Blick aus einem Airbus A330 von Swiss. Es fehlen Pilotinnen und Piloten.

Über 320 FlügeSwiss muss im Sommer erneut Hunderte Flüge streichen

Bei der Schweizer Fluggesellschaft hat sich die Lage verbessert, aber nicht gelöst. Triebwerksprobleme, Umschulungen und Personalmangel im Cockpit haben Swiss erneut zu Anpassungen im Sommerflugplan gezwungen. Dieses Mal musste sie 326 Flüge streichen.

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Für Vorstandsmitglied Oliver Buchhofer ist es ein Déja-vu. Aber kein schönes. Erneut muss der Manager ankündigen, dass Swiss im Sommer bereits geplante Flüge streichen muss, weil sie zu wenig Pilotinnen und Piloten hat. Immerhin: Dieses Jahr sind nur 326 Flüge betroffen oder 0,4 Prozent aller Flüge in der warmen Jahreszeit. Vergangenes Jahr waren zwischen April und Oktober noch 1400 Flugstreichungen nötig geworden, was 1,5 Prozent des Angebots entspricht.

«Die Streichungen sind das letzte Mittel», so Buchhofer im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. Denn wenn Swiss nicht fliege, verdiene sie schließlich auch kein Geld. Und die Annullierungen seien für die betroffenen Passagierinnen und Passagiere unangenehm, so der Chief Operating Officer von Swiss, der dafür verantwortlich ist, dass der Betrieb reibungslos läuft. «Aber wir haben sie nun bereits im Februar mitgeteilt und nicht erst im Mai wie vergangenes Jahr.» Das nun geplant Flugprogramm könne man aber durchführen.

Swiss streicht mitunter Flüge nach Chicago und Shanghai

Bei den Streichungen im Sommer 2026 fokussiert sich Swiss «bewusst auf die Langstrecke». Die Lufthansa-Tochter reduziert unter anderem Anfang der Saison die Frequenz nach Chicago und reduziert von 14 auf 12 wöchentliche Flüge. Nach Shanghai fliegt sie im ganzen Sommerflugplan nur noch drei statt sieben Mal pro Woche. «Wir setzten bei besonders personalintensiven Strecken an», so Buchhofer. Konkret fehlen bei Swiss Kapitäne und Kopiloten für Airbus A320 und A321 sowie A330 und A340.

«Es gibt verschiedene Gründe, die dazu beitragen», so Buchhofer. Und die meisten galten auch schon vor einem Jahr. Dazu gehören Unwägbarkeiten bei der Flotte. Nach wie vor stehen elf Flugzeuge von Swiss wegen den Triebwerksproblemen am Boden, sowohl A320 und A220. Wenn sie nicht zur Verfügung stehen, entstehen in einzelnen Teilflotten wiederum Überhänge beim Personal.

Planung beginnt im Herbst und beruht auf Annahmen

Pilotinnen und Piloten können jedoch nicht kurzfristig auf ein anderes Modell umgeschult werden. Das dauert in der Regel ein halbes Jahr. Zusätzlich belastet, dass Swiss die ersten Pilotinnen und Piloten auf das neue Langstreckenmodell Airbus A350 umschult - auch das bindet Personal.

Dies war so im Herbst noch nicht in vollem Ausmaß bekannt. Und dann plant Swiss jeweils den Flugplan für den Sommer. «Das ist eine extrem komplexe Aufgabe», so Buchhofer. Und wenn Annahmen nicht ganz so eintreffen, wie erwartet, führt das sofort zu Sand im Getriebe - auch weil die Langstrecken- überaus stark von der Zubringung durch die Kurzstreckenflüge abhängig sind.

Swiss passte Planungsprozess an

Schnelle Abhilfe gibt es nicht. Denn bei Swiss gilt das Senioritätsprinzip. Jeder neue Pilot und jede neue Pilotin muss zuerst auf der Kurzstrecke als Kopilot:in anfangen, bevor sie etwa zum Kapitän:in auf der Langstrecke umgeschult werden können. Und dies dauert. Das im Tarifvertrag - in der Schweiz Gesamtarbeitsvertrag genannt - geregelte Karrieremodell lässt zudem grundsätzlich auch nicht zu, dass Swiss als schnelle Maßnahme erfahrenes Cockpitpersonal auf gewissen Positionen einstellt.

Letztes Jahr wollte der Swiss-Manager mit seinem Team auch den Planungsprozess nochmals anschauen und optimieren, damit das Resultat zuverlässiger wird. «Wir haben das getan und verschiedene Maßnahmen umgesetzt» so Buchhofer. Die Anpassungen fanden auch mit deutlich mehr Vorlauf statt. «Dennoch ist es natürlich unser Ziel und unser Anspruch, möglichst gar keine Flüge streichen zu müssen.»

Aber zu viele Flugbegleitende bei Swiss

Im Gegensatz zum Cockpit hat Swiss in der Kabine derzeit einen Überbestand. Rechnerisch hat die Lufthansa-Tochter in gewissen Perioden bis zu 300 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter zu viel. Um das zu korrigieren, hat sie Korrekturmaßnahmen eingeleitet. Zu denen gehört auch eine Prämie von bis zu 15.000 Franken (rund 16.600 Euro) bei einer Vollanstellung für diejenigen Kabinenmitglieder, die freiwillig kündigen.

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