Boeing 737-800 von Flybondi: Die Billigairline hat seit elf Tagen keine Passagierflüge mehr durchgeführt.

Massive finanzielle ProblemeFlybondi seit elf Tagen ohne Flug - ist das Ende nah?

Die Billigairline ist angetreten, um das Ryanair-Modell nach Südamerika zu bringen. Heute steht Flybondi am Boden: keine Passagierflüge mehr seit Anfang Juli, Kerosin nur noch gegen Vorkasse, Mitarbeitende suspendiert bis September.

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Im Oktober 2016 ist der Schweizer Julian Cook nach Argentinien gezogen. Angezogen wurde er von der Liberalisierung des Luftverkehrs der damaligen Regierung unter Präsident Mauricio Macri. Tarifobergrenzen wurden abgeschafft und der Markteintritt für Lowcost-Airlines möglich. Cook, der in der Schweiz Flybaboo geleitet und später erfolglos versucht hatte, eine Langstrecken-Billigairline in Großbritannien aufzubauen, sah seine Chance und gründete 2016 einen der ersten Billigflieger Argentiniens.

Flybondi wollte das Ryanair-Modell nach Südamerika bringen. Unterstützung holte sich Cook von Ex-Ryanair- und Wizz-Air-Managern. Der Erstflug fand am 26. Januar 2018 mit einer Boeing 737-800 von Córdoba nach Puerto Iguazú statt. Trotz zahlreicher Pannen in der Startphase wuchs Flybondi weiter: 2022 transportierte die Airline über 5 Millionen Passagiere und hatte kurzzeitig sogar die zweitgrößte Flotte Argentiniens.

Letzter Passagierflug von Flybondi am 1. Juli

Der Absturz begann im vergangenen Jahr. Da war Cook aber schon lange nicht mehr dabei: Er verließ die Airline bereits 2019. Nach einem Eigentümerwechsel im Sommer 2025 übernahm eine neue Investorengruppe die Mehrheit an Flybondi. Doch statt zu wachsen, schrumpfte die Airline dramatisch: Von 19 aktiven Flugzeugen im Januar 2026 blieben zuletzt nur noch drei, zeitweise sogar nur ein einziges einsatzbereites Flugzeug. Löhne wurden verspätet ausgezahlt, Gläubiger stellten Insolvenzanträge, und der Marktanteil brach ein.

Gleichzeitig spitzt sich die finanzielle und operative Krise immer weiter zu. Laut der Tracking-Plattform Failbondi, die öffentliche Flugdaten von Aeropuertos Argentina auswertet, hat die Airline seit dem 1. Juli keine Passagierflüge mehr durchgeführt. Laut Informationen des Portals C5N sollen am 13. Juli wieder erste Flüge starten. Bisher sieht es indes nicht danach aus.

Mitarbeitende sind suspendiert

Denn zwar soll Flybondi noch über zwei einsatzbereite Flugzeuge verfügen, sie kann diese wegen Problemen bei der Kerosinversorgung aber kaum mehr einsetzen: Treibstoff muss sie inzwischen per Vorkasse bezahlen. Damit wird die Luft immer dünner. Laut einer Mitteilung an das fliegende Personal verlängerte das Management von Flybondi die laufende Suspendierung der Mitarbeitenden bis zum 30. September, um «die Nachhaltigkeit und den Fortbestand» des Unternehmens zu sichern, berichtet die Seite Hoy Día. Bereits über 300 Mitarbeitende sollen die Airline freiwillig verlassen haben.

Fachleute bemängeln, dass Flybondi weiterhin Tickets verkauft, als gäbe es die Probleme gar nicht, ohne sichtbare Warnungen vor der Lage des Unternehmens oder dem Risiko weiterer Stornierungen. Da weiterhin Flüge annulliert werden, haben betroffene Passagiere eine Sammelklage eingereicht, um Rückerstattungen und Aufklärung von der Fluggesellschaft zu fordern.

Failbondi musste sich umnennen

Wer genau hinter der Seite Failbondi steht, ist unklar. Ursprünglich hieß sie Flybondi, bis die Macher am 8. Januar 2025 eine Unterlassungsaufforderung der Airline-Anwälte erhielten und auf den heutigen Namen wechselten.

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