Jesper Rungholm im Cockpit: Er fühlt sich fit, um noch lange zu arbeiten.

65 Jahre vs. 67 JahrePilotinnen und Piloten stecken in einem Renten-Dilemma

Das gesetzliche Rentenalter in Europa steigt vielerorts auf 67 Jahre. Doch Pilotinnen und Piloten müssen mit 65 in Rente. Das bringt die Betroffenen in Schwierigkeiten. Jetzt regt sich Widerstand.

Top-Jobs

Smartline

Commander / First Officer Cessna Latitude C680A (m/f/d)

Smartline Luftfahrt GmbH
Vollzeit
Airport St. Gallen Altenrhein
Top jobs
Österreich
Feste Anstellung
Business Aviation
Smartline

Commander / First Officer Cessna C560XLS (m/f/d)

Smartline Luftfahrt GmbH
Vollzeit
Airport St. Gallen Altenrhein
Top jobs
Österreich
Feste Anstellung
Business Aviation
Smartline

Commander / First Officer Cessna 525 (m/f/d)

Smartline Luftfahrt GmbH
Vollzeit
Airport St. Gallen Altenrhein
Top jobs
Österreich
Feste Anstellung
Business Aviation
Interpersonal

Trainer (SFI/TRI/TRE, all genders)

Interpersonal trainerpool
Vollzeit
Hamburg
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt

Ab dem Jahr 2031 gilt in Deutschland das Rentenalter 67. der Geburtsjahrgang 1964 ist der erste, für den die Grenze gilt. Seit 2024 wird die beginnend mit Geburtsjahrgang 59 stufenweise von 65 Jahren angehoben. Doch in der Luftfahrt werden nicht alle Angestellten bis zu diesem neuen gesetzlichen Rentenalter arbeiten können.

Die europäische Agentur für Flugsicherheit Easa schreibt vor, dass Pilotinnen und Piloten beruflich nur bis zum Alter von 65 Jahren in Cockpits von Flugzeugen sitzen dürfen. Sind sie älter als 60, muss eine Kollegin oder ein Kollege dabei sein, der oder die unter 60 Jahre alt ist. Und mit 65 müssen sie ganz aufhören zu arbeiten. Aber Rente bekommen sie erst zwei Jahre später.

Belgische Gewerkschaft will gegen das Problem vorgehen

Auch in Belgien gilt seit dem 1. Januar ein neues Renteneintrittsalter von 66 Jahren – künftig sogar ebenfalls 67. Die dortige Pilotengewerkschaft Beca kritisiert die Widersprüchlichkeit, die sich aufgrund der Easa-Regeln auftut. Sie sieht darin eine Diskriminierung: Betroffene verlieren zwei Jahre staatliche Rente und riskieren finanzielle Einbußen.

Die Gewerkschaft trifft am 17. Juni Minister Jan Jambon, der für die Ressorts Finanzen, Pension, Nationallotterie und Kultureinrichtungen verantwortlich ist. Sie fordert von ihm eine Lösung für das Problem. Parallel hat die Arbeitnehmervertretung eine Petition auf den Weg gebracht, die sie dem Politikerinnen und Politikern vorlegen will.

DAT-Gründer sitzt mit über 65 noch im Cockpit

Auch den Airlines ist die Altersgrenze ein Dorn im Auge. Sie stören sich aber nicht an derselben Sache stören wie die Gewerkschaften. Der Geschäftsführer und Gründer von Danish Air Transport DAT ist selbst aktiver Pilot. Auch er hat Petition eingereicht - laut eigenen Angaben gemeinsam mit über 50 Fluggesellschaften. «Die Reaktion der Easa war insofern positiv, als sie nicht negativ war», so Jesper Rungholm.

In der Petition, die aeroTELEGRAPH vorliegt, wird die Abschaffung der verpflichtenden Altersgrenze von 65 Jahren für Berufspiloten gefordert. Die Altersgrenze sei willkürlich und ignoriere individuelle Leistungsfähigkeit und medizinischen Fortschritt, heißt es in dem Schreiben. Der Verlust erfahrener Pilotinnen und Piloten schwäche die Sicherheit – gerade bei gleichzeitigem Mangel an jungen, qualifizierten Nachwuchskräften.

Airlines sehen Sicherheit nicht gefährdet

Heutige Tests ermöglichen laut der Petition zudem zuverlässige individuelle Risikobewertungen, altersunabhängig. Einige Länder hätten zudem das Limit aufgehoben oder angehoben – ohne negative Auswirkungen auf die Flugsicherheit. Zudem würde der Vergleich mit anderen sicherheitsrelevanten Berufen wie in der Chirurgie oder Schifffahrt zeigen, dass Leistung gelte, nicht das Alter.

Checks im Simulator, Leistungsbewertungen und Sicherheitsmanagement würden leistungsschwache Piloten auch heute schon frühzeitig erkennen. Rungholm ist ebenfalls bereits über 65 Jahre alt. Um zu zeigen, dass Piloten mit 65 keineswegs berufsunfähig, hat Rungholm selbst ein weiteres Zertifikat für die ATR abgeschlossen.

Gewerkschaften wollen keine Anhebung

Im Laufe seiner Karriere hat der Pilot bereits Dutzende Lizenzen für die verschiedensten Flugzeugmodelle und Helikopter gesammelt. «Mit dem frisch erneuerten Klasse-1-Tauglichkeitszeugnis bin ich wieder im Cockpit zurück», erklärt er. Das werde er unter anderem nutzen, um Überführungsflüge für die DAT-Flotte von 17 ATR durchzuführen.

Gewerkschaften sehen das allerdings anders - sie verlangen eher eine Übergangsversorgung als eine Anhebung der Altersgrenze - so auch die Vereinigung Cockpit. «Wenn der Gesetzgeber schon eine Lücke schafft, erwarten wir, dass er sie auch schließt», so ein Sprecher der Vertretung der deutschen Pilotinnen und Piloten.

Gewerkschaft weist auf Strahlenbelastung und unregelmäßige Arbeitszeiten hin

Länger zu arbeiten sei als Pilot:in nicht einfach. «Es ist ein Beruf, der auslaugt», so der Sprecher. Er weist auf unregelmäßige Arbeitszeiten, die höhere Strahlenbelastung, den konstanten Wechsel zwischen Zeitzonen und mehr hin. Das Thema mit der Versorgungslücke werde man daher auch in die laufenden Verhandlungen mit Lufthansa einbringen, so Blanken.

Rungholm hingegen ruft Pilotengewerkschaften schon länger zur aktiven Unterstützung des Kampfes gegen die Altersgrenze von 65 Jahren auf. Er ist überzeugt: «Wenn die Gewerkschaften sich bewegen, wird die Änderung kommen», so Rungholm.

Mehr zum Thema

Piloten in einem Cockpit: In den USA steht ein Fake-Pilot vor Gericht.

Betrüger erschlich sich als Fake-Pilot Gratis-Tickets und gelangte ins Cockpit

Übermüdete Crews: Bei gewissen Fluggesellschaften zunehmende ein Problem.

Zwischen Verkaufsdruck und Müdigkeit: Alarmierende Befunde zu Cockpit und Kabine

ticker pilot pilotin

Internationaler Verband der Pilotinnen tagt in Reykjavík

Anflug auf Bern: Links der Belpberg, rechts die Landebahn.

Was Pilotinnen und Piloten beim Anflug auf Bern alles beachten müssen

Video

Flughafen Pereria: Massive Schäden am Terminal.
Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat im Westen Kolumbiens schwere Zerstörungen angerichtet und mindestens 110 Menschen das Leben gekostet. Auch der Luftverkehr ist betroffen: Sieben Flughäfen mussten ihren Betrieb einstellen.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
skytraders airbus a319 antarktis 01
Ein Airbus A319 hat einen Notfallpatienten von einer Station in der Antarktis abgeholt. Die Kopilotin sagt, man sei den Grenzen der Leistungsfähigkeit des Flugzeuges nahe gekommen.
Timo Nowack
Timo Nowack
boeing 777 300 er jetairwass vt jeq
Mehr als sieben Jahre stand eine Boeing 777-300 ER der einstigen indischen Fluglinie am Flughafen Mumbai. Jetzt hat der Langstreckenjet von Jet Airways Indien verlassen - immer noch in der alten Lackierung.
Timo Nowack
Timo Nowack