Wizz Air gehört zu den wichtigsten Low-Cost-Airlines in Europa. Auch im deutschen Markt wächst die Fluglinie. Besonders deutlich fällt das Wachstum am Flughafen Hamburg aus.
«Wenn ich mich richtig erinnere, lagen wir bei rund 36 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr», sagt Anastasia Nowak, als Managerin bei Wizz Air für Nachhaltigkeit und Kommunikation zuständig, in der neuen Folge des Podcasts Luftraum. Für das laufende Jahr peilt Wizz Air nach eigenen Angaben mehr als eine Million Passagiere in Hamburg an. Auch deutschlandweit erwartet die Airline weiteres Wachstum. «Wir wollen 10,9 Millionen Passagiere transportieren - das ist für uns eine signifikante Steigerung», so Nowak.
Länder wie Rumänien, Albanien und Ungarn im Mittelpunkt
Trotz des Ausbaus in Deutschland sieht Wizz Air ihre größten Chancen weiterhin in ihrer traditionellen Kernregion. «Unser Hauptfokus wird weiterhin Zentral- und Osteuropa bleiben», erklärt Nowak. Besonders Länder wie Rumänien, Bulgarien, Albanien und Ungarn stünden im Mittelpunkt. Gleichzeitig öffnet sich die Airline stärker Richtung Südeuropa. «Wir sehen aktuell auch sehr starkes Wachstum in Italien.» Dort habe Wizz Air in den vergangenen Jahren mehrere Basen eröffnet. Auch Albanien entwickelt sich aus Sicht der Fluglinie zu einem wichtigen Markt: «Für viele Reisende ist Albanien inzwischen sehr populär geworden.»
Gegründet wurde Wizz Air ursprünglich mit dem Ziel, Menschen zwischen ihrer neuen Heimat und ihrem Herkunftsland zu transportieren. «Vor 20 Jahren waren unsere Passagiere vor allem Menschen, die Freunde und Familie besucht haben», sagt Nowak. Dieses Profil habe sich inzwischen verändert. «Heute haben wir viele unterschiedliche Passagiergruppen.» Mehr als ein Viertel der Strecken sei inzwischen klar dem Freizeitreisesegment zuzuordnen. Gleichzeitig wachse auch der Anteil von Geschäftsreisenden. Besonders stark vertreten seien jüngere Kunden. «Die Mehrheit unserer Passagiere ist zwischen 25 und 40 Jahre alt.»
«Mögen es nicht besonders, mit Menschen zu sprechen»
Diese Zielgruppe prägt auch den Markenauftritt. «Wir versuchen nicht, Marketing unnötig kompliziert zu machen», sagt Nowak. Aktionen wie «Let’s Get Lost» oder digitale Kampagnen seien bewusst auf jüngere Zielgruppen ausgerichtet. Wizz Air setzt dabei stark auf digitale Prozesse. Die Managerin formuliert es mit einem Augenzwinkern: «Millennials und Gen Z mögen es nicht besonders, mit Menschen zu sprechen. Deshalb haben wir Möglichkeiten geschaffen, möglichst viel selbst zu erledigen.»
Immer wieder wird spekuliert, ob Wizz Air künftig Flugzeuge in Deutschland stationieren könnte. Konkrete Pläne gibt es aktuell nicht. «Wir prüfen verschiedene Möglichkeiten - aber im Moment kann ich nichts bestätigen», so Nowak. Die hohen Kosten im deutschen Markt spielten dabei eine Rolle. «In Deutschland sind die Steuern generell sehr hoch - nicht nur an Flughäfen.» Gleichzeitig sieht Wizz Air Vorteile darin, Jets nicht lokal zu stationieren. Man könne auch ohne Basis effizient operieren und flexibel auf Nachfrage reagieren.
Wie Wizz Air mit Billigtickets Geld verdient
Dass günstige Tickets nicht automatisch geringe Qualität bedeuten müssen, ist für Nowak ein zentrales Thema. «Es ist ein Missverständnis, dass niedrige Kosten niedrige Qualität bedeuten.» Der wichtigste Hebel sei die Flotte. Wizz Air setzt nahezu vollständig auf moderne Airbus-Jets. «Der Airbus A321 Neo verbraucht rund 20 Prozent weniger Treibstoff als das Vorgängermodell», sagt die Managerin.
Dazu kommen hohe Auslastung und kurze Standzeiten. «Unsere Flugzeuge fliegen im Durchschnitt rund 12,5 Stunden pro Tag.» Auch die schnelle Abfertigung gehört zur Strategie. Intern gibt es dafür sogar einen Wettbewerb. «Every Minute Matters» heißt das Programm, bei dem Teams mit besonders kurzen Turnaround-Zeiten ausgezeichnet werden.
KI soll Wizz Air Wettbewerbsvorteil bringen
Ein weiteres Zukunftsthema bei Wizz Air ist künstliche Intelligenz. «Wir nutzen KI bereits im Operations Control Center und im Flugbetrieb», sagt Nowak. Der Anspruch: effizienter arbeiten als Wettbewerber. «Unsere Konkurrenten haben nicht dieselben Lösungen, um so effizient zu operieren wie wir», glaubt sie.
Christopher Scheffelmeier und Anastasia Nowak. aeroTELEGRAPH
Das Herzstück von Wizz Air sitzt in Budapest. Dort arbeiten rund 50 Mitarbeitende im Schichtbetrieb. «Es sieht nicht aus wie bei der Nasa», sagt Nowak. «Aber es gibt viele Systeme und viel KI, die innerhalb von etwa 20 Minuten Vorschläge für unsere gesamte Flotte machen kann - etwa zur Umplanung von Routen.»
«Mit jedem Flugzeug mindestens 40 neue Mitarbeitende»
Trotz geopolitischer Unsicherheiten hält Wizz Air an ihren langfristigen Plänen fest. «Wir wollen die erste Airline sein, die wieder in der Ukraine operiert, sobald die Situation vorbei ist», sagt sie. Bis dahin konzentriert sich das Unternehmen auf die Verbindung von Städten in Zentral- und Osteuropa. Und die Wachstumspläne bleiben ambitioniert: Perspektivisch will Wizz Air weiter deutlich ausbauen. «Mit jedem zusätzlichen Flugzeug brauchen wir mindestens 40 neue Mitarbeitende», sagt Nowak. «Es ist verrückt, wie schnell wir wachsen.»
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