Ryanair-Chef O'Leary und eine Boeing 737 Max: Kritik am Liefertempo.

Geschwächte KonkurrenzRyanair will von Pratt-Problemen profitieren - aber schiebt Boeing-Frust

Der irische Billigflieger will aus den Triebwerksproblemen der Konkurrenz Kapital schlagen - auch dank neuer 737 Max. Doch Chef Michael O'Leary kritisiert nun Boeing.

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Es geht um den Antrieb: Jets der Airbus-A320-Neo-Familie, aber auch A220 und Embraer E2 sind betroffen von verschiedenen Problemen des Triebwerksbauers Pratt & Whitney. Das trifft nicht nur Fluggesellschaften wie etwa Swiss, sondern auch Billigflieger.

So begann Wizz Air etwa schon im Mai, die Airbus A321 Neo ihrer Beteiligung Wizz Air Abu Dhabi zur Mutterairline zu transferieren und durch die älteren A321 Ceo zu ersetzen. Der Grund: Die GTF-Triebwerke der Neos haben besonders in heißen und staubigen Umgebungen Probleme. Mittlerweile hat Wizz Air Abu Dhabi daher schon fünf A321 Ceo.

«Sehen Ryanair als größten Nutznießer»

Bereits im September wies das Analysehaus Bernstein Research darauf hin, dass Ryanair mit ihrer Boeing-737-Flotte von den Pratt-Problemen der Konkurrenz profitieren könnte. «Hunderte von Airbus A320 Neo werden voraussichtlich am Boden bleiben», schrieb Bernstein-Analyst Alex Irving mit Blick auf die zusätzlichen Wartungen von Pratt-Triebwerken bei gleichzeitigem Mangel an Wartungskapazität und Ersatzteilen.

Der Höhepunkt dürfte laut Bernstein 2024 erreicht sein. «Wir sehen hier Ryanair als den größten Nutznießer», so Analyst Irving. Er verwies besonders auf drohende Schwächen von Wizz Air in Mittel- und Osteuropa sowie von IAG-Tochter Vueling in Spanien.

Ryanair mit Frust wegen Boeing-Lieferungen

Nun sagt auch Ryanair-Chef Michael O’Leary, dass er aus den Schwierigkeiten der Konkurrenz Kapital schlagen will. Die Nachfrage sei groß «und wir glauben, dass es viele Konkurrenten gibt, die ihre Flugzeuge am Boden lassen werden», so O’Leary laut der Zeitung The Telegraph. Allerdings sagt der Airline-Chef auch, die Situation sei frustrierend - da er zu lange auf neue Boeing 737 Max zur Stärkung der Ryanair-Flotte warten müsse.

«Boeing muss sich zusammenreißen und damit beginnen, diese Flugzeuge pünktlich auszuliefern», fordert O'Leary. Der amerikanische Flugzeugbauer hatte vergangene Woche mittgeteilt, aufgrund von Produktionsproblemen in diesem Jahr nur 375 bis 400 Exemplare der Boeing 737 Max ausliefern zu können statt wie zuvor geplant 400 bis 450.

O’Leary droht mit 737-Max-Stornierung

Laut O’Leary soll Ryanair bis Ende April 37 Jets erhalten. «Wir hoffen, sie bis Ende Juni zu bekommen, aber wenn es in den Juli oder August geht, wird es zu spät sein, also werden wir sie nicht nehmen», drohte der Airline-Chef, der um drastische Worte nie verlegen ist. Man arbeite mit Boeing daran, die Lieferungen zu beschleunigen. «Es ist wichtig, dass wir alle diese Flugzeuge bekommen», so O'Leary - «während die Konkurrenz am Boden liegt».

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