Jetzt hat ein Gericht in London die Geduld verloren. Am 15. Oktober ordnete der High Court an, weltweit Vermögenswerte von Vietjet im Wert von bis zu 251,6 Millionen Dollar einzufrieren. Das Gericht sieht die Gefahr, dass die Airline Vermögen beiseiteschafft und damit verhindert, dass ein Gläubiger an sein Geld kommt.
Auch bestellte Flugzeuge von Airbus betroffen
Besonders misstrauisch machte das Gericht ein Vorgang rund um die Flugzeugbestellungen. Vietjet wollte nach Angaben des Gerichts Ansprüche aus den Kaufverträgen für neue Flugzeuge auf eine verbundene Gesellschaft auf den Cayman Islands übertragen. Dabei geht es nicht um die Jets selbst, sondern um die Rechte, die Fluglinie durch die Bestellungen erworben hat. Das Gericht sah darin ein Risiko, dass die Airline Vermögenswerte dem Zugriff ihrer Gläubiger entziehen könnte. Noch 2025 war ein Antrag auf Einfrieren der Vermögenswerte gescheitert. Nun entschieden die Richter anders.
Die Anordnung reicht weit über das hinaus, was Vietjet bereits besitzt oder nutzt. Sie umfasst auch bestellte Airbus A321 Neo und A330-900, Triebwerke und Kabinenausstattung. Hinzu kommen unter anderem Anzahlungen für Flugzeuge, Wartungsreserven, Leasingkautionen und Einnahmen aus Ticketverkäufen über Vermittler.
Vietjet kann weiterfliegen
Das bedeutet allerdings nicht, dass Vietjet nun seine Flüge einstellen muss. Im normalen Geschäftsbetrieb darf die Airline weiterhin über ihre Vermögenswerte verfügen. Für bestimmte Geschäfte mit Flugzeugbestellungen, Wartungsreserven und Leasingkautionen außerhalb Vietnams braucht sie jedoch die Zustimmung des Gerichts.
Hinter dem Streit stecken vier Airbus A321 und unbezahlte Leasingraten aus der Corona-Zeit. Vietjet stellte damals die Zahlungen ein, nutzte die Flugzeuge aber noch rund ein Jahr weiter. Die Rechte an der Forderung liegen inzwischen bei FW Aviation, einem Unternehmen der Londoner Investmentgesellschaft Fitz Walter Capital.
Vietnamesische Gerichte erkennen Urteil aus England nicht an
Mehrere Gerichtsentscheidungen fielen bereits zugunsten des Gläubigers aus. Gezahlt hat Vietjet trotzdem kaum etwas. Aus rund 180 Millionen Dollar, die 2025 gerichtlich zugesprochen wurden, sind durch Zinsen und Rechtskosten inzwischen etwa 250 Millionen Dollar geworden. Hinzu kommt ein weiteres Hindernis: Vietnamesische Gerichte erkennen das britische Urteil nicht an.
Der zuständige Richter fand für seine Entscheidung deutliche Worte. Vietjet sei nach Auffassung des Gerichts kein Unternehmen, das nicht zahlen könne, sondern eines, das nicht zahlen wolle. Dabei verwies er auch auf die wirtschaftliche Lage der Airline und ihre umfangreichen Flugzeugbestellungen.
Wenig Verständnis für Auswirkungen auf den Betrieb
Für mögliche Störungen des Geschäftsbetriebs durch die Verfügung zeigte der Richter entsprechend wenig Verständnis. Diese seien die Folge der bewussten Weigerung, die gerichtlich festgestellten Schulden zu begleichen, und der Bemühungen, deren Eintreibung zu verhindern. Vietjet wollte die jüngste Entscheidung gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht kommentieren. Fitz Walter begrüßte dagegen den Beschluss. Das Unternehmen sieht darin einen wichtigen Schritt, um zu verhindern, dass weitere Vermögenswerte dem Zugriff der Gläubiger entzogen werden.
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