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Flugchaos in den USA

Die Kettenreaktion, die zum Southwest-Desaster führte

Die amerikanische Billigairline erlebte über die Weihnachtstage und danach ein Debakel, das es so noch selten gab. Das geschah auch, weil Southwest sich auf uralte Systeme verließ.

Southwest

Southwest-Flieger: Nur ein Drittel der Flüge hob am zweiten Weihnachtstag ab.

«Das ist das schlimmste Ereignis dieser Art, das ich je erlebt habe.» Diese deutlichen Worte von Southwest-Chef Bob Jordan zeigen, wie groß das Chaos bei der amerikanischen Billigairline gerade ist. Seit ein heftiger Wintersturm die USA an Weihnachten heimsuchte, gelang es ihr nicht, zum Normalbetrieb zurückzukehren.

Am zweiten Weihnachtstag strich Southwest mehr als zwei Drittel ihrer Flüge, und es geht weiter mit Annullierungen und Verspätungen. Die Fluggesellschaft trifft es damit deutlich härter als ihre Mitbewerber.

Zu kalt für Normalbetrieb

Dabei ging Southwest so zuversichtlich in die Weihnachtstage. Denn an Thanksgiving, den zweitwichtigsten Feiertagen des Landes, hatte die Fluglinie von rund 26.000 Flügen nur etwa 70 streichen müssen – eine bemerkenswerte Bilanz. Doch dann kam es zu einer Kettenreaktion, die alles aus dem Gleichgewicht brachte, wie Airlinechef Jordan in einer Nachricht an die Mitarbeitenden schrieb, die in den Sozialen Netzwerken kursiert.

Der Sturm war nur der Anfang. «Es begann mit dem Wintersturm Elliott, der unsere Bodeneinsätze stark unter Druck setzte. Das extrem kalte Wetter zwang uns, die Zeit zu begrenzen, in der unsere Mitarbeiter der Bodenkontrolle ausgesetzt waren», so Jordan.

Leute waren nicht dort, wo sie sein sollten

«Die Ausrüstung fror ein, die Fluggastbrücken froren ein, der Treibstoff geriet ins Stocken, sodass wir unser Netzwerk anpassen mussten und manchmal den Betrieb der Basen für eine Weile stilllegten», heißt es weiter. Das habe man überstanden. Wie auch viele andere Airlines. Doch dann begannen die Probleme erst wieder richtig.

Denn durch die wetterbedingten Ausfälle waren die Besatzungen von Southwest nicht dort, wo sie hätten sein sollen. Denn die Airline operiert anders als etwa United oder American nicht über Drehkreuze, sondern fliegt Punkt-zu-Punkt-Verbindungen.

Skysolver löste nichts

«Wir hatten Leute, die fliegen durften. Wir hatten Flugzeuge, die verfügbar waren, aber der Prozess der Zuordnung dieser Besatzungsmitglieder zu den Flugzeugen konnte von unserer Technologie nicht bewältigt werden.»

Das System, welches Southwest nutzt, trägt den Namen Skysolver – auch wenn es diesem in den vergangenen Tagen nicht gerecht wurde. Statt Probleme zu lösen, wurde es zum Hauptgrund, warum der Wintersturm ein solches Debakel für die Airline wurde.

Extra-Schichten für die Planung

Die Telefonleitungen waren überlastet, und Southwest-Besatzungen, die sich um eine Zuteilung bemühten, konnten die Flugplanungsabteilung nicht erreichen. Einige teilten Screenshots in den sozialen Medien, die Wartezeiten von acht Stunden und mehr zeigten – was bedeutete, dass sie einen ganzen Arbeitstag auf Anweisungen warten mussten, während Flüge mangels Besatzung stecken blieben.

Die Fluggesellschaft versuchte verzweifelt herauszufinden, wo sich ihre Besatzungsmitglieder befanden, berichten Gewerkschaftsvertreter der Zeitung Wall Street Journal. Die Flugplaner mussten nach dem Totalversagen von Skysolver die Unterlagen von Hand durchkämmen und Besatzungen zuteilen.

Schon seit Jahren mangelhaft

Viele Mitarbeitende schoben Extra-Schichten über Weihnachten, um zumindest einen Teil der Flüge abheben zu lassen. Nur nach und nach erholt sich die Fluggesellschaft von diesen Problemen. Aktuell vermutet Southwest, dass man sich ab Freitag (30. Dezember) langsam in Richtung Normalbetrieb bewegen könne.

Gewerkschaften kritisieren, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis es zum Zusammenbruch kommt. Die alten Systeme hätten bereits seit Jahren immer wieder absurde «Lösungen» für Probleme gefunden, Besatzungsmitglieder etwa auf dem Weg zu einem Einsatz teils als Passagiere auf absurde Rundflüge durch das Land geschickt. Und tatsächlich hat auch Southwest-Chef Bob Jordan bereits im Sommer eingestanden, dass man schneller gewachsen sei als die Technologie, auf die man sich stütze.

Auf der Suche nach Ersatz

Auch die Regierung der USA schaut kritisch auf die Fluggesellschaft. Verkehrsminister Pete Buttigieg erklärte, er habe dem Management deutlich gemacht, dass man die Airline für die Probleme zur Rechenschaft ziehen werde, weil Reisende und Mitarbeitende «unannehmbare Störungen» erlebt haben.

Das Management von Southwest hat verstanden, dass sich etwas ändern muss. Man sei dabei, Ersatz für das mangelhafte System zu bauen oder zu kaufen. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass kein zweiter Wintersturm die USA heimsucht.