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22 Langstreckenziele abgebaut

BMW beklagt sich über Abbau bei Lufthansa

In den letzten zehn Jahren strich die deutsche Fluggesellschaft 22 Ziele in Afrika und Asien aus dem Flugplan. Das kommt beim Autobauer nicht gut an. Doch Lufthansa hat kaum eine Wahl.

Altes Lufthansa-Plakat: Die Zeiten waren für Airlines noch schön, als es keine Konkurrenz gab.

Harry Hohmeister wollte es offenbar genau wissen. Das Lufthansa-Vorstandsmitglied gab eine Zusammenstellung in Auftrag, welche Strecken sein Konzern in den letzten zehn Jahren gestrichen hat. Seine Mitarbeiter kamen laut einem Bericht des Magazins Der Spiegel mit einer Liste zurück, die 22 Städte aufführte. In Afrika sind es Alexandria, Asmara, Khartoum, Libreville, Pointe Noire und Tripolis. Im Nahen Osten fielen Abu Dhabi, Dubai, Jeddah, Muscat und Sanaa dem Rotstift zum Opfer. Und in Asien wurden Busan, Guangzhou, Hyderabad, Jakarta, Karachi, Kolkata, Kuala Lumpur, Lahore, Manila und Tashkent gestrichen. Dabei wurden weggefallene Nonstop-Ziele ab Frankfurt oder München berücksichtigt.

Neueste Maßnahme: Lufthansa fliegt ab November nicht mehr nach Shenyang in China. Das gefällt offenbar BMW ganz und gar nicht. Konzernchef Harald Krüger soll gemäß Spiegel bei Lufthansa-Chef Carsten Spohr persönlich interveniert haben, um den Shenyang-Flug zu retten. Schließlich seien die Flüge in die chinesische Stadt voll besetzt mit Leuten des Autobauers, so Krügers Argumentation. Denn dort betreibt BMW ein Produktionswerk. Doch Spohr soll entgegnet haben, die Grundauslastung von BMW reiche nicht, um profitabel zu fliegen.

Netzt wird laufend überprüft

Lufthansa will den Artikel nicht groß kommentieren. «Wir überprüfen unser Streckennetz laufend. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Und wenn eine Strecke wirtschaftlich keinen Sinn mehr macht, stellen wir sie ein», erklärt ein Sprecher. Bei vielen Destinationen auf der Hohmeister-Liste ist auch einfach nachzuvollziehen, dass sie sich nicht mehr rechneten. Bei Zielen wie Alexandria, Asmara, Sanaa oder Tripolis ist die politische Lage so miserabel, dass der Verkehr ganz automatisch eingebrochen ist.

Bei anderen Zielen spürt Lufthansa die große Konkurrenz, vor allem von den Golfairlines Etihad, Emirates und Qatar. Dies gilt etwa für Strecken nach Indien und in den Nahen Osten, aber auch nach Südostasien. Die zusätzliche Kapazität drückt die Preise nach unten und macht Strecken unwirtschaftlich. Gleichzeitig gab es durchaus auch neue Ziele, die in den Flugplan aufgenommen worden sind, so etwa Cancun, Denver, San Jose oder Panama City.

Mehr Absprache

Um dennoch ein weltweites Netz bedienen zu können, koordiniert Lufthansa vermehrt das Angebot ihrer Töchter. So fliegt beispielsweise nur noch Swiss nach Oman. Früher flog auch Lufthansa hin. Sechs von zehn Passagieren auf dem ehemaligen Direktflug ab Frankfurt waren sowieso Umsteigepassagiere. Also veränderte die Anpassung wenig. Nun müssen sie statt am Main in Zürich umsteigen.

Ähnlich ging Lufthansa bereits bei den Destinationen Accra und Nairobi vor. Die Verbindungen wurden zwischen der Mutter und der belgischen Tochter neu aufgeteilt. Die Hauptstadt Ghanas ging an Brussels Airlines über, die von Kenia an Lufthansa.

Joint Venturesoll helfen

Daneben baut die Lufthansa-Gruppe die Zusammenarbeit mit Singapore Airlines aus. Wichtige Verbindungen zwischen Singapur und Europa werden dabei in einem kommerziellen Joint Venture gemeinsam betrieben. Zugleich wurden weitreichende Codeshare-Abkommen geschlossen.



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