Jesper Rungholm im Cockpit: Er fühlt sich fit, um noch lange zu arbeiten.

65 Jahre vs. 67 JahrePilotinnen und Piloten stecken in einem Renten-Dilemma

Das gesetzliche Rentenalter in Europa steigt vielerorts auf 67 Jahre. Doch Pilotinnen und Piloten müssen mit 65 in Rente. Das bringt die Betroffenen in Schwierigkeiten. Jetzt regt sich Widerstand.

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Ab dem Jahr 2031 gilt in Deutschland das Rentenalter 67. der Geburtsjahrgang 1964 ist der erste, für den die Grenze gilt. Seit 2024 wird die beginnend mit Geburtsjahrgang 59 stufenweise von 65 Jahren angehoben. Doch in der Luftfahrt werden nicht alle Angestellten bis zu diesem neuen gesetzlichen Rentenalter arbeiten können.

Die europäische Agentur für Flugsicherheit Easa schreibt vor, dass Pilotinnen und Piloten beruflich nur bis zum Alter von 65 Jahren in Cockpits von Flugzeugen sitzen dürfen. Sind sie älter als 60, muss eine Kollegin oder ein Kollege dabei sein, der oder die unter 60 Jahre alt ist. Und mit 65 müssen sie ganz aufhören zu arbeiten. Aber Rente bekommen sie erst zwei Jahre später.

Belgische Gewerkschaft will gegen das Problem vorgehen

Auch in Belgien gilt seit dem 1. Januar ein neues Renteneintrittsalter von 66 Jahren – künftig sogar ebenfalls 67. Die dortige Pilotengewerkschaft Beca kritisiert die Widersprüchlichkeit, die sich aufgrund der Easa-Regeln auftut. Sie sieht darin eine Diskriminierung: Betroffene verlieren zwei Jahre staatliche Rente und riskieren finanzielle Einbußen.

Die Gewerkschaft trifft am 17. Juni Minister Jan Jambon, der für die Ressorts Finanzen, Pension, Nationallotterie und Kultureinrichtungen verantwortlich ist. Sie fordert von ihm eine Lösung für das Problem. Parallel hat die Arbeitnehmervertretung eine Petition auf den Weg gebracht, die sie dem Politikerinnen und Politikern vorlegen will.

DAT-Gründer sitzt mit über 65 noch im Cockpit

Auch den Airlines ist die Altersgrenze ein Dorn im Auge. Sie stören sich aber nicht an derselben Sache stören wie die Gewerkschaften. Der Geschäftsführer und Gründer von Danish Air Transport DAT ist selbst aktiver Pilot. Auch er hat Petition eingereicht - laut eigenen Angaben gemeinsam mit über 50 Fluggesellschaften. «Die Reaktion der Easa war insofern positiv, als sie nicht negativ war», so Jesper Rungholm.

In der Petition, die aeroTELEGRAPH vorliegt, wird die Abschaffung der verpflichtenden Altersgrenze von 65 Jahren für Berufspiloten gefordert. Die Altersgrenze sei willkürlich und ignoriere individuelle Leistungsfähigkeit und medizinischen Fortschritt, heißt es in dem Schreiben. Der Verlust erfahrener Pilotinnen und Piloten schwäche die Sicherheit – gerade bei gleichzeitigem Mangel an jungen, qualifizierten Nachwuchskräften.

Airlines sehen Sicherheit nicht gefährdet

Heutige Tests ermöglichen laut der Petition zudem zuverlässige individuelle Risikobewertungen, altersunabhängig. Einige Länder hätten zudem das Limit aufgehoben oder angehoben – ohne negative Auswirkungen auf die Flugsicherheit. Zudem würde der Vergleich mit anderen sicherheitsrelevanten Berufen wie in der Chirurgie oder Schifffahrt zeigen, dass Leistung gelte, nicht das Alter.

Checks im Simulator, Leistungsbewertungen und Sicherheitsmanagement würden leistungsschwache Piloten auch heute schon frühzeitig erkennen. Rungholm ist ebenfalls bereits über 65 Jahre alt. Um zu zeigen, dass Piloten mit 65 keineswegs berufsunfähig, hat Rungholm selbst ein weiteres Zertifikat für die ATR abgeschlossen.

Gewerkschaften wollen keine Anhebung

Im Laufe seiner Karriere hat der Pilot bereits Dutzende Lizenzen für die verschiedensten Flugzeugmodelle und Helikopter gesammelt. «Mit dem frisch erneuerten Klasse-1-Tauglichkeitszeugnis bin ich wieder im Cockpit zurück», erklärt er. Das werde er unter anderem nutzen, um Überführungsflüge für die DAT-Flotte von 17 ATR durchzuführen.

Gewerkschaften sehen das allerdings anders - sie verlangen eher eine Übergangsversorgung als eine Anhebung der Altersgrenze - so auch die Vereinigung Cockpit. «Wenn der Gesetzgeber schon eine Lücke schafft, erwarten wir, dass er sie auch schließt», so ein Sprecher der Vertretung der deutschen Pilotinnen und Piloten.

Gewerkschaft weist auf Strahlenbelastung und unregelmäßige Arbeitszeiten hin

Länger zu arbeiten sei als Pilot:in nicht einfach. «Es ist ein Beruf, der auslaugt», so der Sprecher. Er weist auf unregelmäßige Arbeitszeiten, die höhere Strahlenbelastung, den konstanten Wechsel zwischen Zeitzonen und mehr hin. Das Thema mit der Versorgungslücke werde man daher auch in die laufenden Verhandlungen mit Lufthansa einbringen, so Blanken.

Rungholm hingegen ruft Pilotengewerkschaften schon länger zur aktiven Unterstützung des Kampfes gegen die Altersgrenze von 65 Jahren auf. Er ist überzeugt: «Wenn die Gewerkschaften sich bewegen, wird die Änderung kommen», so Rungholm.

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