Mentor Niki Lauda und Manfred Samhaber im Cockpit: Vierzig Jahre in der Luftfahrt.

Manfred Samhaber Cessna-Schüler, Privatpilot von Niki Lauda, Langstrecken-Kapitän - Geschichten aus vier Jahrzehnten im Cockpit

Vom Bundesheer zur Boeing 777: Manfred Samhaber blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück. Der langjährige Weggefährte von Niki Lauda erlebte als Kapitän den Aufbau der Lauda Air aus nächster Nähe. Jetzt erzählt er aus seinem Leben.

Top-Jobs

sunny cars

Customer Service Expert (m/w/d)

München / Remote
Feste Anstellung
Autovermietung
Sunny Cars
Deutschland
30 - 40 Stunden
Top jobs
IFFD Flugdienste

Piloten/ First Officer (m/w/d)

IFFD GmbH
Graz/Klagenfurt
Feste Anstellung
NCC-Betrieb
Österreich
Vollzeit
Top jobs
Sparfell Logo

Flight Operations Officer in Vienna (Austria)

Vienna
Feste Anstellung
Business Aviation
SPARFELL Luftfahrt GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs
Sparfell Logo

First Officer Embraer 550 / Legacy 500 (m/f)

Vienna
Feste Anstellung
Business Aviation
SPARFELL Luftfahrt GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs

Am 22. Februar wäre Formel-1-Rennfahrer und Airline-Gründer Niki Lauda 77 Jahre alt geworden. Die Geschichte dessen Lauda Air kann wohl kaum jemand besser erzählen als sein langjähriger Weggefährte und spätere Boeing-777-Flottenchef Manfred Samhaber. aeroTELEGRAPH traf den inzwischen pensionierten Flugkapitän in Wien zu einem Gespräch über vier Jahrzehnte über den Wolken.

Obwohl Samhaber in der oberösterreichischen Gemeinde Oftering, nahe der Pistenschwelle 08 des Flughafens Linz, aufwuchs, entdeckte er seine Leidenschaft für die Luftfahrt erst vergleichsweise spät. Nach dem ABitur Mitte der 1970er-Jahre begann er zunächst eine militärische Laufbahn beim österreichischen Bundesheer. Nach einem einjährigen freiwilligen Dienst verpflichtete er sich für drei weitere Jahre am Fliegerhorst Linz-Hörsching – eine Entscheidung, die seinen beruflichen Weg entscheidend prägen sollte.

Das Bundesheer zahlte zivile Ausbildung

Im Rahmen dieser Verpflichtung bot das Bundesheer seinen Soldaten die Möglichkeit, während eines Drittels der Dienstzeit eine zivile Ausbildung auf Staatskosten zu absolvieren. Samhaber nutzte die Gelegenheit und bewarb sich gemeinsam mit einem Kameraden – erstmals in der Geschichte des Bundesheeres – um eine bezahlte Ausbildung zum Berufspiloten.

Zu seiner Überraschung wurde dem Antrag stattgegeben. Anfang der 1980er-Jahre begann eine intensive einjährige Ausbildung am Militärflugplatz Langenlebarn in Niederösterreich. Für die Ausbildung der beiden Piloten beschaffte das Bundesheer sogar eine Cessna 172. «Wir konnten unser Glück kaum fassen. Während der Ausbildung sind wir mit unserer Cessna quer durch Österreich geflogen, um die notwendigen 200 Flugstunden zu sammeln. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Chance nach uns noch einmal jemand beim Bundesheer bekommen hat.»

Erste Begegnung mit Niki Lauda

Noch während seiner Ausbildung kam es zu einer Begegnung, die Samhabers Karriere prägen sollte. Ein Freund lud ihn zu einem gemeinsamen Mittagessen ein – dort traf er erstmals auf Niki Lauda. Auf dessen Frage nach seinem Beruf antwortete Samhaber: «Derzeit sammle ich noch Flugstunden, aber mein großes Ziel ist es, Verkehrsflugzeuge zu fliegen.»

Lauda reagierte spontan: Ob er am nächsten Tag Zeit hätte, ihn nach Salzburg zu fliegen. Gesagt, getan – am folgenden Tag ging es gemeinsam für einen Kurztrip dorthin. Der Flug hinterließ offenbar Eindruck. Nur eine Woche später saß Samhaber auf Einladung Laudas als Passagier in dessen privater Falcon 10 auf dem Weg nach Algier. Dort versuchte Lauda, eine bei McDonnell Douglas bereits angezahlte, inzwischen aber nicht mehr benötigte DC-10 für seine 1979 gegründete Fluglinie weiterzuverkaufen.

Erste Schritte bei Lauda Air

Auf dem Rückflug durfte Samhaber erstmals im Cockpit der Falcon 10 mitfliegen – ein Erlebnis, das seinen Wunsch, größere Flugzeuge zu steuern, weiter verstärkte. Anfang der 1980er-Jahre waren Pilotenstellen in Österreich rar. Samhaber – unter Kollegen Samy genannt – begann daher zunächst als Flight Dispatcher bei der am Flughafen Wien ansässigen Lauda Air.

Schon bald ergab sich jedoch die Möglichkeit, nebenbei Flugstunden auf einer Beechcraft King Air zu sammeln. Der Einsatz erfolgte im Auftrag des österreichischen Tankstellenketten-Discounters Hannes Nouza. Dank Zielstrebigkeit und etwas Glück wechselte Samhaber innerhalb kurzer Zeit von der Cessna 172 auf die Beechcraft King Air und später auf eine Falcon 20, die ab Wien für einen kuwaitischen Flugzeughalter betrieben wurde.

Vom Formel-1-Zirkus ins Verkehrsflugzeug

Auch die Begegnung mit Niki Lauda setzte sich fort. Genau jene Falcon 20, die Samhaber inzwischen als Copilot flog, wurde von Lauda für mehrere Monate angemietet, um damit zu Formel-1-Rennen zu reisen. Kurz darauf erhielt Samhaber ein Angebot, das er kaum ablehnen konnte. Lauda hatte in den USA einen neuen Learjet 36 gekauft und suchte einen Copiloten. «Ich zog nach Ibiza, wo damals auch Lauda lebte. Wir hatten eine sehr enge Arbeitsbeziehung. In Tucson absolvierten wir gemeinsam die Learjet-Ausbildung und flogen während seiner letzten aktiven Formel-1-Saison rund um die Welt.»

Samhaber vor einer Dassault Falcon 20.

1984 wurde Lauda beim Saisonfinale in Estoril mit nur einem halben Punkt Vorsprung vor Alain Prost zum dritten Mal Formel-1-Weltmeister. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere gründete er im darauffolgenden Jahr seine Fluggesellschaft Lauda Air neu. Mit dem Neustart 1985 war das Unternehmen besser aufgestellt als zuvor. Zwar gab es weiterhin Schwierigkeiten bei der Vergabe von Linienrechten, doch die Unternehmer Basile Varvaressos (ITS-Reisen) und Hannes Nouza (Avanti) beteiligten sich an der Airline. In der ersten Saison charterte Lauda Air zwei BAC 1-11 von Tarom und brachte damit Tausende Urlaubsgäste ans Mittelmeer.

Von der Boeing 737 zur 767

Im Dezember 1985 folgte ein Flotten-Upgrade: Eine von Transavia gemietete Boeing 737-200 erhielt erstmals eine Lackierung der Lauda Air. Für Samhaber war sie das ersehnte Verkehrsflugzeug. Nach einem Gespräch mit Lauda absolvierte er gemeinsam mit dem Airline-Chef das Type Rating bei Britannia Airways in London-Luton. Das Chartergeschäft entwickelte sich gut. Bald blickte Lauda bereits auf das nächste Flugzeug: «Wir sind nach East Midlands geflogen und haben uns beim europäischen Boeing-737-300-Kunden Orion die neueste Version angesehen.»

Wenig später reisten beide nach Seattle. Im Sommer 1986 überführten sie die erste fabrikneue Boeing 737-300 der Lauda Air (Kennzeichen: OE-ILF) nach Wien. Samhaber erinnert sich noch genau: «Kurz vor dem Überstellungsflug standen wir am Boeing Field. Neben uns parkte die erste Boeing 767-300 ER in Boeing-Lackierung. Niki Lauda ging direkt zu ihr und sagte: Das wird unser nächster Flieger.» Im April 1988 wurde genau dieses Flugzeug als OE-LAU übernommen – und damit begann für Samhaber ein neues Kapitel.

Abenteuer Langstrecke - mit Boeing 737

Mit der Boeing 767 nahm Lauda Air erstmals Langstreckenflüge von Wien nach Bangkok und Sydney auf. Niki Lauda lieferte sich dabei einen intensiven Streit mit den australischen Behörden um die notwendigen Verkehrsrechte. So startete am 7. Mai 1988 zwar der Erstflug Wien–Bangkok–Sydney, doch offiziell lagen nur Rechte für die Strecke Wien - Bangkok vor. Lauda entschied kurzerhand, die Passagiere als Privatgäste kostenlos weiter nach Sydney zu transportieren.

Samhaber im Cockpit einer Boeing 737 von Lauda Air.

Währenddessen wurde Samhaber Kapitän auf der Boeing 737-300. Um die Flugzeuge auch im Winter auszulasten, setzte die Airline sie auf ungewöhnlich langen Strecken ein - etwa nach Phuket, auf die Malediven oder nach Recife in Brasilien. «Heute kaum vorstellbar: Wir flogen mit der Boeing 737-300 rund zwölf Stunden von Wien über Sevilla und Sal auf den Kapverden nach Recife – und nach nur zwölf Stunden Aufenthalt wieder zurück.»

Aus der Order für eine Boeing 747 wurde eine für eine 777

Ein Pilotenstreik in Australien im Jahr 1989 brachte der jungen Airline zusätzlich einen mehrmonatigen Wet-Lease-Auftrag bei Ansett Australia ein. Gleichzeitig entstanden freie Simulatorplätze – und Samhaber absolvierte dort seine Musterzulassung auf der Boeing 767. Samhaber engagierte sich zunehmend auch organisatorisch: Er übernahm die Rekrutierung von Piloten, absolvierte eine Fluglehrer-Ausbildung und arbeitete am Aufbau von Lauda Air Italy mit.

Boeing 767 von Lauda Air.

Weniger bekannt ist, dass Niki Lauda in den 1990er-Jahren zunächst eine Boeing 747-400 bestellt hatte. Wie schon bei einer früheren DC-10-Bestellung erwies sich das jedoch als wirtschaftlich problematisch. Der Auftrag wurde schließlich auf eine Boeing 777-200 ER geändert. «Das war die beste Entscheidung überhaupt», sagt Samhaber. «Lauda Air war die erste Fluglinie Kontinentaleuropas, die diesen Typ bestellt hat.»

Und dann der Wechsel zu Austrian Airlines

Die Einführung des neuen Flugzeugmodells wurde zu seiner Hauptaufgabe. «Ich war rund zwanzig Tage im Monat in Seattle, machte dort meine Musterzulassung und gleichzeitig eine Boeing-Fluglehrer-Ausbildung, um unsere eigenen Piloten auszubilden.» Der Auslieferungsflug wurde zum Medienereignis: Von Seattle ging es über Las Vegas nach Wien, wo Tausende Besucher die Landung feierten. Anschließend präsentierte Samhaber die Boeing 777 unter anderem in Graz, Salzburg, München und Hamburg. Kurz darauf begann Lauda Air mit Flügen von Wien über Kuala Lumpur nach Sydney.

Mit der sich abzeichnenden Übernahme von Lauda Air durch Austrian Airlines wechselte Samhaber 2004 nach 22 Jahren den Arbeitgeber. «Ganz im Gegenteil», sagt er auf die Frage, ob das eine Enttäuschung gewesen sei. «Wir hatten sehr interessante Projekte.» Bei AUA wurde er Chief Flight Instructor für die Boeing 777 und war auch für das Training externer Kunden zuständig. So arbeitete er unter anderem an Ausbildungsprojekten für Swiss, Aerologic und Lufthansa Cargo.

Neue Aufgaben für Manfred Samhaber

Während der Covid-Pandemie ergaben sich neue Aufgaben. „Ich war im März 2020 mit meiner Frau in Thailand im Urlaub, als mich das Unternehmen bat, den Urlaub abzubrechen. Kurz darauf flog er einen Repatriierungsflug von Kapstadt nach Wien. Der längste Nonstopflug der Unternehmensgeschichte führte 2020 von Wien nach Sydney. Für Samhaber war das ein besonderer Einsatz: «Als Pilot kann man sich nicht nur die schönsten Flüge aussuchen. Man muss auch bei Sondermissionen bereitstehen.»

Am Schluss arbeitete Samhaber für Austrian Airlines.

Weitere Höhepunkte seiner 18 Jahre bei Austrian Airlines waren eine Weltumrundung mit der Boeing 777 für einen Schweizer Reiseveranstalter sowie ein Flug nach Ushuaia in Argentinien. Auch privat fand Samhaber bei Austrian Airlines sein Glück: 2011 lernte er auf einem Flug nach New York seine heutige Frau Nikola kennen. Sie arbeitet seit 30 Jahren als Purserin bei der Airline.

Abschied nach vier Jahrzehnten

Nach mehreren Managementfunktionen entschied sich Samhaber fünf Jahre vor seiner Pensionierung, wieder vollständig ins Cockpit zurückzukehren. «Ich wollte meine Karriere als Pilot beenden – nicht im Büro.» Zu seinen Lieblingszielen zählten die Malediven, Mauritius, Bangkok, Miami und Kapstadt.

Seinen letzten Flug absolvierte er im Januar 2022 – nach vierzig Jahren im Cockpit – von Mauritius nach Wien. «Ich durfte mir die gesamte Crew selbst aussuchen. Während des Aufenthalts wurde eine Abschiedsfeier organisiert. Beim Abflug in Mauritius gratulierte auch der Kontrollturm und gab uns eine spezielle Freigabe entlang der Küste. Und die Landung in Wien war nicht weniger emotional.» Wehmut verspürt er dennoch nicht. «Ich habe in diesen vierzig Jahren viel mehr erreicht, als ich mir je erträumt hatte.»

Gute Geschichten brauchen Freiraum. Ihre Unterstützung gibt uns diesen Freiraum – und Sie lesen aeroTELEGRAPH ganz ohne Werbung. Für weniger als ein Getränk am Flughafen. Jetzt hier klicken und abonnieren. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

In Kooperation mit Lufthansa und Star Alliance: Boeing 767 von Lauda Air.

Wie Niki Lauda Airline um Airline gründete

Als OE-LNP flog die Boeing 737-800 einst für Lauda - hier zu sehen 2008.

Ex-Lauda- und Sun-Express-Jet fliegt bald Fracht in China

Die OE-LAX flog einst für Lauda Air.

Niki Laudas Boeing 767 der Hoffnung geht in Rente

Niki Lauda: Er hat sein Start-up an Ryanair verkauft.

Vom Rennfahrer zum Serien-Airlinegründer

Video

König Willem-Alexander bei seinem letzten Flug mit einer Boeing 737: Er lässt sich nochmals umschulen.
Fußballfans, Familien auf dem Weg nach Lappland oder Urlauber nach Ibiza: Viele Passagiere ahnten nicht, dass ihr Kopilot der König der Niederlande war. Jetzt flog Willem-Alexander letztmals mit einer Boeing 737 von KLM - und beginnt nun die Umschulung auf Airbus.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
amboseli airstrip under water
Ein Video aus dem Amboseli-Nationalpark in Kenia scheint einen See zu zeigen. Aber nein: Es ist die Start- und Landebahn des Park-Airports. Sie ist vollständig im Wasser verschwunden.
Timo Nowack
Timo Nowack
air canada bridgetown umkehr
Am Flughafen Bridgetown ging auf einmal gar nichts mehr. Flüge von Air Canada und Jetblue mussten auf dem Weg zum internationalen Flughafen von Barbados plötzlich umkehren. Grund war ein spontaner Streik.
Timo Nowack
Timo Nowack