Das ist das deutsche Ehepaar.

Geburt während des FlugesWelchen Pass kriegen Bord-Babys?

Es ist denkbar selten. Aber es passiert ab und an, wie jetzt auf einem Flug von Turkish Airlines: Ein Kind erblickt das Licht der Welt hoch über den Wolken. Welche Nationalität hat der Knirps?

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Luftfahrt

Wer hochschwanger ist, sollte Flugzeuge meiden. Nicht nur ist es vielleicht im engen Sitz unbequem, es gibt auch Risiken, weil medizinische Hilfe nicht schnell verfügbar ist. Bei vielen Fluggesellschaften gibt es deshalb Empfehlungen, bis wann Flüge für Schwangere unbedenklich sind. Lufthansa etwa hält Flugreisen bis zur 28. Woche für problemlos. Wenn bis dahin alles unkompliziert verlaufen ist, sogar bis zur 36. Woche.

Dennoch passiert es manchmal und ein Baby kommt an Bord zur Welt. So auch vergangene Woche. In einem Flieger von Turkish Airlines auf dem Weg von Conakry nach Istanbul setzten bei einer Passagierin in der angeblich 28. Schwangerschaftswoche die Wehen ein. In der Folge gebar die Frau stehend und mit Hilfe von Passagieren und Crew ein gesundes Mädchen.

Welche Nationalität hat allgemein ein Baby, das über den Wolken zur Welt kommt? aeroTELEGRAPH hat einen möglichen Fall für Sie durchgespielt.

Ben-Mia kommt zur Welt

Wie sähe es also im Fall von Ben-Mia in der oben stehenden Bildergalerie aus (die beiden Namen sind die beliebtesten Kindernamen Deutschlands im Jahr 2016)? Ist das Kind Deutscher, weil es die Staatsangehörigkeit der Eltern bekommt? Niederländer, da es in einem Flugzeug von KLM geboren wurde? Oder Kanadier, weil es im kanadischen Luftraum das Licht der Welt erblickte?

Die Wahrheit liegt, wie so häufig, in der Mitte. Fangen wir bei der deutschen Staatsbürgerschaft an. Das ist die, die Ben-Mia sicher hat. Die Eltern haben beide einen Pass Deutschlands. Laut Staatsangehörigkeitsgesetz ist ein Kind Deutscher, wenn mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsbürgerschaft hat.

Auch Niederländer?

Nein, die niederländische Staatsbürgerschaft erhält der Knirps nicht, auch wenn das Baby in einem Flugzeug von KLM geboren wurde. Denn nur, wenn sich das Flugzeug in exterritorialem Gebiet befindet, also zum Beispiel über dem Ozean, gilt in einem niederländischen Flugzeug niederländisches Recht.

Da das Flugzeug aber zum Zeitpunkt der Geburt über Kanada, also über kanadischem Rechtsterritorium, flog, findet das niederländische Recht in der Maschine von KLM keine Anwendung. Zudem werden in den Niederlanden geborene Babys sowieso nur Niederländer, wenn schon ein Elternteil im Land geboren worden ist und dort seit jeher wohnt. Die niederländische Staatsbürgerschaft kann Ben-Mia also vergessen.

Dann ist Ben-Mia also deutsch und kanadisch?

Genau so ist es. Kanada ist, wie 190 weitere Länder, Teil des Chicagoer-Abkommens. In Artikel eins der Vereinbarung über die Internationale Zivilluftfahrt erkennen die Vertragsstaaten ausdrücklich an, dass jeder Staat über seinem Hoheitsgebiet die volle und ausschließliche Lufthoheit besitzt. Somit gilt in jedem Flugzeug das Recht des Staates, in dessen Luftraum es sich aufhält. Und Kanada kennt das Geburtsortprinzip.

In diesem Sinne: Willkommen, kleiner Neu-Kanadier!

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