Airbus A330 Neo von Condor am Flughafen Frankfurt: Die Flotte wächst.

Deutsche Fluglinie unter DruckCondor verhandelt mit Gewerkschaften über Zukunftspakt

Es ist ein Balanceakt: Condor wächst und muss angesichts hoher Kosten zugleich sparen. Vergangene Woche hat die Fluggesellschaft Gespräche mit den Tarifpartnern aufgenommen.

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Condor steht vor einer schwierigen Aufgabe: Die Fluggesellschaft will und muss wachsen, um eine Größe zu erreichen, mit der sie am Markt bestehen kann und die sie für Investoren und Allianzen attraktiv macht. «Wir müssen auf jeden Fall wachsen», hatte Condor-Chef Peter Gerber schon im aeroTELEGRAPH-Interview gesagt. «Das liegt einfach daran, dass man permanenten Kostensteigerungen ausgesetzt ist und die Faktorkosten überhaupt nicht runter bekommt, wenn man nicht wächst.»

Der neueste Wachstumsschritt, über den zuerst das Portal Aero berichtete: Condor wird vier Airbus A320 Neo mieten, die zuvor für Spirit Airlines flogen. Zudem hat die Fluglinie auch noch weitere offene Flugzeugbestellungen, für die Kurz- und die Langstrecke.

Großes Gespräch von Condor mit Betriebs- und Tarifpartnern

Zum anderen ist Condor derzeit aber wie die gesamte Branche hohen Kosten und Unsicherheiten ausgesetzt, allen voran durch die hohen Kerosinpreise. Condor erhält weitere Flugzeuge braucht auch Personal, um diese zu betreiben - und muss zugleich sparen.

Die deutsche Fluggesellschaft führt daher aktuell Gespräche mit ihren Betriebs- und Tarifpartnern über ein «Zukunftspakt Wachstum», wie aus einem Schreiben der Gewerkschaft Verdi hervorgeht, das aeroTELEGRAPH vorliegt. Verdi führte zunächst ein Einzelgespräch mit Condor. Am 23. Juli folgte dann ein großes Gespräch mit allen Betriebs- und Tarifpartnern.

«Rahmenbedingungen, die erheblich belasten»

«Im Mittelpunkt des Gesprächs standen vor allem die externen Rahmenbedingungen, die das Unternehmen derzeit erheblich belasten», schreibt Dennis Dacke, Verdis Konzernverantwortliche für Condor. Dazu zählten geopolitische Konflikte wie der Iran-Krieg und ihre Auswirkungen auf die Kerosinpreise, der wachsende Wettbewerbsdruck im deutschen Luftverkehr sowie Lieferverzögerungen beim Flugzeugbauer Airbus.

Alle seien sich bewusst, dass sie Verantwortung für die Zukunft der Airline übernehmen müssten. Gemeinsam mit dem Arbeitgeber suche man langfristige Lösungen. «Der nächste gemeinsame Gesprächstermin aller Gewerkschaften mit dem Arbeitgeber zum Zukunftspakt Wachstum findet am 31. Juli in Frankfurt statt.» Dort sollen Überlegungen konkretisiert und nächste Schritte beraten werden. «Wir erwarten, dass sich im Laufe des Augusts ein deutlich klareres Bild ergibt und belastbare Ergebnisse auf dem Tisch liegen», schreibt Dacke, gerichtet an «Kolleginnen und Kollegen am Boden - in Cockpit, Kabine und der Technik».

«Condor verbrennt auch dieses Jahr wieder Geld»

Auch die Kabinengewerkschaft Ufo äußert sich in einem Schreiben zu dem Treffen am 23. Juli. Sie spricht von einer «angespannten Lage» der Fluglinie und verweist auf die gleichen Gründe wie Verdi. «Condor verbrennt trotz eurer Leistung auch dieses Jahr wieder Geld», bilanziert die Tarifkommission von Ufo. Sie verspricht, niemand werde sich «vor der Verantwortung wegducken, Condor auch durch solche Zeiten zu begleiten».

In einem Einzeltermin mit Condor werde man besprechen, «wie ein Wachstumspaket mit deutlich mehr Kolleg*innen in Kabine und Cockpit sowie die Anschaffung von neuem Fluggerät in einer solchen Zeit aussehen kann und wie Condor sich damit langfristig am Markt behaupten will», schreibt die Ufo-Tarifkommission.

Vereinigung Cockpit pocht auf eigenständige Verhandlungen

Während sich die Aussagen von Verdi und Ufo ähneln, schlägt die Vereinigung Cockpit in einer Stellungnahme einen etwa anderen Ton an. Zwar sagt auch sie, sie habe das Gespräch am 23. Juli als konstruktiv empfunden, schreibt aber optimistischer: «Condor steht operativ stabil da - daran haben die Besatzungen einen erheblichen Anteil, was sich auch im bereits realisierten Wachstum zeigt.» Auf dieser Grundlage ließen sich die anstehenden Themen für eine weitere Ausweitung der Kapazitäten in Ruhe besprechen.

Die Cockpitcrew-Gewerkschaft erklärt, auch sie habe externe Faktoren wie den Kerosinpreis im Blick, betont aber: «Wir verhandeln für das Cockpitpersonal eigenständig, da sich die tariflichen Strukturen und Anforderungen der Beschäftigtengruppen erheblich unterscheiden.»

Condor will zugleich «Wachstum und wirtschaftliche Disziplin»

Condor selber äußert sich nur zurückhaltend. «Wir kommentieren laufende Gespräche mit unseren Sozialpartnern grundsätzlich nicht öffentlich», so eine Sprecherin. Man verfolge unverändert das Ziel, weiter zu wachsen und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken. «Dazu gehören Investitionen in unsere Flotte, unser Produkt und unsere Mitarbeitenden ebenso wie eine verantwortungsvolle wirtschaftliche Unternehmensführung.»

Über Ergebnisse und Maßnahmen nach dem Austausch mit den Tarifpartnern will Condor informieren, «sobald entsprechende Vereinbarungen getroffen wurden». Bei all dem gelte: «Wachstum und wirtschaftliche Disziplin schließen sich dabei nicht aus», so die Sprecherin.

Setzt Condor den Rotstift bei der Verwaltung an?

Weder nennt Condor derzeit wirtschaftliche Zahlen, noch spricht sie von Sparmaßnahmen. Klar ist: Die Fluglinie will ihren Wachstumskurs halten und kann daher kein operatives Personal am Boden und in der Luft abbauen - im Gegenteil, sie braucht mehr.

Um die «wirtschaftliche Disziplin» dennoch zu gewährleisten, also an bestimmten Stellen zu sparen, scheinen vor allem zwei Möglichkeiten in Betracht zu kommen. Das operative Personal in der Luft und am Boden könnte sich zu Einsparungen ohne Jobabbau bereit erklären. Und Condor könnte in der Verwaltung sparen - auch durch Stellenstreichungen.

Noch hält Attestor nur 51 Prozent an Condor, ...

Diesen Weg geht auch Lufthansa gerade. Bis zum Jahr 2030 will sie 4000 Stellen in der Verwaltung streichen. Zunächst sollen bis zu 550 Vollzeitstellen bei der Kernmarke sowie in zentralen Konzernbereichen wegfallen - zunächst freiwillig über Aufhebungsverträge mit Abfindungen sowie bezahlte Freistellungen bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses.

Welchen Weg Condor einschlagen wird, dürfte sich im August zeigen. Im Hintergrund stellt sich derweil weiterhin die Eigentümerfrage. Aktuell hält die Investmentgesellschaft Attestor 51 Prozent an Condor. Die anderen 49 Prozent liegen aufgrund der Staatshilfen in der Pandemie beim deutschen Staat beziehungsweise bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

... könnte die Fluglinie aber vollständig übernehmen

Da Condor die Staatshilfen mittlerweile zurückgezahlt hat, kann Attestor die übrigen Anteile zu einem festen Preis ebenfalls übernehmen. Im vergangenen November suchte sie dafür noch einen Partner. Vergangene Woche berichtete die Nachrichtenagentur Reuters aber, die Investmentfirma wolle die übrigen 49 Prozent doch zunächst selber übernehmen.

Was Gewinne und Verluste angeht, ist Condor als nicht börsennotiertes Unternehmen nicht verpflichtet, Quartalszahlen zu veröffentlichen. Bei einem Termin im April erklärte die Airline aber, im Geschäftsjahr 2024/25 (bis Ende September) sei der Gewinn vor Zinsen und Steuern um mehr als 25 Prozent auf 151 Millionen Euro gestiegen, das Ergebnis nach Steuern habe sich sich aber um fast 14 Prozent auf minus 110 Millionen Euro verschlechtert.

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