Das XLR im Namen Airbus A321 XLR steht für Extra Long Range, also besonders große Reichweite. Doch seit dem Scheitern von Wizz Air Abu Dhabi braucht Wizz Air die 8700 Kilometer Reichweite des Modells nicht mehr, obwohl sie 47 Exemplare bestellt hat.
So reduzierte der ungarische Billigflieger seinen Auftrag im vergangenen November auf nur noch elf Airbus A321 XLR. Ende Januar 2026 hatte Wizz Air dann schon sechs dieser elf Jets übernommen, bemühte sich aber, die verbliebenen fünf loszuwerden. Man führe «Gespräche mit Partnern, um die anstehenden fünf A321-XLR-Lieferungen vor Beginn der Iata-Sommersaison 2026 an einen anderen Betreiber zu übertragen», erklärte die Airline damals.
Wizz Air wird fünf Airbus A321 XLR nicht los
Doch offenbar fand sich kein Abnehmer für die Flugzeuge. Denn mittlerweile hat Wizz Air schon acht A321 XLR. Fünf davon sind bei Wizz Air Malta zugelassen, drei bei Wizz Air UK. Allerdings hat die Gruppe drei der neuen Flugzeuge im polnischen Bydgoszcz abgestellt, die 9H-XLA seit und -XLB seit Oktober 2025, die -XLC seit Januar 2026.
Die Fluglinie bestätigt auf Anfrage, dass sie bei zwei der Jets die Triebwerke abmontiert hat und diese an anderen A321 Neo nutzt, «um den Flugbetrieb reibungslos aufrechtzuerhalten». Hintergrund sind die Probleme mit den Antrieben von Pratt & Whitney, unter denen Wizz Air leidet. Die Nutzung der Triebwerke der A321 XLR an anderen Flugzeugen helfe, «die globalen Herausforderungen in den Lieferketten zu bewältigen», so die Airline.
Airbus A321 XLR sollen ihre Reichweite nicht ausnutzen
Wizz Air bestätigt, dass sie mittlerweile auch die verbliebenen drei A321 XLR selber einflotten will. «Allerdings werden wir diese Flugzeuge vorerst wie normale A321 Neo betreiben», sagte Kommerzchef Ian Malin dieser Tage in einem Pressegespräch mit Blick auf alle elf A321 XLR.
Ungarischer Billigflieger scheut größere Komplexität
Wizz Air wolle sich auf ihre Kernmärkte fokussieren und die XLR daher «in keiner Weise anders einsetzen als jeden anderen A321 Neo in unserer Flotte», so Malin. «Jedes Ziel, das nur mit einem XLR erreichbar wäre, würde uns zum jetzigen Zeitpunkt aus unserem etablierten Betriebsmodell herausführen», sagte der Manager und nannte Beispiele.
«So würde beispielsweise die Erschließung Westafrikas zu einer unnötigen Steigerung der operativen Komplexität führen.» In den USA sei derweil die Konkurrenz zu groß, so der Kommerzchef. Aktuelle Ziele im Nahen Osten könne man mit den normalen A321 Neo bedienen. Und Flüge weiter in Richtung Osten «würden uns in Märkte führen, die entweder ein zu geringes Passagieraufkommen aufweisen oder aber eine Komplexität mit sich bringen, die wir derzeit vermeiden möchten», erklärte Malin. Auch wolle man vermeiden, in Störungsfällen die Fluggäste aus weit entfernten Regionen zurückholen zu müssen.
Mit dem Airbus A321 XLR von Mailand nach Madrid
All das schließe allerdings nicht aus, dass Wizz Air die XLR für Charterflüge auf längeren Strecken nutze, etwa in Richtung USA zur anstehenden Fußball-WM, sagte Malin. Zudem könnten sie «zu bestimmten Jahreszeiten von Vorteil sein – etwa bei starkem Gegenwind –, da sie dank ihrer größeren Reichweite einen zusätzlichen Treibstoffpuffer bieten».
Von den vier derzeit aktiven A321 XLR von Wizz Air sind zwei in Mailand-Malpensa stationiert. Sie fliegen Ziele wie Madrid oder Barcelona an. So wird aus dem XLR eher ein XSR - Extra Short Range. Andere Routen wie die nach Reykjavik und Sharm el-Sheikh gehen immerhin als Mittelstrecken durch. Die anderen beiden A321 XLR fliegen ab London-Gatwick. Zu ihren Zielen gehören derzeit unter anderem Istanbul, Antalya, Malaga und Valencia.
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