Aufnahmen einer Überwachungskamera: Überfall in der eigenen Einfahrt.

JohannesburgFlughafen-Mitarbeiter sollen Räubern zuarbeiten

Arbeiter am Flughafen Johannesburg stehen im Verdacht, Wissen über Reisende an Kriminelle weiterzugeben. Diese begehen dann teils brutale Überfälle.

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Es ist ein ungeheuerlicher Fall. Die südafrikanischen Behörden untersuchen, ob Arbeiter am Flughafen O. R. Tambo in Johannesburg gemeinsame Sache mit Verbrechern machen. Der Verdacht: Die Arbeiter halten Ausschau nach wohlhabenden Passagieren und geben diese Informationen weiter.

Auf der Fahrt mit dem Auto vom Flughafen in die Stadt werden die Reisenden dann mit vorgehaltener Schusswaffe überfallen, etwa an einer schnell errichten Straßensperre mit falschen Warnwesten, oder erst, wenn sie in der eigenen Wohnung eintreffen. Der Flughafen teilte mit, man wolle solche vermeintlichen Späher identifizieren und gegen sie vorgehen, egal ob sie direkt für den Flughafen arbeiteten oder für Firmen, die am Airport aktiv seien. Insgesamt sind laut dem Management rund 35'000 Menschen am O. R. Tambo Flughafen tätig.

Wissen sie, was in den Koffern ist?

Mit der Ankündigung reagierte der Flughafen Johannesburg auf einen Bericht der südafrikanischen TV-Sendung Carte Blanche. Dem zufolge gab es in diesem Jahr bereits 19 bestätigte Überfälle im Zusammenhang mit dem O. R. Tambo International Airport. Dabei wurden auch Opfer angeschossen. Ein Polizeisprecher sagte: «Die Situation hat für uns ein bisher nicht gekanntes Niveau erreicht.»

Carte Blanche sprach auch mit zwei Opfern: Ein Mann wurde auf dem Heimweg vom Flughafen überfallen, als er zusammen mit seiner Frau im Auto vor einem Einkaufszentrum hielt, um etwas zu Essen zu kaufen. Ein anderer Mann wurde in der Einfahrt zu seinem Grundstück ausgeraubt. Videomaterial der Sicherheitskameras belegt das. Beide Männer sind sich sicher, dass sie vom Flughafen aus verfolgt wurden. Außerdem vermuten sie, dass die Späher ihre Opfer nicht nur anhand von Kleidung, Schmuck und Abflugort auswählen, sondern sogar - womöglich dank der Röntgenmaschinen am Flughafen - wissen, welche Koffer wertvolle Dinge enthalten.

Manche Späher werden gezwungen

Ebenfalls kam in der TV-Sendung ein unkenntlich gemachter Späher zu Wort. Er sagte, er und seine Kollegen arbeiteten an verschiedenen Stellen des Flughafens. «Es kann alles sein von Autovermietungen, über Sicherheitsmitarbeiter bis hin zu Gepäckträgern und Reinigungspersonal.» Pro Überfall verdienten sie zwischen 200 und 4000 Rand (rund 13 und 265 Euro), je nachdem, wie groß die Beute sei, sagte der Mann. Laut seinen Angaben lockt viele Späher das leicht verdiente Geld, andere würden aber auch von Kriminellen unter Druck gesetzt: «Die bedrohen deine Familien und zwingen dich, etwas zu tun», sagte er.

Am 1. Juli erschütterte dann ein weiterer und noch brachialerer Überfall den Flughafen O. R. Tambo: Acht Männer fuhren in zwei Autos in das Fracht-Terminal, einige von ihnen trugen laut Polizeiangaben Jacken einer Sicherheitsfirma. Dann stahlen sie im Lagerhaus von Swissport einen Truck, der Mobiltelefone geladen hatte. Schließlich flüchteten die Männer in verschiedene Richtungen. Einer der Kriminellen starb bei einer Schießerei mit der Polizei, ein anderer wurde festgenommen.

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