Letzte Aktualisierung: um 10:03 Uhr

Langstrecken-Pause und Jobabbau

Düstere Tage für die Angestellten von KLM

Die Nationalairline der Niederlande hat einen Langstrecken-Stopp angekündigt. Das sorgt fürheftige Diskussionen. So oder so muss KLM aber weitere Stellen abbauen.

aeroTELEGRAPH

Serviette von KLM: Auf der Langstrecke bleibt die Küche kalt.

KLM stellt zum Wochenende alle Langstreckenflüge ein – diese Nachricht sorgte am Donnerstag (21. Januar) für Aufregung. Grund sind verschärfte Einreiseregeln in den Niederlanden, die auch Besatzungsmitglieder verpflichten. Vor dem Abflug im Ausland einen Covid-19-Schnelltest zu machen. Fällt der positiv aus, darf der Getestete nicht mitfliegen. Dadurch laufe man «Gefahr, Besatzungsmitglieder zurückzulassen», so ein KLM-Sprecher.

Die Ankündigung hat eine große Diskussion ausgelöst. Der Chef des Flughafens Amsterdam Schiphol, Dick Benschop, appellierte an die Regierung, «sich mit KLM zu beraten, um eine praktische Lösung zu finden, die sicherstellt, dass der Frachttransport und notwendige Reisen zu erlaubten Zielen möglich bleiben». Gegenüber dem Portal Luchtvaartnieuws äußerten sich verschiedene Gewerkschaften, die KLM-Piloten, -Flugbegleiter und -Techniker vertreten. Sie zeigten sich angesichts des Flugstopps besorgt über die Zukunftsfähigkeit der Airline.

Minister zieht Vergleich zu Lkw-Fahrern

Die Arbeitnehmervertreter hoffen, dass die Politik eine Ausnahme macht für die Crews. «Auf Außenstationen kann eine adäquate Krankenhausversorgung unter den derzeitigen Bedingungen nicht überall gewährleistet werden», so die Kabinengewerkschaft FNV. Daher sei eine Rückkehrgarantie unerlässlich. Es gebe Empfehlungen von der europäischen Luftfahrtbehörde Easa, «zum Beispiel, dass die Besatzung im Falle eines positiven Testergebnisses in ein bestimmtes Quarantänegebiet zurückgeflogen wird».

Infrastruktur-Ministerin Cora van Nieuwenhuizen scheint die KLM-Mitarbeitenden allerdings nicht von der Testpflicht entbinden zu wollen. «Es ist KLM hoch anzurechnen, dass sie die Crewmitglieder nicht zurücklassen will», sagte die Ministerin. Allerdings gebe es die gleiche Situation bereits bei Lkw-Fahrern, die bei der Rückreise aus England auf die Fähre müssen. «Wenn sie positiv getestet werden, müssen sie in ein Quarantäne-Hotel in Großbritannien», sagte van Nieuwenhuizen.

KLM streicht mindestens 800 weitere Jobs

Als wäre all das noch nicht genug, hatte die Fluggesellschaft am Donnerstag noch eine schlechte Nachricht für die Angestellten. Man habe 2020 zwar bereit 5000 Arbeitsplätze streichen müssen, so KLM. Diese Zahl habe aber basiert auf der Annahme einer beginnenden Erholung der Luftfahrt 2021. «Die aktuelle Realität ist, dass sich die Erholung des Langstreckenverkehrs länger als erwartet verzögern wird», so die Fluglinie.

Daher wird KLM 800 bis 1000 weitere Jobs abbauen, rund 500 in der Kabine, 100 im Cockpit und 200 bis 400 am Boden. Chef Pieter Elbers stellte klar, dies beziehe noch nicht die Maßnahmen ein, «welche die niederländische Regierung in den vergangenen 48 Stunden angekündigt hat». Deren Auswirkungen müssten sich erst zeigen, so Elbers. Der nun angekündigte Jobabbau sei in jedem Fall unvermeidbar.

Ergänzung vom 22. Januar, 19 Uhr: Die Regierung hat eingelenkt. Für viele Reisende entfällt die Testpflicht. Mehr dazu hier.



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