Airbus A340 von Edelweiss Air: Dicke Luft im Cockpit.

TarifstreitEdelweiss-Piloten bemängeln Sicherheit

Die Piloten der Schweizer Ferienairline haben den Tarifvertrag aufgekündigt. Zudem erheben sie heftige Vorwürfe bezüglich der Sicherheit von Edelweiss.

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Lange Zeit schwelte der Konflikt unbemerkt vor sich hin. Bis er am 23. Mai schließlich eskalierte. Die Schweizer Pilotengewerkschaft Aeropers gab bekannt, den Tarifvertrag mit der Lufthansa-Tochter Edelweiss trotz laufender Verhandlungen wegen «unüberbrückbarer Differenzen» zu kündigen. Seit 2009 habe es nahezu keine Verbesserungen beim Gehalt der Piloten der Edelweiss Air gegeben, heißt es weiter. «Die Piloten haben durch jahrelanges, außerordentlich hohes Engagement und unter Zurückstellung persönlicher und privater Bedürfnisse, das Wachstum der Edelweiss erst ermöglicht.»

Sie fordern nun, dass im Rahmen eines neuen Tarifvertrags das Gehalt verbessert wird. Allerdings würde die Führung das nur im «ungenügenden Maße» anerkennen. «Es scheint dem Management nicht ausreichend bewusst zu sein, wie stark sich der Unmut innerhalb des Pilotenkorps angestaut hat», so die Gewerkschaft. Das führe unter Anderem dazu, dass bereits einige Piloten die Airline verlassen und «für sie persönlich bessere Zukunftsperspektiven» wahrnehmen. «Zudem fehlen qualifizierte neue Bewerber, was sich daran zeigt, dass nicht alle Pilotenkurse vollständig besetzt werden können.»

Heftige Vorwürfe

Soweit die offizielle Stellungnahme. Doch in einer geschlossenen Facebook-Gruppe kursiert laut der Zeitung Blick ein Brief, in dem Piloten, Kabinencrew und Crewplaner heftige Vorwürfe erheben. Adressiert ist er an Geschäftsführer Bernd Bauer. Die Mitarbeiter bemängeln die Sicherheit bei der Fluglinie. Es sei etwa bei den neuen Airbus A320 der Fluggesellschaft «ganz offensichtlich an vitalen, safetyrelevanten Systemen gespart worden.»

So hätten die Jets etwa kein Runway Awareness and Advisory System RAAS, das Piloten bei Starts und Landungen und beim Rollen unterstützt, und automatische Vereisungs-Warnsystem. Auf der Langstrecke, so heißt es in dem achtseitigen Brief weiter, sei problematisch, dass die Piloten in den Airbus A340 ihre Pause im hinteren Frachtraum verbringen. Von dort aus seien es 40 Meter bis ins Cockpit und das sei im Notfall möglicherweise zu weit.

Komfort stimme nicht

Neben der Sicherheit heißt es in dem Schreiben auch, dass der Komfort in den neuen Airbus A320 nicht den Standards von Edelweiss entspreche, für den die Kunden zahlen. In zwei Flugzeugen würden die Bildschirme für Informationen oder Unterhaltung fehlen. Zudem sei auch die Sitzbreite und das Essen schlechter. «Wir schämen uns im Moment für unser Kurzstrecken-Kabinen-Produkt», so die Mitarbeiter.

Edelweiss selbst weist die Vorwürfe bezüglich der Sicherheit zurück. «Der Flugbetrieb von Edelweiss erfüllt jederzeit sämtliche gesetzliche Anforderungen in Bezug auf Technik, Sicherheit und Ausbildung und wird vom Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl regelmäßsig überprüft. Wir weisen die im offenen Brief an Edelweiss gerichteten Vorwürfe vehement und vollumfänglich zurück. Diese sind haltlos», so ein Sprecher der Fluglinie.

Immerhin in dieser Frage sind sich die Airline und die Gewerkschaft einig.Man sehe «keine Anzeichen dafür, dass die Flugsicherheit bei der Edelweiss gefährdet sei» heißt es in einer Mitteilung. «Dass Mitarbeiter ihre Meinung kommunizieren und ihre Bedenken äussern dürften oder sogar müssten, sei ein wichtiger und richtiger Bestandteil der Sicherheitskultur einer Airline.» Ein öffentlicher Schaden oder ein Angriff auf die Reputation der Edelweiss sei mit dem Brief sicherlich nicht gewollt gewesen.

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