Letzte Aktualisierung: 6:18 Uhr

Rätsel um Bestellungen bei Comac

Der chinesische Flugzeugbauer brüstet sich damit, schon 235 Bestellungen für den C919 zu haben. Sicher sind nicht alle davon.

Comac

C919: Ein enger Zeitplan

Es ist Halbzeit beim C919-Programm. 2016 soll der Passagierflieger des chinesischen Herstellers Comac den Dienst antreten. Wenn alles nach Plan läuft. Eigentlich ist in den Achtjahres-Plan einiges an Puffer eingebaut. Doch dieser sei schon so gut wie aufgebraucht, vermeldet das Fachportal Aviation Week, der Zeitplan sei nun ziemlich eng. Grund dafür sei unter anderem, dass die Zusammenarbeit mit den Zulieferern mehr Zeit koste als erwartet. Die Kunden scheinen dennoch darauf zu vertrauen, dass der C919 rechtzeitig abhebt. Auf der Singapore Air Show verkündete Comac Mitte Februar die Bestellung von zwanzig Fliegern durch die Leasingfirma BOC Aviation, die zur Bank of China gehört.

Damit liegt die Gesamtzahl der bestellten Mittelstreckenfliegern bei 235, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldet. Doch die Zahl sollte man offenbar mit Vorsicht genießen. Informanten aus Unternehmen, die in den Bestellprozess involviert sind, sagten gegenüber Aviation Week, dass die Verträge über die Bestellungen nur wenig verbindlich seien. In einigen sei noch nicht einmal die Zahl der bestellten Flieger präzisiert, obwohl Comac eine konkrete Anzahl in einer Pressemitteilung genannt hatte. Offenbar sei Comac etwas zurückhaltend, was feste Verträge betreffe. Branchenquellen vermuten, dass der Hersteller Angst hat, seine Lieferzeiten nicht einhalten zu können

Auch chinesisches Triebwerk geplant

Trotzdem: Die Produktion verlaufe nach Plan, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Wu Guanghui laut Xinhua bei der Verkündung der Bestellung. Die ersten Testflüge sollen weiterhin schon 2014 stattfinden. Wie Wu weiter bekannt gab, wolle man den Jet mit LEAP-X1C-Triebwerken von GE Aviation bauen. Der Treibstoffverbrauch soll sich dadurch gegenüber bestehender Konkurrenz um 13 bis 15 Prozent verringern, 50 Prozent an Emissionen will man einsparen. Außerdem sei man dabei, ein eigenes Triebwerk zu entwickeln, das Yangtze1000. Dieses durchläuft gerade den Zertifizierungsprozess in Schanghai.

Auch der A320neo oder die Boeing 737Max-Reihe können beim Verbrauch mit den 15 Prozent Ersparnis mithalten oder diese sogar noch übertreffen. Die Tatsache, dass das Konkurrenzprodukt, der A320neo, laut Airbus bereits im Oktober 2015 zur Verfügung stehen soll, setzt Comac daher unter Druck. Und falls der C919 sich tatsächlich verspätet, könnte auch die B737Max im vierten Quartal 2017 eventuell noch vor dem C919 auf den Markt kommen. Doch die Chinesen handeln nun ganz nach dem Motto: Wenn du den Feind nicht besiegen kannst, verbünde Dich mit ihm – und wollen mit dem US-Flugzeugbauer Boeing zusammenarbeiten. Wie die beiden Unternehmen in einer Mitteilung erklärten, wolle man sich dabei helfen, Emissionen einzusparen und mehr Treibstoffeffizienz zu erreichen. Doch Details zu der Zusammenarbeit sind noch nicht bekannt.

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