Boeing 737 Max: Sie bereitete dem Flugzeugbauer viele Sorgen.

Kurioser Rechtsstreit um Boeing 737 MaxInvestment-Firma verklagt Boeing, obwohl sie nie eine einzige Aktie besaß

Die Vorwürfe gegen Boeing waren schwerwiegend. Doch darüber musste ein Gericht in Chicago gar nicht erst entscheiden. Denn das Investmentunternehmen, das den Flugzeugbauer wegen angeblicher Täuschung von Aktionären verklagt hatte, war selbst nie Boeing-Aktionär gewesen.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Head of Mechanical Final Assembly PC-12 (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker Experimental Shop (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
ticker-dfs-deutsche-flugsicherung

Fluglotse (w/m/d)

Deutsche Flugsicherung DFS
Studium
Langen b. Frankfurt
Top jobs
Deutschland

Man muss gar keine Aktien besitzen, um mit ihnen Geld zu verdienen. Das denkt man sich offenbar beim US-Investmentunternehmen Value Recapture Partners. Die Firma hat ein Geschäftsmodell, das für europäische Leserinnen und Leser kurios erscheinen dürfte. Es kauft Anlegern mögliche Schadenersatzansprüche ab. Geht eine Klage später erfolgreich aus, kann sich das Geschäft lohnen. Versucht hatte die Firma das bei Boeing auch, wie View from the Wing berichtet.

Value Recapture hatte den amerikanischen Flugzeugbauer und dessen früheren Chef Dennis Muilenburg im Dezember 2023 verklagt. Der Vorwurf: Boeing habe Anleger nach den beiden tödlichen Abstürzen der Boeing 737 Max mit irreführenden Aussagen über die Sicherheit des Flugzeugs, die Untersuchungen und die Wiederzulassung getäuscht. Nur: Value Recapture hatte nie Aktien von Boeing besessen.

Die Besitzer der Aktien von Boeing wurden abgewickelt

Die eigentlichen Aktienkäufer waren zwei Investmentfonds von Valinor Capital. Sie hatten im Sommer 2019 in Boeing investiert. Also erst, nachdem im Oktober 2018 in Indonesien und im März 2019 in Äthiopien zwei Boeing 737 Max abgestürzt waren. Insgesamt starben 346 Menschen. Auch das weltweite Flugverbot für den Flugzeugtyp war damals bereits verhängt.

Die Fonds waren dennoch der Ansicht, Boeing habe sie mit späteren Aussagen in die Irre geführt. Als sie ihre Geschäfte abwickelten, wollten sie sich aber nicht selbst auf einen möglicherweise jahrelangen Rechtsstreit einlassen. Deshalb verkauften sie ihre Ansprüche im Juli 2020 an Value Recapture.

Ein Haken bei der Klage gegen Boeing

Genau darauf ist das Unternehmen spezialisiert. Es übernimmt mögliche Forderungen von Investmentfonds, die geschlossen werden sollen. Die ursprünglichen Anleger bekommen dafür Geld, ohne den Ausgang eines Gerichtsverfahrens abwarten zu müssen. Value Recapture wiederum setzt darauf, später mehr aus den Ansprüchen herauszuholen.

Doch bei der Klage gegen Boeing gab es einen Haken. Nach amerikanischem Wertpapierrecht dürfen grundsätzlich nur diejenigen wegen entsprechender Täuschung Schadenersatz verlangen, die die betroffenen Aktien tatsächlich gekauft oder verkauft haben. Ausnahmen für übertragene Ansprüche sind zwar möglich. Die Richterin Virginia Kendall sah im Fall von Value Recapture aber keine Grundlage dafür.

Richterin nicht von den Argumenten überzeugt

Bereits im Februar 2026 hatte sie die Klage abgewiesen. Das Unternehmen bekam noch eine Chance, seine Argumente nachzubessern. Doch auch der zweite Anlauf überzeugte die Richterin nicht. Am 15. Oktober wies sie die Klage endgültig ab. Eine erneute Überarbeitung ist damit ausgeschlossen, eine Berufung bleibt möglich.

Für Boeing ist das ein Erfolg, ohne dass das Gericht die eigentlichen Betrugsvorwürfe prüfen musste. Ob der Hersteller Anleger mit seinen Aussagen zur 737 Max tatsächlich getäuscht hatte, blieb in diesem Verfahren offen. Ganz ohne Folgen waren Boeings damalige Aussagen allerdings ohnehin nicht geblieben. Bereits 2022 hatte sich der Hersteller mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC auf eine Zahlung von 200 Millionen Dollar geeinigt. Der frühere Chef Dennis Muilenburg zahlte zusätzlich eine Million Dollar. Beide räumten die Vorwürfe dabei weder ein noch bestritten sie diese.

Wer die Luftfahrt verstehen will, braucht mehr als Schlagzeilen. Wir liefern Hintergründe, Analysen und Einordnung – jeden Tag und unabhängig. Mit Ihrem Abo unterstützen Sie unsere Redaktion und lesen aeroTELEGRAPH ohne Werbung. Für den Preis von weniger als einem Cappuccino im Monat Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

ticker-boeing-1

Boeing entwickelt KI-Plattform für Flugzeugwartung mit Microsoft

ticker-boeing-1

Boeing steigert Auslieferungen im September auf Jahreshöchststand

ticker-boeing-1

Boeing wendet Streik von 15.500 Ingenieurinnen und Ingenieuren und Technikfachkräften ab

ticker-boeing-1

Boeing erhält Milliardenauftrag für neuen US-Navy-Kampfjet F/A-XX

Video

6767 bitte? Der Wunsch wurde dem Piloten erfüllt.
Ein Privatpilot in den USA wollte beim Funken offenbar ein bisschen Spaß haben. Also fragte er die Flugsicherung nach einem ganz bestimmten Transpondercode: 6767. Der Fluglotse verstand die Anspielung auf das Internet-Meme Six Seven und musste lachen.
Laura Frommberg
Laura Frommberg
Anflug auf Tel Aviv mit Airbus A330 von Swiss: Vorerst nicht mehr möglich.
Jahrelang gehörte der Airbus A330 auf der Strecke zwischen Zürich und Tel Aviv zum gewohnten Bild. Doch damit ist vorerst Schluss: Swiss stellt im Sommer 2027 sämtliche Flüge auf Airbus A321 Neo um.
Luca La Rocca
Luca La Rocca
latam airbus a320 lima feuer
Notfall am Flughafen Lima: Aus einem Triebwerk eines Airbus A320 schlugen so lange Zeit Flammen, dass auch eine Tragfläche des Jets von Latam Feuer fing.
Timo Nowack
Timo Nowack