In Europa ächzen die Menschen derzeit unter der sommerlichen Hitze, in Spanien, Frankreich, Italien, Portugal und Griechenland wüten Waldbrände. Am anderen Ende der Welt herrscht derweil Winter. In Hobart, der Hauptstadt von Australiens Inselstaat Tasmanien, steigt die Temperatur aktuell selten über 15 Grad Celsius. Von dort startet am 31. Juli ein Airbus A319 nach Süden, in Richtung von noch viel, viel tieferen Temperaturen.
Denn das Flugzeug steuerte die McMurdo-Station des United States Antarctic Program an, die auf der zur Antarktis gehörenden Ross-Insel liegt. Dort fallen die Temperaturen im Winter auf bis zu minus 50 Grad Celsius. Dorthin flog der A319 für eine anspruchsvolle Rettungsaktion.
Bei bis zu zu minus 43 Grad Patienten übernommen
Das Flugzeug mit dem Kennzeichen VH-VHD und dem Namen Snowbird 1 gehört dem Unternehmen Skytraders und ist im Auftrag der Australian Antarctic Division unterwegs - dieses Mal auf Ersuchen des US-Antarktisprogramms, das einen medizinischen Notfall meldete. «Nachdem sich ein erster Versuch aufgrund von schlechtem Wetter verzögert hatte, startete das Flugzeug am 31. Juli um 02:44 Uhr Ortszeit in Hobart und landete fünfeinhalb Stunden später bei völliger Dunkelheit an der McMurdo-Station», zitiert das Magazin Australian Aviation Skytraders.
«Unter extrem schwierigen Bedingungen und bei Temperaturen von bis zu minus 43 Grad Celsius übernahm die Besatzung sicher den Patienten, bevor sie die Antarktis noch vor einer Verschlechterung der Wetterlage verließ und am Freitagnachmittag in Christchurch, Neuseeland, landete.»
Die Landebahn: 3353 Meter komprimierter Schnee
Die dortige Landebahn (15/33) nennt sich Phoenix Airfield (Icao-Code NZFX), existriert seit 2017, ist 3353 Meter lang und besteht aus komprimiertem Schnee. Die McMurdo-Station teilt sich die Start- und Landebahn mit der nahegelegenen neuseeländischen Scott-Station.
Der Patient wurde bei bis minus 43 Grad Außentemperatur an Bord gebracht. Australian Antarctic Program
An Bord des 23 Jahre alten A319, der einst als F-GYAS für Air France flog, befand sich ein Spezialistenteam der Australian Antarctic Division sowie des Centre for Antarctic, Remote and Maritime Medicine. Die Cockpitcrew bestand aus dem Ehepaar Rod Robertson und Louise Robertson, Al Wallach sowie einem namentlich nicht genannten vierten Piloten.
«Sehr nahe an der Grenze dessen, was zu kalt gewesen wäre»
«Wir erlebten die sogenannte nautische Dämmerung - das ist nur ein minimales Restlicht, das praktisch völliger Dunkelheit gleichkommt - und dazu herrschte extreme Kälte», sagte Louise Robertson, die als Kopilotin im Einsatz war, dem Sender ABC. Die Bedingungen hätten sich an der Grenze der Leistungsfähigkeit des Flugzeugs bewegt. «Es war sehr nah an der Grenze dessen, was zu kalt gewesen wäre», sagte sie. «Die Temperaturen sanken auf minus 43 Grad Celsius - so eine Kälte habe ich noch nie erlebt. Es wehte ein Wind von etwa 8 Knoten, was durch den Windchill-Effekt für zusätzliche Kälte sorgte.»
Der Airbus A319 von Syktraders ist ein sogenannter Corporate Jet, also die Langstrecken-Geschäftsreiseversion des Passagierflugzeugs A319, der durch Zusatztanks über mehr Reichweite verfügt. Das Flugzeug von Skytraders hat auch eine eigene Treppe zum Ein- und Aussteigen und eine spezielle Kabine mit Platz für bis zu sechs Liegen für Intensivpatienten.
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