatum gesetzt.

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Heute verzeichnet der portugiesische Flughafen Faro jährlich rund zehn Millionen Fluggäste. Vor fast 20 Jahren waren es nur knapp die Hälfte. Die Terminalerweiterung sowie die neuen Abstellpositionen waren noch nicht gebaut und heute untergegangene Airlines wie Air Berlin, Monarch Airlines und Thomas Cook Airlines gehörten noch zu den größten Fluglinien in Faro.

Am 11. April 2007 landete in Faro eine Boeing 727-100 mit dem Kennzeichen 9Q-CMC. An Bord befand sich Jean-Pierre Bemba, ehemaliger Rebellenchef und einer der führenden Politiker der Demokratischen Republik Kongo. Bemba hatte bei den Präsidentschaftswahlen 2006 nur knapp gegen Joseph Kabila verloren. Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen seinen Anhängern und Kabilas Truppen flog er im April 2007 nach Faro – offiziell, um eine Beinverletzung behandeln zu lassen.

Bemba hat ein Ultimatum von 60 Tagen

Später wurde Bemba vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, die seine Truppen 2002/2003 in der Zentralafrikanischen Republik begangen hatten. 2016 wurde er schuldig gesprochen, 2018 jedoch vorzeitig entlassen. Er kehrte in den Kongo zurück. Doch sein Flugzeug blieb in Faro zurück. Seit fast 20 Jahren steht die Boeing 727-100 im äußersten nordwestlichen Teil des Airports.

Nun kommt wieder Bewegung in die Angelegenheit. Anfang März 2026 hat der portugiesische Flughafenbetreiber ANA Jean-Pierre Bemba, der heute Verkehrsminister seines Landes ist, offiziell darüber informiert, dass er 60 Tage Zeit hat, sein Flugzeug vom Flughafen Faro zu entfernen. Sollte er dieser Aufforderung nicht nachkommen, droht die Verschrottung des Flugzeugs.

Portugal will gegen abgestellte Flugzeuge durchgreifen

In Portugal wurde im vergangenen Jahr die rechtliche Grundlage für solche Aktionen geändert. Seit 31. März 2025 haben die Konzessionsinhaber von Flughäfen deutlich mehr Handlungsspielraum im Umgang mit abgestellten Flugzeugen. Ein Flugzeug, das mehr als 90 Tage ununterbrochen über das vereinbarte Maß hinaus abgestellt ist, oder für das Gebühren für 30 Tage Nutzung nicht gezahlt sind, kann als unzulässig abgestellt betrachtet werden. Die für das Flugzeug verantwortliche Person oder Firma hat dann 60 Tage Zeit, es zu entfernen.

In verschiedenen Forenbeiträgen haben Mitarbeitende des Flughafens Informationen über den Zustand der Boeing 727-100 veröffentlicht. Laut ihren Schilderungen soll die Kabine der leer sein, aber die Triebwerke noch vorhanden. Auch Flüssigkeiten seien wohl nie entfernt worden, hießt es, was eine Wiederinbetriebnahme äußerst unwahrscheinlich mache.

Boeing 727 flog für Lufthansa und Condor

Die 9Q-CMC wurde 1965 an Lufthansa ausgeliefert und trug damals die Kennung D-ABIQ sowie den Taufnamen Karlsruhe. Bereits drei Jahre später, 1968, gab Lufthansa die Boeing 727-100 an ihren Ferienflieger Condor ab, wo der Dreistrahler bis 1982 Touristinnen und Touristen beförderte. Anschließend wurde die Maschine in der Schweiz zu einem VIP-Jet umgebaut. Es folgten Stationen in Brunei, Malaysia und den USA. Seit Januar 2007 befindet sich die Boeing 727-100 im Besitz der Demokratischen Republik Kongo.

Verwaiste Flugzeuge werden zunehmend zum Problem. So stehen etwa noch zwei Airbus A319, die einst für White Airways flogen, ungenutzt am Flughafen Porto. In Spanien standen laut einem Bericht der Zeitung El País aus dem Jahr 2019 rund 71 verwaiste Maschinen an verschiedenen Flughäfen. Besonders betroffen waren die Standorte Valencia mit 24 stillgelegten Flugzeugen und Madrid-Cuatro Vientos mit 19 zurückgelassenen Flugzeugen.

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