Die Boeing 747-8 mit dem Kennzeichen N458BJ: Wir dinzwischen in Arizona zerlegt.

Nach weniger als 20 FlügenErstmals wird eine Boeing 747-8 verschrottet

Das Flugzeug ist nur zehn Jahre alt und flog weniger als 20 Mal. Jetzt wird der einstige Geister-Jumbo von Basel in den USA zerlegt - als erste Boeing 747-8 überhaupt.

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Luftfahrt

Kurz nach dem Jahreswechsel endet eine Ära. Boeing liefert im Januar die letzte je gebaute Boeing 747-8 aus – und damit auch den allerletzten Jumbo-Jet. In 54 Jahren baute der Flugzeughersteller 1574 Exemplare des legendären Doppelstöckers.

Wenn in Everett bei Seattle eine kleine Gruppe geladener Gäste die Übergabe der fabrikneuen und zugleich letzten Boeing 747 feiert, sind 2570 Kilometer weiter südöstlich Arbeiterinnen und Arbeiter damit beschäftigt, ein anderes Exemplar auszuweiden. Nur gerade zehn Jahre nachdem sie ausgeliefert wurde, wird die Boeing 747-8 mit der Seriennummer 40065 und dem amerikanischen Kennzeichen N458BJ am Pinal Airpark zerlegt.

Auch Saudi-Arabien wollte das neue Flugzeug

Rückblende: Im Oktober 2011 bekam Cargolux als erste Fluggesellschaft der Welt eine Boeing 747-8. Sieben Monate später war Lufthansa an der Reihe und erhielt die erste Boeing 747-8 in der Passagierversion. «Auf diesen Moment haben wir uns seit Jahren gefreut», sagte der damalige Vorstandsvorsitzende Christoph Franz am 2. Mai 2012 bei der Ankunft des Flugzeuges in Frankfurt.

Und der Lufthansa-Chef fügte an, die 747-8 sei die «moderne, neue Königin der Lüfte», wie das Magazin Spiegel notierte. Für diese neue Königin hatte sich auch Saudi-Arabien entscheiden. Die Regierung bestellte 2008 eine fabrikneue Boeing 747-8, die dereinst Kronprinz Sultan Bin Abdulaziz durch die Welt fliegen sollte. Doch der designierte Thronfolger verstarb 2011 überraschend.

Verkaufsversuche scheiterten

Trotzem wurde der VVIP-Jet fünf Monate nach der Auslieferung Ende 2012 nach Basel/Mulhouse/Freiburg geflogen. Dort hätte er eine Luxuskabine bekommen sollen. Doch dazu kam es nie. Die Boeing 747-8 BBJ mit weißer Lackierung wurde darum am Euro Airport geparkt.

Die kaum gebrauchte Maschine ohne Interieur sollte verkauft werden. In den Unterlagen wurden beim letzten Versuch die nur 29 Flugstunden und nur 16 Flüge als großes Plus hervorgestrichen. Doch die Versuche, die Boeing 747-8 für 95 Millionen Dollar loszuschlagen, scheiterten an mangelndem Interesse.

Kein Höhen- und Seitenruder mehr

Und so stand der VVIP-Jet fast zehn Jahre weiter ungenutzt am Schweizer Flughafen herum. Bis im vergangenen Frühjahr. Am 15. April verließ der Geister-Jumbo den Schweizer Flughafen. Er wurde von dort zum Pinal Airpark geflogen, einem der größten Flugzeugfriedhöfe der Welt.

Inzwischen ist klar, dass die Boeing 747-8 nie mehr fliegen wird. In der Wüste Arizonas wurde in den letzten Tagen begonnen, erste Teile von der Boeing 747-8 mit dem amerikanischen Kennzeichen N458BJ abzumontieren. So fehlen bereits das Seiten- und Höhenruder, Klappen an den Tragflächen, Teile des Heckkonus sowie Rumpfpaneele. Die Triebwerke - die wertvollsten Teile eines Flugzeuges - sind bereits abmontiert worden.

Kein Erfolg, aber beliebt bei Regierungen

Die 747-8 – lanciert auch als Störmanöver gegen Airbus mit dem A380 - war kein Erfolg. Boeing baute nur gerade 155 Exemplare der Neuversion des Jumbo-Jets. Größte Betreiberin ist mit 28 Exemplaren UPS, größte Betreiberin der Passagierversion ist Lufthansa mit 19 Exemplaren. Einen gewissen Erfolg hatte der Hersteller damit bei Regierungen. So setzen Ägypten, Katar, Kuwait, Marokko, Oman und die Türkei auf eine Boeing 747-8, um ihre Staatsoberhäupter zu transportieren.

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