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Carolyn McCall

«Germanwings spüren wir bei Easyjet nicht»

Easyjet-Chefin Carolyn McCall spricht im Interview mit aeroTELEGRAPH über ihre Pläne in Berlin und Hamburg, hohe Gebühren in Zürich und die Risiken eines EU-Austritts Großbritanniens.

Easyjet

Carolyn McCall über einen möglichen Brexit: «Wir haben einen Notfall-Plan».

Easyjet ist sehr stark in Berlin und hat eine gute Position in Hamburg. Aber in anderen deutschen Städten sind Sie schwach. Haben Sie da eine Chance verpasst?
Carolyn McCall: Ich finde nicht, dass wir eine Chance verpasst haben. Um es landesweit richtig zu machen, bräuchten wir sehr viele Flugzeuge. Hinzu kommt, dass Deutschland sehr föderalistisch aufgebaut ist. Die regionalen Unterschiede muss man berücksichtigen. Daher glaube ich, dass in Deutschland eher einen schrittweiser Aufbau zum Erfolg führt. Wir werden dementsprechend Berlin weiter stärken und auch in Hamburg weiter wachsen. In Stuttgart planen wir ebenfalls noch mehr zu machen.

Aber wird das nicht zu spät sein? Ryanair hat ja eine große Deutschland-Offensive gestartet.
Auch Ryanair braucht viel Zeit und viele Flugzeuge. Lufthansa betreibt in Deutschland mit Düsseldorf, Frankfurt und München noch immer drei Drehkreuze. Das gibt es sonst bei keiner anderen großen Fluggesellschaft. Zudem besitzt Lufthansa mit Germanwings eine eigene Billigairline. Daneben gibt es noch Air Berlin. Da ist ganz schön viel los. Wir konzentrieren uns in Deutschland auf profitables Wachstum. Wir werden weiter wachsen. Aber wir werden es graduell tun.

Spüren Sie denn die Konkurrenz der gestärkten Germanwings/Eurowings?
Nein. Bis jetzt nicht.

In der Schweiz ist die Ausgangslage anders. Da sind sie schon sehr groß – in Basel und Genf ist Easyjet Marktführerin. Können Sie da überhaupt noch wachsen?
Der Anteil der Lowcost-Anbieter beträgt in der Schweiz nur 29 Prozent. Im restlichen Europa sind es 43 Prozent. Potenzial ist also da.

Was planen Sie in Basel und Genf?
Wir erhöhen die Kapazität an den beiden Flughäfen weiter. Das werden wir nicht unbedingt tun, indem wir mehr Flugzeuge in Basel und Genf stationieren. Wir werden die beiden Flughäfen aber von anderen Basen aus öfter anfliegen.

Und in Zürich? Da sind sie seit vielen Jahren aktiv, bieten aber mit London Gatwick, London Luton und Hamburg nur drei Destinationen an. Warum?
Die Flughafenführung zeigt sich sehr interessiert daran, dass Easyjet mehr in Zürich macht. Für unser Geschäftsmodell müsste man jedoch noch etwas an der Infrastruktur arbeiten. Zudem sind die Gebühren einfach sehr, sehr hoch. Die Gebühren sind der haupsächliche Grund, warum wir in Zürich unser Angebot nicht stärker ausbauen.

In der Schweiz und in Deutschland sind Businessreisende besonders wichtig. Sie versuchen die seit längerem vermehrt zu ködern. Wen können Sie bislang nicht überzeugen?
Wir haben im vierten Quartal 2015 bei den Businessreisenden 6,5 Prozent zugelegt. Wir liegen damit sehr gut im Plan, den Anteil von Geschäftskunden in den kommenden fünf Jahren auf 25 bis 30 Prozent zu steigern.

Wen können Sie bislang nicht überzeugen?
Es gibt eine Gruppe von Businesspassagieren, die aus Prinzip bei den klassischen Fluggesellschaften bucht.

Wie kommen Sie an die heran?
Wir bieten heute das Vorzugsboarding, schnelle Gepäckaufgabe, Umbuchungen. Und wenn Sie den Mittelsitz neben sich gerne frei haben, dann können Sie den für sich selbst hinzu buchen. Das ist ja bei unseren Preisen sehr erschwinglich. Auf der Produkteseite müssen wir deshalb nicht mehr viel tun. Aber ich glaube, dass wir bei der Kommunikation noch zulegen können. Es ist noch nicht allen klar, was wir bieten.

Auch in der Luftfahrt sind politische Rahmenbedingungen wichtig. In Ihrem Heimatland wird im Herbst über den Austritt aus der Europäischen Union abgestimmt. Was würde ein Brexit für Easyjet bedeuten?
Easyjet würde ohne EU nicht existieren. Wir müssen also nicht eine Sekunde lang überlegen, für was wir sind. Wir glauben, dass es Großbritannien wirtschaftlich besser geht, wenn das Land in der EU bleibt.

Und wenn es anders kommt?
Wir haben einen Notfall-Plan. Den möchten wir lieber nicht brauchen. Unser Fokus wird aber darauf liegen, dass die Verbraucher wissen, welche Vorteile sie vom EU-Binnenmarkt haben.

Das heißt, sie werden sich aktiv im Abstimmungskampf äußern?
Wir werden keinen Abstimmungskampf betreiben. Aber wir werden unsere Meinung klar äußern.

Und wenn Sie nicht erhört werden – wie groß ist das Risiko eines Brexit für Easyjet?
Das Risiko ist kontrollierbar. Schauen Sie nur Norwegen an. Wir haben drei Optionen in der Schublade. Aber die möchten wir nicht hervor nehmen müssen. Ich will lieber schauen, dass es nicht soweit kommt.



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