Kontrollturm am Flughafen Paris Charles de Gaulle Airport: Die französische Flugsicherung braucht Veränderung.

Brisanter BerichtFrankreichs Flugsicherung verursacht mehr als zwölf Jahre Verspätung - in einem Jahr

Ein Bericht des französischen Senats zeigt, wie groß die Probleme der Flugsicherung in Frankreich sind und wie riesig sie in Zukunft noch werden könnten - mit Folgen für ganz Europa. Doch es gibt auch einen Vorschlag für einen Weg aus der Krise.

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Wofür geben wir hier eigentlich unser Geld aus? So könnte, salopp gesagt, die Frage gelautet haben, die sich die Finanzkommission des französischen Senates gestellt hat.

Denn in den vergangenen Jahren stiegen in Frankreich die Verspätungen im Luftverkehr, die durch die Flugsicherung verursacht wurden. Das Land schnitt dabei auch im europäischen Vergleich schlechter ab. Da die Flugsicherung Direction des Services de la Navigation Aérienne, kurz DSNA, staatlich ist, wollte die Finanzkommission sich ein genaueres Bild machen. Daher ernannte sie den Senator Capo-Canellas zum Sonderberichterstatter.

So hoch sind die Verspätungen und so viel kosten sie

Kürzlich legte Capo-Canellas das Ergebnis seiner Untersuchung vor, einen rund 100 Seiten langen Bericht. Und der hat es in sich. Mehrfach sind darin Sätze zu lesen wie: «Damit war die französische Flugsicherung im Jahr 2025 mit großem Abstand der wichtigste Verursacher von Flugverspätungen in Europa.» In Zahlen heißt das:

Die DSNA verursachte 2025 insgesamt 6,6 Millionen Minuten Verspätung. Umgerechnet sind das 110.000 Stunden, oder 4583 Tage, oder rund 12,6 Jahre. Das hat den Fluglinien nach Schätzung des Berichtes Nettoverluste in Höhe von mindestens 840 Millionen Euro beschert. Zwischen 2015 und 2025 entfielen in Europa 33 Prozent aller Verspätungsminuten, die durch die Flugsicherung verursacht wurden, auf die DSNA. 2025 waren es sogar 36 Prozent.

Französisches Debakel ist Risiko für ganz Europa

Unter Berufung auf die europäische Dachorganisation Eurocontrol heißt es im Bericht, ohne Gegenmaßnahmen werde die DSNA ab 2030 nicht mehr in der Lage sein, den gesamten Verkehr abzuwickeln. Airlines würden dann Verluste von insgesamt 1,3 Milliarden Euro pro Jahr hinnehmen müssen. Zudem würden 120 Millionen Euro an Gebührenausfällen zu Buche stehen. Angesichts der geografischen Lage Frankreichs würde es zudem zu erheblichen Störungen des Flugverkehrs im europäischen Luftraum führen. Um das abzuwenden, sei bis 2030 ein Zuwachs der Kontrollkapazitäten in Frankreich von rund 34 Prozent nötig.

Der Bericht nennt auch die wichtigsten Ursachen und Risiken:

  • unzureichende Personalplanung und zu geringe Rekrutierung
  • eine bevorstehende Pensionierungswelle
  • ineffiziente Verteilung der Ressourcen, in einem Netz mit 700 Einrichtungen
  • eine lange und wenig flexible Ausbildung (fünf statt drei Jahre im EU-Durchschnitt)
  • eine vergleichsweise geringe Produktivität und starre Arbeitsorganisation
  • unzureichend präzise Verkehrsprognosen für die Personalplanung
  • einen erheblichen Rückstand bei der technischen Modernisierung

«Pakt des Vertrauens» als Weg aus der Krise?

Zwar erkennt der Bericht an, dass der Luftverkehr stark zugenommen hat, besonders auch bei Überflügen über Frankreich, und komplexer geworden ist. Das ist aber auch in anderen Ländern der Fall, in denen die Flugsicherungen bessere Leistungen erbringen. Daher sieht der Bericht dies als verschärfenden Faktor an, aber nicht als eine der Hauptursachen.

Der Bericht schlägt auch einen Weg vor, um aus der Krise herauszukommen: einen «Pakt des Vertrauens» zwischen Flugsicherung und Senat. Dabei soll der Staat mehr investieren und die DSNA soll sich reformieren und eine bessere Leistung erbringen.

Gewerkschaft unterstützt Bericht nur teilweise

Konkret ist der Vorschlag: Der Staat ermöglicht, dass die DSNA ab 2027 jedes Jahr rund 60 zusätzliche Lotsinnen und Lotsen bekommt - 40 aus der eigenen Ausbildung sowie 20 ausgebildete aus dem europäischen Ausland. Die französische Flugsicherung soll derweil unter anderem die Ausbildung verkürzen, ihr Netz restrukturieren, die Dienstplanung flexibler gestalten, gerade mit Blick auf verkehrsreiche Zeiten, präzisere Verkehrsprognosen erstellen und ihre Technik modernisieren, inklusive Risikomanagement für veraltete Systeme.

Die DSNA gehört zur französischen Luftfahrtbehörde DGAC. Dementsprechend äußert sich auch die dortige Gewerkschaft CFDT-DGAC zum Bericht. Sie teilt die Analyse der Gründe bei den Punkten Personalmangel, anstehende Pensionierungswelle und technischer Rückstand. Dagegen wehrt sie sich gegen Reformen bei der Arbeitsorganisation und vor allem der Ausbildung. Sie fordert stattdessen mehr Personal und höhere Investitionen die Technik.

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