Airbus A321 von Germania: Die Airline braucht Geld.

Hoher FinanzbedarfGermania steht zum Verkauf

Germania steckt in akuten finanziellen Schwierigkeiten. Nun sucht das Unternehmen Geldgeber und erwägt auch einen Verkauf.

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Steigender Kerosinpreis, hohe Entschädigungssummen wegen Rekordverspätungen im Sommer, zunehmender Konkurrenzdruck - dieser toxische Cocktail machte 2018 allen Fluggesellschaften zu schaffen. Einige kleinere Anbieter überlebten das Jahr nicht, so Primera Air, Small Planet, VLM, Skywork. Viel einfacher wird 2019 für die Branche nicht.

Auch Germania geriet Ende des vergangenen Jahres in akute finanzielle Schwierigkeiten. Bis zum 27. Dezember brauchte die deutsche Fluggesellschaft 20 Millionen Euro, um weiterfliegen zu können, wie aeroTELEGRAPH aus mehreren voneinander unabhängigen und übereinstimmenden Quellen erfahren hat. Aufgeschreckt durch Recherchen von aeroTELEGRAPH versandte die Fluglinie am Dienstagabend (8. Januar) eine Pressemitteilung und bestätigte: «Germania prüft aktuell mehrere Optionen einer Finanzierung, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern.»

Auch Verkauf ein Thema

Zu den allgemeinen Belastungen der Branche seien individuelle gekommen, erklärt Germania. So habe es «erhebliche Verzögerungen bei der Einflottung von Fluggerät» gegeben sowie eine «außergewöhnlich hohe Anzahl technischer Serviceleistungen». Und dadurch stieg der Finanzbedarf rasant an. Beim Flugbetrieb gebe es trotzdem keine Einschränkungen, alle Flüge fänden planmäßig statt, so Germania.

Längst geht es aber nicht mehr nur um eine kurzfristige Finanzierungslücke. Auch ein Verkauf der Germania-Gruppe in Teilen oder als Ganzes ist eine Option, wie aeroTELEGRAPH aus gut informierten Kreisen ebenfalls erfahren hat. Die Suche nach neuen Aktionären blieb aber bisher erfolglos. Über die Germania Beteiligungsgesellschaft ist Geschäftsführer Karsten Balke derzeit Alleineigentümer der Airline.

Es läuft schon länger schlecht

Bei Germania läuft es schon länger nicht mehr gut. Geschäftszahlen gibt die Fluglinie offiziell keine bekannt. Aus Pflichtmitteilungen im Bundesanzeiger geht jedoch hervor, dass zwischen 2012 und 2016 nur einmal ein Jahresgewinn resultierte. Insgesamt liefen in dieser Periode massive Verluste von 51,7 Millionen Euro auf. Der Umsatz war 2015 auf die Rekordmarke von 425 Millionen geklettert, ein Jahr später aber auf 369 Millionen abgesackt. Auch die Gruppe schreibt rot. Im Konzernabschluss der Dachgesellschaft Germania Beteiligungsgesellschaft stand für 2016 ein Minus von 32 Millionen.

Heute gilt Germania als Berliner Fluggesellschaft. Ihre Wurzeln hat sie jedoch in Köln. Dort gründeten türkische Unternehmer 1978 die Fluggesellschaft Special Air Transport SAT. Schon ein Jahr später verkauften sie diese jedoch an den Anwalt Hinrich Bischoff, der als erster Geschäftsführer der Hapag-Lloyd Flug bereits Luftfahrt-Know-how gesammelt hatte. Die Airline führte mit drei Sud Aviation Caravelle Ferienflüge durch. 1986 gründete der Unternehmer Germania und gliederte das Fluggeschäft in die neue Airline aus.

Heterogene Flotte

Germania besitzt mit ihren Töchtern und Beteiligungen eine heterogene Flotte von 37 Flugzeugen – Boeing 737, Airbus A319 und A321. Zur Gruppe gehört neben der deutschen Fluggesellschaft und dem eigenen Wartungsbetrieb unter anderem auch die Wet-Lease-Tochter Bulgarian Eagle. Der Schweizer Ferienflieger Germania Flug gehört Germania direkt zu 40 Prozent. Um zu expandieren, hat sich die Gruppe eine Order von 25 A320 Neo geleistet.

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