Austrian Airlines bietet in diesem Sommerflugplan sieben neue Destinationen ab ihrer Basis am Flughafen Wien an. Während die neuen Strecken nach Alicante, Bastia, Ponte Delgada, Ohrid oder Mytilini auf Lesbos als klassische Sommerdestinationen gelten, fällt die westnorwegische Stadt Bergen, die zwischen Juni und September drei Mal wöchentlich bedient wird, in die Kategorie «Coolcations», also Urlaub in kühleren Regionen.
Solche Ferien werden beliebter, weshalb Austrian Airlines in Norwegen neben Oslo und dem neuen Ziel Bergen auch erstmals Tromsø und Harstad/Narvik den Sommer über bedient.
Mischung aus Geschäftsreisen und internationalem Tourismus
aeroTELEGRAPH hat den Austrian-Eröffnungsflug am 1. Juni nach Bergen begleitet und sprach mit Flughafen-Geschäftsführer Helge Eidsnes. Der gibt sich zufrieden mit der Erholung des Nach-Covid-Flugverkehrs und der aktuellen Passagierentwicklung am Bergen Flesland Airport (BGO): «Im Jahr 2024 übertrafen die Passagierzahlen die Werte von 2019. Dieser Anstieg verlief schneller als an den meisten norwegischen Flughäfen», so Eidsnes.
Zurückzuführen sei dieser Trend auf eine Mischung aus Geschäftsreisen und internationalem Tourismus, erklärt der Flughafen-Chef. Besonders die regionalen Industriezweige, besonders Öl und Gas sowie Meeresfrüchte, sorgen für eine ganzjährig stabile Nachfrage. Zudem hat die Fluglinie Widerøe expandiert und die Rolle Bergens als Drehkreuz gestärkt.
Flieger von Widerøe: Bergen hat, für norwegische Verhältnisse, ein mildes Klima. Martin Dichler
Das sind die wichtigsten Märkte für den Flughafen Bergen
Mit Blick auf die internationalen Strecken sagt Eidsnes: «Wir beobachten ein wachsendes Interesse an Norwegen als Sommerreiseziel, insbesondere aus südeuropäischen Märkten. Auch wenn es schwierig ist, den Trend zu 'Coolcations' als spezifischen Faktor herauszustellen, steht die Vorliebe für kühlere Reiseziele im Einklang mit dem Anstieg des Freizeitreiseverkehrs in den Sommermonaten und in der Vor- und Nachsaison.»
Zu den wichtigsten Märkten für den Flughafen zählen Großbritannien, Deutschland, die Niederlande und Dänemark. «Der deutschsprachige Markt ist einer der wichtigsten Märkte für den Incoming-Tourismus in Westnorwegen, und die Aufnahme von Austrian Airlines stärkt sowohl den Direktverkehr als auch die Anbindung über Wien und fördert damit weiteres Wachstum», sagt Eidsnes. Auch für 2026 erwartet der Manager ein Wachstum von rund 15 Prozent auf den internationalen Märkten, das auf den schrittweisen Kapazitätsausbau der Fluggesellschaften zurückzuführen sei.
Begrüßung von Austrian Airlines in Bergen. Bergen Lufthavn
«Auslandsverkehr wächst schneller als der Inlandsverkehr»
Der Flughafen von Bergen bietet aktuell 16 Inlandsflugverbindungen innerhalb Norwegens. Dementsprechend groß ist auch das Passagieraufkommen auf den Regionalstrecken, wobei allein die Hausstrecke Bergen - Oslo rund zwei Millionen Fluggäste jährlich zählt. Aufgrund der geografischen Bedingungen des Landes ist das Flugzeug das wichtigste Verkehrsmittel in Norwegen. «Der Inlandsverkehr macht in der Regel etwa 55 bis 60 Prozent des gesamten Passagieraufkommens aus, während der Auslandsverkehr etwa 40 bis 45 Prozent ausmacht», erklärt der Airport-Chef. «Der Anteil des Auslandsverkehrs hat im Laufe der Zeit zugenommen und wächst nach wie vor schneller als der Inlandsverkehr.»
Blick ins Terminal des Flughafens Bergen. Bergen Lufthavn / Oystein Lower
In ganz Norwegen nutzen rund 15 Millionen Passagiere das Regionalflugangebot, das oft durch staatliche PSO (Public Service Obligation) gefördert wird, wobei nur ausgewählte regionale Strecken im Rahmen eines PSO-Auftrages betrieben werden. «Dabei handelt es sich in der Regel um Strecken, die kleinere Gemeinden mit begrenzter wirtschaftlicher Rentabilität bedienen», so Eidsnes. «Stark frequentierte Strecken wie Bergen - Oslo werden vollständig kommerziell betrieben und kommen ohne staatliche Unterstützung aus.»
Flughafen Bergen fürchtet Bahn-Konkurrenz nicht
Dabei wird die Luftfahrt zwischen Bergen und Oslo laut Eidsnes unangefochten bleiben. «Zwar werden Verbesserungen der Schieneninfrastruktur diskutiert, doch bleibt der Flugverkehr die zeitsparendste Option», sagt er. «Kurz- bis mittelfristig sehen wir keine realistische Alternative, die in Bezug auf Reisezeit und Taktfrequenz konkurrenzfähig wäre.»
Elektroflieger von Beta am Flughafen Bergen. Bergen Lufthavn
Standort für emissionsfreien und emissionsarmen Flugverkehr
«Norwegen hat sich als weltweit führender Teststandort etabliert, insbesondere für emissionsfreien und emissionsarmen Flugverkehr», kommentiert Eidsnes. Angetrieben von staatlich geförderten Initiativen nutze das Land seine anspruchsvollen Wetterbedingungen, sein elektrifiziertes Verkehrssystem und sein ausgedehntes regionales Streckennetz, um nachhaltige Technologien voranzutreiben. «Die Frachtflugtests auf der Strecke Bergen - Stavanger dienten dazu, die für Elektroflugzeuge erforderliche Infrastruktur, Betriebsabläufe und rechtlichen Rahmenbedingungen zu erproben, und haben uns wertvolle Erfahrungen geliefert, während wir nun die nächsten Schritte in der Testarena angehen.»
Wichtig für den Bergen ist derweil auch, dass er über ein eigenes Hubschrauberterminal verfügt, das jedes Jahr von rund 180.000 Arbeiterinnen und Arbeit genutzt wird, um zu den zahlreichen Öl- und Gasplattformen in der Nordsee zu gelangen. Alleine der staatliche Konzern Equinor führt mit sieben Helikoptern der beauftragten Unternehmen (Bristow Norway, CHC Helicopter Service, Lufttransport RW AS), jährlich rund 5000 Hubschrauberflüge ab Bergen durch, wodurch der Airline-Zubringerverkehr angekurbelt wird.
Pendler steigen in Bergen von Flugzeug auf Hubschrauber um
Wichtig für den Flughafen Bergen: Hubschrauber. Bergen Lufthavn
«Der Flughafen ist einer der größten Hubschrauber-Drehkreuze in Europa», sagt Eidsnes. «Dieses Segment macht jährlich eine beträchtliche Anzahl von Flugbewegungen aus und befördert jedes Jahr knapp 180.000 Passagiere im Offshore-Bereich.» Viele davon würden mit dem Flugzeug nach Bergen pendeln, um von dort aus mit dem Hubschrauber zur Arbeit zu gelangen.
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