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Kartoffelbrei ist Gefahrengut

Jason Edward Harrington schmiss seinen Job als Sicherheitsagent an einem amerikanischen Flughafen hin - und plaudert nun aus dem Nähkästchen.

Inkompetente Manager, absurde Regeln: Der Security Check am Flughafen ist wohl der unerfreulichste Teil einer Reise.

Ist Kartoffelbrei eine Flüssigkeit oder nicht? Es ist eine Frage, die normale Menschen in der Regel nicht beschäftigt. 2008 führte aber genau diese Frage zu einer heftigen Diskussion zwischen drei Security-Mitarbeitern und einem Passagier am Flughafen Chicago. Am Ende gewannen die Sicherheitsleute: Die Kartoffeln nahmen die Form ihres Behälters an und waren somit eine Flüssigkeit – genauer gesagt ein Gel. Und weil es mehr als 100 Milliliter waren, musste das potenzielle Gefahrengut zerstört werden.

Das klingt absurd – und ist nur eine der vielen Geschichten, die Jason Edward Harrington aus seiner Zeit als Mitarbeiter der US-Transportsicherheitsbehörde TSA, zuständig für die Security Checks an Flughäfen, berichten kann. Ein anderes Beispiel gefällig? Eine Frau wollte ihren Goldfisch mit an Bord nehmen – das durfte sie, allerdings nur den Fisch, ohne Wasser. Und auch von Babyschnullern scheint eine erhöhte Terrorgefahr auszugehen – zumindest bestand ein Kollege von Harrington darauf, dass der Schnuller geröntgt wird.

Inkompetente Manager, absurde Regeln

Harrington hatte Anfang des Jahres für Aufregung gesorgt, als er im Magazin Politico einen Artikel über seine Zeit bei der TSA veröffentlichte, mit dem schönen Titel «Liebes Amerika, ich habe dich nackt gesehen». Die Reaktionen waren gewaltig: Interviewanfragen von allen großen TV-Sendern, Tausende begeisterter E-Mails von Reisenden – aber auch einige kritische Töne von ehemaligen Kollegen. Es wäre ja schön, dass er endlich die Wahrheit über die ganzen absurden Regeln veröffentlicht habe, aber der Zorn der Reisenden treffe nun mal die Falschen – die Servicemitarbeiter und nicht die inkompetenten Manager, die sich diese Regeln ausgedacht haben.

In seinem neuen Beitrag für Politico hat sich Harrington diese Kritik zu Herzen genommen und legt nach: Am Flughafen gelte seit dem 11. September 2001 eine «permanente Notfallsituation». Die Transportbehörde und ihre Manager machten mit absurden Regeln den Sicherheitscheck unnötig kompliziert und verschwendeten Milliarden Dollar. Als Beispiel nennt Harrington das Spot-Programm, bei dem «Spezialisten für Verhaltensanalyse» versuchen, über die Körpersprache der Passagiere mögliche Terroristen auszusieben. Der Nutzen dieser Pseudowissenschaft konnte bislang in mehreren Tests nicht bewiesen werden.

Fernsehserie oder Buch

Seine Erlebnisse würden ein tolles Buch oder Fernsehserie abgeben, ist Harrington überzeugt. Er hat mittlerweile einen Agenten. Bald muss er das erste Mal wieder eine größere Strecke reisen, seit seine Enthüllungen veröffentlich wurden. Er ist unsicher, ob er tatsächlich fliegen sollte. Die Alternative wäre der Zug. Die Reise würde dann zwar 16 Stunden länger gehen, aber zumindest müsste er nicht durch die TSA-Kontrollen.



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