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Nach Vorfall in KasachstanCockpit-Crews von Swiss üben künftig kniffliges Wendemanöver von Astana

Die Lufthansa-Tochter hat ihre Untersuchung zum missglückten Wendemanöver in Astana abgeschlossen. Als Konsequenz trainieren Pilotinnen und Piloten von Swiss nun im Simulator das Wenden einer Boeing 777 auf schmalen Pisten.

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Am 17. August 2024 musste ein Swiss-Flug von Tokio nach Zürich aufgrund eines medizinischen Notfalls außerplanmäßig in Astana, landen. Doch aus der ungeplanten Zwischenlandung in Kasachstan wurde ein logistischer Kraftakt: Beim anschließenden Wendemanöver kam das Bugfahrwerk der Boeing 777-300 ER von der Landebahn ab und blieb im Gras stecken. Die Maschine konnte erst mit externer Hilfe zurück auf die Piste geschoben werden. Alle Passagiere mussten von Kasachstan aus umgebucht werden.

Eine interne Untersuchung zeigt nun, dass eine Verkettung unglücklicher Umstände zu diesem Vorfall führte. aeroTELEGRAPH liegt der interne Abschlussbericht vor, in dem insbesondere der hohe Zeitdruck als entscheidender Faktor genannt wird. Auch unvorhergesehene Einschränkungen am Flughafen und eine anspruchsvolle Wendetechnik spielten eine zentrale Rolle.

Ein Wendemanöver mit Herausforderungen

Laut dem internen Abschlussbericht der Lufthansa-Tochter war der Crew erst kurz vor der Landung mitgeteilt worden, dass zwei Rollwege am Flughafen Astana gesperrt waren. Dadurch wurde sie unerwartet mit einem 180-Grad-Wendemanöver auf der 45 Meter breiten Landebahn konfrontiert – eine anspruchsvolle Aufgabe für ein 75 Meter langes und 65 Meter breites Flugzeug.

Zwar gibt es in den Boeing-777-Handbüchern ein spezielles Wendemanöver für besonders schmale Pisten. Dieses erlaubt eine Drehung auf nur 43,7 Metern, während normalerweise eine Mindestbreite von 56,5 Metern vorgesehen ist. Allerdings ist dieses Manöver mit besonderen Auflagen verbunden und wird im regulären Flugbetrieb äußerst selten angewendet und selbst von Boeing nicht empfohlen.

Kein Schaden, aber Bergung erforderlich

Die äußeren Reifen müssen dabei an der Außenkante der Piste ausgerichtet werden und stillstehen. Danach muss die Crew maximalen Lenkeinschlag geben, die Bremse beim innen stehen Fahrwerk voll anziehen und kräftig Schub beim äusseren Triebwerk geben, um das Flugzeug zu drehen.

«Die Cockpit-Besatzung war sich bewusst, dass ein solches Manöver existierte. Aufgrund des hohen Zeitdrucks konnten sich die Piloten jedoch nicht explizit darauf vorbereiten», heißt es im internen Schreiben an die Mitarbeitenden. Als Folge blieb das Bugfahrwerk während des Wendens außerhalb der befestigten Fläche stehen.

Lehren von Swiss aus dem Vorfall

Glücklicherweise kam es zu keinem Sachschaden am Flugzeug, und auch die Passagiere blieben unverletzt. Dennoch war eine Bergung durch ein lokales Rettungsteam erforderlich, um die Maschine wieder auf die Startbahn zu bringen.

Swiss habe die Ereignisse detailliert analysiert und Konsequenzen gezogen. Eine zentrale Erkenntnis: Das Verfahren für das 180-Grad-Wendemanöver auf schmalen Pisten war im Handbuch nicht optimal platziert und beschrieben. «Die interne Untersuchung hat gezeigt, dass die unvollständige Anwendung der Wendetechnik die Hauptursache für das Problem war», so der Bericht.

Bereits erste Simulatorflüge absolviert

Darüber hinaus hätten zusätzliche Faktoren wie die Dringlichkeit des medizinischen Notfalls in der Kabine, schwer verständliche Anweisungen der Flugverkehrsleitung sowie der Zeitdruck eine Rolle gespielt. «Es zeigt sich immer wieder, dass es eine Verkettung ungünstiger Umstände braucht, bis es zu einem Vorkommnis kommen kann», stellt Swiss in ihrem Bericht fest.

Als direkte Konsequenz hat die Airline das Cockpit-Manual überarbeitet und das Verfahren zur besseren Orientierung neu platziert. Zudem wurde beschlossen, das spezielle Wendemanöver in das wiederkehrende Simulatortraining für die Piloten aufzunehmen.

Swiss hat aus Vorfall gelernt

Auf Nachfrage bestätigt Swiss, dass die ersten Crews das neue Training bereits absolviert haben. «Schon die Hälfte aller Pilotinnen und Piloten hat ein solches Training im Rahmen ihres wiederkehrenden Simulatortrainings absolviert. Bis Ende Juni werden alle Cockpitbesatzungen das Training abgeschlossen haben», erklärt ein Sprecher.

Die Airline betont, dass man aus dem Vorfall gelernt habe. Auch wenn solch enge Wendemanöver selten erforderlich sind, sollen die Crews nun besser darauf vorbereitet sein, falls sich eine ähnliche Situation in der Zukunft wiederholt.

Reisende wurden entschädigt

Eine weitere große Herausforderung bestand darin, die Passagiere der Boeing 777 vor Ort in Astana auf alternative Verbindungen umzubuchen. Zu den finanziellen Folgen des Vorfalls äußert sich Swiss hingegen nicht, betont aber: «Sämtliche Entschädigungsansprüche wurden vollständig ausbezahlt.»

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