Die Llotja de Barcelona, ein zentrales Bauwerk des Neoklassizismus im gotischen Viertel, diente seit dem 14. Jahrhundert als Handelsbörse für Textilien und Waren. Von 1915 bis 1994 war es Sitz der Börse der Stadt. Heute dient es als Veranstaltungsort. In der historischen Halle des Gebäudes hat Vueling am 14. Januar 2026 ihre Wachstumsstrategie vorgestellt.
Vueling-Chefin Carolina Martinoli hat unter dem Titel «Rumbo 2035», was auf Deutsch einfach «Kurs 2035» bedeutet, die Strategie der Fluggesellschaft für das kommende Jahrzehnt vorgestellt. Bis 2030 plant Vueling, fünf Milliarden Euro in die Modernisierung der Flotte sowie in Digitalisierungs- und Vernetzungsprojekte zu investieren.
Vueling will 60 Millionen Fluggäste bis 2035
Das Ziel ist klar: Die Passagierzahlen sollen von derzeit 40 auf 60 Millionen pro Jahr steigen, um die Position als größte Airline am Flughafen Barcelona-El Prat zu halten. Vueling hat rund 60 Flugzeuge an dem Airport stationiert und hält einen Marktanteil von etwa 40 Prozent. Gleichzeitig soll die Fluglinie dank der Milliardeninvestitionen auch weiterhin Spaniens führende Inlandsfluggesellschaft bleiben.
Herzstück ist die Erneuerung der Flotte. Schon im August wurde bekannt, dass Vueling ihre gesamte Flotte von Airbus auf Boeing umstellen wird. Diesen Wechsel hat Martinoli nun genauer skizziert: In der ersten Phase sollen ab Oktober sukzessive insgesamt 50 Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max 200 (die Billigfliegervariante der Max 8) und Max 10 geliefert werden, die von der Konzernmutter, der britisch-spanischen International Airline Group (IAG), 2022 bestellt wurden.
50 Boeing 737 Max erwartet Vueling bis 2029
Laut ihrer Chefin erwartet Vueling die erste Boeing 737 Max im Oktober, zwei weitere Flugzeuge sollen dann bis Jahresende folgen. 2029 sollen alle 50 Maschinen ausgeliefert sein. In einer zweiten Phase könnte IAG ihre Optionen auf bis zu 100 weitere der Flugzeuge ziehen, dazu muss Vueling allerdings ihre operativen Ziele erreichen. Die Umstellung der gesamten Flotte wird laut der Argentinierin rund sieben bis acht Jahre in Anspruch nehmen.
Die Billigfluggesellschaft setzt aktuell auf eine reine Airbus-Flotte von rund 140 Flugzeugen der Typen A319-100, A320-200, A320 Neo, A321-200 und A321 Neo. Vueling verspricht sich von dem Wechsel mehr Sitze pro Flugzeug, wodurch mehr Passagiere befördert werden können. Die neuen Flugzeuge würden Vuelings Flotte zudem effizienter machen, sagte Martinoli. Man wolle Treibstoffverbrauch und CO2-Emissionen um 20 Prozent senken.
Vueling will mit dem Flughafen Barcelona wachsen
«Wir sind absolut zuversichtlich, dass der Flughafen ausgebaut wird», sagte Martinoli. Gleichzeitig erklärte die Vueling-Chefin, dass ihre Airline aber auch ohne den Ausbau in Barcelona wachsen könne, indem sie verstärkt noch freie Slots in Randzeiten nutze. Eine Erweiterung würde die Airline-Chefin aber bevorzugen.
So sollen Barcelona und ganz Katalonien profitieren
Laut der Betreibergesellschaft Aena hat der Flughafen 2025 rund 57,5 Millionen Passagierinnen und Passagiere abgefertigt – 2,5 Millionen mehr als seine theoretische Kapazität zulässt. Vueling-Chefin Martinoli erwartet, dass durch die Fokussierung auf Barcelona etwa die Hälfte der 5-Milliarden-Investition in der Region bleibt.
Schätzungen von Vueling gehen davon aus, dass das Engagement der Airline ihren Beitrag zur Wirtschaft Kataloniens bis ins Jahr 2035 auf 10,5 Milliarden Euro pro Jahr steigern wird. Das würde einem Anstieg von 57 Prozent entsprechen im Vergleich zu 2025. Insofern war die alte Börse der Stadt ein geeigneter Ort für die Vorstellung der Wachstumsstrategie.
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