Am Anfang seiner Geschichte standen die Luftstreitkräfte des Deutschen Kaiserreichs. Die Besatzer fanden den bisherigen Standort des Flughafens der belgischen Stadt Lüttich ungeeignet und entschieden sich 1914 für einen Neubau - in der Gemeinde Bierset. Dort steht der Aéroport de Liège bis heute.
Er gehört in Europa zu den ganz Großen - im Frachtgeschäft. Nur Frankfurt, Paris-Charles de Gaulle, London-Heathrow, Amsterdam und Leipzig/Halle sind größer. Mehr als 1,1 Millionen Tonnen Fracht wurden im Jahr 2024 am Flughafen Lüttich umgeschlagen. Und so sind denn auch Branchengrößen wie Air China Cargo, ASL Airlines, Emirates Skycargo, Ethiopian Cargo, Fedex Express, Kalitta Air, Qatar Airways Cargo oder Western Global Airlines Stammgäste am belgischen Flughafen.
Architekt: Man baut ein Terminal nicht nur für zehn Jahre
Ganz anders sieht es im Passagierbereich aus. Zwar baute der Flughafen Lüttich vor 20 Jahren ein neues Terminal. «Das Hauptanliegen war es, eine freundliche Atmosphäre zu bewahren und dieses neue Gebäude zu einem echten Aushängeschild des Flughafens zu machen. Aus diesem Grund haben wir Glas und Stein verwendet», erklärte Architekt Philippe Greisch. Zudem sei es so gestaltet, dass es erweitert werden könne, um «gegebenenfalls sogar seine Kapazität zu verdoppeln». Man baue schließlich ein Flughafengebäude nicht nur für zehn Jahre.
Der Ausbau wird allerdings nicht nötig sein. Der Trend geht in die andere Richtung. Auf dem Höhepunkt zählte der Flughafen Lüttich einst 400.000 Passagierinnen und Passagiere. Im Jahr 2024 waren es gerade noch 162.000. Der Airport war damit kleiner als Erfurt/Weimar. Und dieses Jahr werden es nochmals massiv weniger werden.
Architekt: Man baut ein Terminal nicht nur für zehn Jahre
Denn die letzte Fluggesellschaft hat sich entschieden, sich vom Aéroport de Liège zurückzuziehen. Am 4. Januar verließ die Boeing 737-800 mit dem Kennzeichen OO-JAQ die belgische Stadt Richtung Tangier. Wer mit ihr in den Urlaub flog, muss an einen anderen Ort zurückkehren. Denn Tuifly Belgium bedient Lüttich jetzt nicht mehr.
Dem Airport mit zwölf Check-in-Schaltern und vier Gates verbleiben bis zum Ende des Sommers nur noch vereinzelte Charterflüge. «Wir stehen mit verschiedenen Fluggesellschaften in Kontakt, aber es gibt noch nichts Konkretes», so ein Flughafensprecher zur Zeitung La Libre Belgique. Bis zum Ende des Jahres werde auch entschieden, was mit dem einst für das große Wachstum im Passagierverkehr konzipierten Terminal geschehen soll. Immerhin ein Trost bleibt Lüttich: Im Frachtgeschäft bleibt der Flughafen einer der ganz großen.
Wir berichten mit Leidenschaft über die Luftfahrt – kritisch, fair und nah dran. Wer uns unterstützt, sorgt dafür, dass wir das 365 Tage im Jahr tun können. Jetzt hier klicken und abonnieren