Inna zählt seit fast zwei Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen im europäischen Dance-Pop. Die Rumänin kommt auf mehr als zehn Milliarden Streams sowie rund elf Millionen monatliche Hörer auf Spotify. Ihr größter internationaler Hit ist Sun Is Up aus dem Jahr 2011. Mit ihrer Echoes-Tour war sie im vergangenen Jahr unter anderem in Paris, Barcelona und Amsterdam unterwegs. In diesem Jahr folgen Konzerte in Mailand, Rom und Berlin.
Inna, so nannte sie ihr Großvater, hat nun einen Song in Zusammenarbeit mit der größten Fluglinie Osteuropas veröffentlicht. Der Titel sagt alles: Wizz Away. In der gemeinsamen Pressemitteilung mit Wizz Air wird die Sängerin mit den Worten zitiert, das Reisen sei eine ihrer größten Leidenschaften. Der Song soll das Gefühl von Freiheit und Abenteuer widerspiegeln, das entsteht, wenn man die Welt entdeckt. Wizz Air spricht von einem Sommerhit.
Sommerhit mit schon 1,3 Millionen Klicks
Es ist ein klassischer Marken-Kooperations-Song, der von Inna und ihrem Produzententeam entwickelt wurde. Das Musikvideo wurde vor einem Wizz-Air-Flugzeug am Flughafen Bukarest-Otopeni gedreht. Seit der Veröffentlichung am 12. Juni wurde der Song auf Youtube bereits über 1,3 Millionen Mal angeschaut.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Popstars und Airlines gerne kooperieren, aber nicht immer etwas Grandioses dabei herauskommt. Der bekannteste Airline-Hit stammt aus dem Jahr 1994. Delfine schwimmen durchs Meer, springen synchron aus dem Wasser, und eine Flugzeugformation zieht majestätisch über den blauen Himmel, untermalt von einem Chor, der Silben in einer erfundenen Sprache singt, die irgendwo zwischen Latein und afrikanischen Dialekten liegt.
Die erfolgreichste Kombination aus Airline und Musik
Komponiert wurde Adiemus vom walisischen Komponisten Karl Jenkins, der sich in einer Ausschreibung von Delta Air Lines gegen mehrere Konkurrenten durchgesetzt hatte. Dass der Song ursprünglich für eine Airline entwickelt wurde, wissen heute wohl die wenigsten. Er schaffte es bis an die Spitze der Hitparade und wurde auf Spotify bislang über 66 Millionen Mal gestreamt.
Weit weniger erfolgreich, aber fest im kollektiven Gedächtnis vieler deutscher Luftfahrtfans verankert ist der Air-Berlin-Song mit dem Titel Flugzeuge im Bauch. Entgegen zahlreichen Vermutungen hat die Airline ihn nicht selbst in Auftrag gegeben. Air Berlin feierte 2005 ihr zehnjähriges Jubiläum am Airport Nürnberg. Zum Jubiläum überraschte der Flughafen Air Berlin mit einem besonderen Geschenk: einem eigens produzierten Song. Den Text verfasste die Marketingabteilung, die Melodie kam von der Produktionsfirma Ladage Media.
«Kein Sturm hält uns auf, uns're Air Berlin»
Der Song wurde bei Personalevents von Angestellten gesungen, darunter soll auch Niki Lauda gewesen sein. Beim Münchner Radiosender Radio Gong hielt sich der Song mehr als ein halbes Jahr lang auf Platz 1 der Hörer-Charts, noch vor Schni-Scha-Schnappi. Der Refrain lautete übrigens: «Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin, kein Sturm hält uns auf, uns're Air Berlin.» Der Ausgang ist bekannt, 2017 wars vorbei mit der zweitgrößten deutschen Airline.
Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte ist der Song All Aboard the Orange Plane von 2024. Kenner werden wissen, dass mit dem Orange Plane Easyjet gemeint ist. Die Airline war vor zwei Jahren offizieller Airline-Partner des Eurovision Song Contest 2024. Zusammen mit dem britischen Pop-Veteranen Scooch wurde der Song veröffentlicht und über 14 Millionen Mal auf Social Media abgerufen. Die Erlöse wurden an Unicef gespendet.
Singapore setzte auf Geräusche eines Airbus A350
Singapore Airlines war besonders kreativ. 2019 zum Start der Nonstoproute von Singapur nach Seattle beauftragte die Airline die dort ansässige Musikproduzentin Chong the Nomad mit einem ungewöhnlichen Projekt. Die damals 23-jährige DJane und Multi-Instrumentalistin sammelte insgesamt 45 verschiedene Bordgeräusche eines Airbus A350-900 – von Triebwerkslärm über das Klirren von Besteck und den Klick des Sicherheitsgurts bis hin zu Rollgeräuschen auf dem Rollfeld.
Das Ergebnis ist der Song Non-Stop, in dem auch das Schieben des Tabletts, das sich fast wie ein Plattenkratzer anhört, sowie Geräusche aus dem Cockpit eingebettet sind. Der Song wurde bei Youtube mittlerweile über 120.000 Mal geklickt.
Lufthansa hatte ein eigenes Musiklabel
Auch Lufthansa setzte auf Musik. Mitte der 2000er-Jahre entwickelte die Airline ein vollständiges Corporate-Sound-System inklusive eines akustischen Logos, Boardingmusik und eines eigenen Songs namens Symphony of Angels. Der Song war für Warteschleifen, TV-Spots und das Boarding vorgesehen.
An Bord lief er für einige Monate beim Ein- und Aussteigen. Viele Vielfliegende fanden ihn zunächst angenehm, nach dem dutzendsten Mal jedoch schlicht nervig. Lufthansa hatte in den 1960er-Jahren sogar ein eigenes Musiklabel, auf dem zunächst Werbesongs auf LP erschienen. Es existierten zwei Sublabels: Lufthansa First Class und Lounges of the World.
Fast jede Airline hat einen eigenen Jingle
Neben echten Songs produzieren Airlines eigene Jingles, kurze, eingängige Werbesongs, die die Marke im Kopf verankern sollen. Pan Am hatte gleich mehrere, United Airlines sang 1973 mit Mother Country eine Hymne auf die Weite Amerikas. Aeroflot hatte 1969 einen eigenen Jingle, gesungen von Eduard Khil. Der Jingle und auch der Mann gerieten in Vergessenheit. Doch wegen eines Auftritts aus den 1970er-Jahren, in dem Khil einen ganzen Song lang schlicht Trololo-lo-lo sang, wurde er als Mr. Trololo zum Internetphänomen.
Der Kulturwissenschaftler Rudi Maier, der sich mit Corporate Songs beschäftigt, hat gegenüber der Zeitung Tagesspiegel einmal beschrieben, warum sich Airlines eigene Songs geben. Letztlich sollen Songs Zusammengehörigkeit erzeugen und eine Markenidentität schaffen, für Reisende wie für Angestellte. Adiemus ist ein positives Beispiel, der Air-Berlin-Song hat viel Häme kassiert. Wie es mit Wizz Away weitergeht, wird sich zeigen.
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