Zwei Jahre später verhandeln beide Seiten wieder miteinander. Laut einem internen Schreiben, das aeroTELEGRAPH vorliegt, ist die Tarifkommission Ryanair/Malta Air am vergangenen Donnerstag (5. November) nach Irland gereist, um einen fairen Tarifvertrag zu verhandeln. Allerdings ohne Erfolg, wie es in dem Schreiben weiter heißt. Stattdessen wirft die VC dem Management von Ryanair «offene Nötigung» und «fehlender Respekt» vor.
Ryanair will keinen Inflationsausgleich zahlen
In dem Schreiben wirft die VC dem Arbeitgeber vor, statt in Verhandlungen einzutreten, Druck auszuüben. So drohe Ryanair damit, ab dem 1. April einseitig ein 5/3-Roster einzuführen. Ein Dienstplanmodell mit fünf Arbeitstagen und drei freien Tagen. Gewerkschaften kritisieren, dass solche Modelle die Work-Life-Balance verschlechtern und die Sicherheit gefährden können, wenn die Erholungsphasen zu kurz sind.
Die VC spricht von einem Drohszenario der Airline mit dem dem Ziel, «gute Leistungen für wenig Geld ohne Rücksicht auf Arbeitnehmerbedürfnisse» zu bekommen. So habe das Management auch «unmissverständlich» erklärt, dass die Inflation und die Forderungen der Pilotinnen und Piloten auf einen Inflationsausgleich «nicht das Problem der Firma» seien. Die Gewerkschaft wirft dem Arbeitgeber vor, die Verhandlungen dadurch mit einem Nachteil zu beginnen: «Statt zuerst die Inflation auszugleichen, werden reale Verbesserungen blockiert».
Vereinigung Cockpit will sich von Ryanair nicht unter Druck setzen lassen
Ryanair argumentiert laut dem Schreiben der VC, dass der Inflationsausgleich finanziell nicht tragbar sei. Denn selbst der Betrag belaste die Margen zu stark, wenn er flächendeckend umgesetzt werde. Laut Gewerkschaft handelt es sich um ein Scheinargument, denn der Konzern habe im vergangenen Jahr 2,13 Milliarden Gewinn gemacht. Laut VC zeige der Arbeitgeber damit, dass die Arbeit der Piloten heute weniger wertgeschätzt werde als früher.
Die Pilotinnen und Piloten zeigen sich entschlossen: «Wer glaubt, die deutsche Pilotenschaft durch Drohungen zu realen Lohnkürzungen zwingen zu können, unterschätzt unsere Geschlossenheit. Wir lassen uns zu keinem schlechten Deal drängen». Während Ryanair einen Abschluss bis März erzwingen will, betonen sie: «Unser Ziel ist ein fairer Vertrag – egal, wie lange es dauert».
Schön, dass Sie hier sind! Unsere Redaktion kennt die Branche, ihre Akteure und Zahlen – seit vielen Jahren. Wenn Sie uns unterstützen wollen, zahlen Sie weniger als für ein Getränk am Flughafen. Zudem lesen Sie werbefrei und stärken die unabhängige Berichterstattung. Jeder Beitrag zählt. Jetzt hier klicken und abonnieren