Die berühmte Mickey Mouse One: Heute wird sie im Museum in Palm springs ausgestellt.

Gulfstream 1Was Mickey Mouse mit dem Erfolg von Gulfstream verbindet

Ein unscheinbares Turbopropflugzeug aus den 1960er-Jahren diente Walt Disney als fliegendes Büro und wurde damit zu einem Baustein für den späteren Erfolg von Gulfstream.

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Was verbindet Kim Kardashian, Elon Musk, Jeff Bezos, Cristiano Ronaldo? Außer einem riesigen Vermögen auch, dass sie alle mindestens einen Privatjet von Gulfstream besitzen. Die Jets des US-Herstellers aus Savannah gelten als das Highend-Produkt der Business-Aviation. Und es läuft auch bei Gulfstream: 2025 verkaufte der Hersteller mehr Businessjets als jeder andere und erzielte mit sieben Milliarden Dollar zugleich den höchsten Umsatz der Branche.

Gulfstream Aerospace gibt es als eigenen Hersteller erst seit 1978. Begonnen hat die Gulfstream-Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Dach der Grumman Aircraft Engineering Corporation, einem 1929 gegründeten Flugzeughersteller aus Long Island. Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Ingenieure mit der Entwicklung eines Geschäftsreiseflugzeugs, das Platz für 10 bis 14 Personen bieten sollte. Als Basis diente der Marine-Transporter Grumman TF-1 Trader.

Grumman baute das erste zweimotorige Geschäftsreiseflugzeug

Herausgekommen war das weltweit erste turbopropgetriebene, zweimotorige Geschäftsreiseflugzeug mit mittlerer Reichweite. Ausgestattet mit Druckkabine und Bugradfahrwerk, hob der erste Prototyp am 14. August 1958 ab. Intern hieß das Flugzeug G-159. Der Legende nach gab ihm Grumman-Chef Roy Grumman nach einem Florida-Urlaub, wo der Golfstrom entlang der Küste nach Norden fließt, den entscheidenden Namen: Gulfstream, später Gulfstream I.

Mickey Mouse One im Flug.

Der erste Schritt zur Eigenständigkeit folgte 1969: Grumman lagerte Fertigung und Vertrieb der Gulfstream-Reihe in eine eigene Tochtergesellschaft aus. Endgültig vollzogen wurde die Trennung dann neun Jahre später. Im Juli 1978 übernahm Allen Paulson, Eigentümer von American Jet Industries, die Aktienmehrheit an der Tochtergesellschaft. Gulfstream gehörte damit nicht mehr zu Grumman, sondern war als Gulfstream American Corporation mit Sitz in Savannah, Georgia ein eigenes Unternehmen.

Gulfstream 1 legte den Grundstein für den Erfolg

Die Gulfstream 1 legte also den Grundstein für den späteren Erfolg des Herstellers aus Georgia. Und wie schon bei den heutigen Modellen hat auch der erste Businessjet Anfang der 1960er-Jahre Prominente von den Vorteilen begeistert. Besonders berühmt ist der Besitzer der Gulfstream 1 mit dem Kennzeichen N234MM. MM steht für Mickey Mouse und Besitzer des Flugzeugs war: Walt Disney.

Disney flog allerdings nicht sonderlich gerne und soll das Fliegen lange Zeit gemieden haben. Das änderte sich erst 1961, im Alter von 60 Jahren, als ihn einer seiner engsten Mitarbeitenden und Hobbypilot zu einem Charterflug nach Palm Springs überredete. Später hieß es, dass diese Erfahrung Walt Disney vom Nutzen der Flugreisen überzeugt habe.

«234, Mickey Mouse»

Formal gehörte die Gulfstream I nicht Disney persönlich, sondern seinem Unternehmen Walt Disney Productions. Ausgeliefert wurde sie im März 1964, zunächst unter der Werkskennung N732G. Erst 1967 erhielt sie das Kennzeichen N234MM. Piloten meldeten sich bei Fluglotsen scherzhaft mit «234, Mickey Mouse» statt der korrekten Buchstabiertafel, woraus sich rasch der Spitzname Mickey Mouse One entwickelte.

Für Walt Disney war die Gulfstream 1 weit mehr als ein Transportmittel. Das Interieur gestaltete er gemeinsam mit seiner Frau Lillian. Die Kabine bot Platz für 15 Passagiere sowie Pilot, Kopilot und Stewardess, ergänzt durch drei Sofas, einen Klappschreibtisch und zwei Toiletten. Die voll ausgestattete Galley versorgte bis zu 18 Personen mit warmen Mahlzeiten, darunter Disneys Lieblingsgericht Chili. Sein eigener Sitzplatz befand sich im hinteren Teil der Maschine, abgetrennt durch einen mit Herbstblättern aus dem Garten der Disney-Familie dekorierten Raumteiler.

Mäuse überall im Flugzeug

Auch dezente Mickey-Mouse-Anspielungen fehlten nicht an Bord: Cocktailservietten zeigten Mickey und Minnie Mouse beim Fliegen, an Disneys Sitzplatz lagen Streichholzheftchen mit der Maus-Silhouette bereit. Passend zum Interieur war auch die Lackierung im Look von Walt Disney Productions gehalten, weiss mit orange-schwarzen Streifen. Erst 1985 wich diese Lackierung einem blau-weißen Design mit winkendem Mickey-Mouse-Motiv am Heck.

Diese Anzeigen waren am Arbeitsplatz von Walt Disney verbaut.

Dank der Mickey Mouse One konnte bei geheimen Erkundungsflügen über Zentralflorida auch der Standort für Walt Disney World gefunden werden. Aber nicht nur das, auch die Inspiration für die Attraktion Pirates of the Caribbean holte er sich bei einem Überflug über die Festung El Morro in Puerto Rico. Bis zu ihrer Ausmusterung 1992 sammelte die Gulfstream I rund 20.000 Flugstunden und beförderte schätzungsweise 83.000 Passagiere, darunter auch mehrere US-Präsidenten.

Heute im Palm Springs Air Museum

Nach Jahren des Verfalls retteten ab 2019 die Walt Disney Archives, Walt Disney Imagineering, die Phoenix Air Group sowie das Palm Springs Air Museum die Gulfstream I in einem gemeinsamen, mehrjährigen Restaurierungsprojekt. Heute ist die Maschine vollständig restauriert und dauerhaft im Palm Springs Air Museum zu besichtigen.

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