Flugzeug von Easyjet am BER: Geradeaus statt Kurve.

Am BER in BerlinWirrwarr um Easyjet und die Hoffmannkurve

Die Hoffmannkurve soll BER-Anwohnern Lärm ersparen, ist aber umstritten. Easyjet nutzt sie vorerst nicht mehr. Airline und Flugsicherung haben noch keine gemeinsame Lösung.

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Schon Jahre vor der Eröffnung des deutschen Hauptstadtflughafens BER sorgte die sogenannte Hoffmannkurve für Diskussionen. Die Flugroute wird von der Südbahn bei Ostwind genutzt. Die Rechtskurve startet schon kurz nach dem Start in einer Höhe von nur 152 Metern über Grund und erspart mehreren Ortsteilen und Gemeinden Lärm.

Doch jetzt wird es in Schulzendorf, Eichwalde und Zeuthen wieder laut - denn Easyjet fliegt aktuell über die Orte hinweg, anstatt sie mit der Hoffmannkurve zu umfliegen. Die Airline habe mitgeteilt, dass sie «die Hoffmann-Kurve vorerst nicht mehr fliegen wird – und somit die Ausweichstrecke, die nach einem 15-Grad-Knick nach Südosten zunächst geradeaus verläuft, stärker beflogen werden wird», erklärte die Deutsche Flugsicherung DFS vergangene Woche. «Dies liegt offenbar an den jeweiligen Bordcomputern (Flight Management System = FMS), die die Beschreibung der genannten Route unterschiedlich interpretieren beziehungsweise im System übersetzen», schreibt die Flugsicherung.

Problem mit vorgeschriebener Mindestflughöhe?

Der britische Billigflieger erklärt, dass er in diesem Kontext keine technischen Probleme habe und Flüge gemäß allen gesetzlichen und sicherheitsrelevanten Auflagen mit denselben elektronischen Systemen durchführe wie andere europäische Fluggesellschaften. Man habe «bereits vor einiger Zeit gemeinsam mit anderen Fluggesellschaften den Behörden einen Vorschlag zur Lösung für diese Flugroute unterbreitet». Auch auf dieser Grundlage arbeiten Fluglinie und DFS nun an einer gemeinsamen Lösung, wie sie betonen.

Von Easyjet heißt es, dass die voll ausgelasteten Flieger mit Europazielen auf dieser Abflugroute nicht die gesetzlich vorgeschriebene Mindestflughöhe am Ende der Startbahn erreichen würden. Dirk Schulz aus der BER-Fluglärmkommission will sich damit nicht zufrieden geben und sagt gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg RBB: «Die Piloten, mit denen wir sprechen, sagen, dass es für einen durchschnittlichen Airbus möglich ist, die Routen zu steigen.» Gerade bei relativ kurzen Strecken und einer nur teilweisen Betankung sei «noch genug Performance vorhanden, diese Strecken zu fliegen». Laut RBB will das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung prüfen, ob Easyjet einen Regelverstoß begeht.

«Kurve ist legal, aber nicht optimal»

Die DFS erklärt, dass die meisten Airlines die Hoffmannkurve weiterhin wie geplant fliegen, falls nicht technische oder meteorologische Gründe dagegen sprechen. «In einer Auswertung der Flugspuren auf dieser Abflugroute blieb die bisherige Schwankungsbreite deutlich innerhalb der internationalen Vorgaben, auch wenn viele Luftfahrzeuge die gewünschte 'Solllinie' nicht exakt eingehalten haben», heißt es. Man schaue sich die Umsetzung der Hoffmannkurve auch in den kommenden Tagen und Wochen genau an.

Felix Gottwald, Experte für Flugsicherungsfragen bei der Vereinigung Cockpit hatte im Gespräch mit aeroTELEGRAPH im vergangenen Jahr erklärt: «Diese Kurve ist legal und sie ist machbar. Aber sie ist nicht optimal.» Sicherer wäre es, ein Stück weiter geradeaus zu fliegen und zu steigen, bevor man in die Kurve gehe. Zum Spitznamen Kotzkurve erklärte er, es würden sich zwar nicht reihenweise Leute übergegeben. Aber wenn jemand mit Flugangst oder zumindest viel Respekt vor dem Fliegen «diese Kurve direkt nach dem Start durchlebt – vor allem unvorbereitet, wenn der Pilot keine erklärende Ansage macht vorher –, wird derjenige zumindest schweißnasse Hände bekommen», so der Pilot.

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