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Flugzeugunglück

Die Tragödie von Air-India-Flug AI182

Vor 30 Jahren zerriss eine Bombe eine Boeing 747 von Air India über dem Atlantik. Flug AI182 bleibt bis heute das zweitschlimmste Terrorattentat der Luftfahrtgeschichte.

Contri/Flickr/CC

Boeing 747-200 von Air India: Eine Maschine des Typs verschwand auf Flug AI182.

Jedes Jahr treffen sich am 23. Juni ein paar Dutzend Inder und Iren in der Nähe von Ahakista. Sie kommen nicht wegen der Kirche und den zwei Pubs im idyllischen kleinen südirischen Küstenort.  Sie kommen um Verstorbener zu gedenken. Dieses Jahr reisten besonders viele Besucher an. Denn es ist genau dreißig Jahre her, seit südlich von Ahakista ein vollbesetzter Jumbo-Jet von Air India ins Meer stürzte. 329 Menschen starben.

Flug AI182 war in Montreal gestartet und hatte London Heathrow zum Ziel. Von dort hätte er weiter nach Delhi und Mumbai fliegen sollen. An Bord waren am 23. Juni 1985 307 Passagiere und 22 Besatzungsmitglieder. Beim Start und der Überquerung des Atlantiks lief noch alles gut. Über Shannon meldete sich der Pilot wie gewohnt bei der Flugaufsicht. Kurze Zeit später aber brach der Kontakt ab. Eine in einem tragbaren Radio versteckte Bombe in einem Koffer war im vorderen Frachtraum explodiert.

Sikh-Extremisten als wahrscheinlichste Täter

Die Wucht des Sprengstoffes hatte die Hülle der Boeing 747-200 von Air India zerfetzt. Sie fiel morgens zwischen 7:15 und 7:30 Uhr von der Reiseflughöhe auf 31.000 Fuß oder 9450 Meter ins Meer. Zwei Stunden später fand ein Schiff der irischen Marine Wrackteil und Leichen im Wasser treibend. Es gab keine Lebenszeichen mehr. Unglücksflug AI182 bleibt bis heute das zweitschlimmste Terrorattentat der Luftfahrtgeschichte – nach 9/11.

Hinter dem brutalen Attentat wurden Sikh-Extremisten der Terrorgruppe Babbar Khalsa vermutet. Sie kämpfte damals mit Waffengewalt gegen die Hindus in Indien. Das schloss man auch daraus, dass ein zweiter Koffer in Tokio explodierte. Auch er hätte auf einen Flug von Air India geladen werden sollen. Die Täter vergaßen aber, dass in Japan keine Sommerzeit gilt. Deshalb ging der Sprengstoff zu früh hoch.

Kanada entschuldigt sich für Flug AI182

Die Untersuchungen zum Unglück zogen sich lange hin. Die mutmaßlichen Haupttäter wurden nie verurteilt, weil die Beweislage zu dünn war. Die Gerichtsverhandlungen dauerten bis 2014. Auch sonst sorgte der tragische Fall noch lange für Aufruhr. 2010 stellte eine kanadische Regierungskommission einen neuen Bericht vor. Er listete eine ganze Reihe an katastrophalen Mängeln bei den Sicherheitskräften im Land auf. So wurden sie früh über mögliche Anschläge auf Maschinen von Air India gewarnt, taten aber wenig dagegen.

Zudem wurde das Gepäck zwar geprüft. Doch als ein Gerät bei einem Koffer leicht ausschlug, wussten die Prüfer nicht, was sie nun tun sollten. Sie ließen das Gepäckstück passieren. Schon zuvor hätte der Koffer eigentlich nicht mitreisen dürfen. Denn der Passagier, der ihn aufgegeben hatte, war nicht an Bord gegangen. Kanada hat sich denn 2010 auch offiziell bei den Hinterbliebenen der Opfer entschuldigt.



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