Der Krieg im Iran bringt den internationalen Luftverkehr durcheinander – und sorgt bei China Airlines ausgerechnet für zusätzlichen Zulauf. «Sehr positiv», sagt Ray Chang mit Blick auf die Entwicklung. Viele arabische Fluggesellschaften hätten ihren Betrieb stark eingeschränkt oder ganz eingestellt, so der Chef Österreich und Zentral- und Osteuropa. «Die Passagiere sind verunsichert und suchen nach Fluggesellschaften, die Direktflüge nach Asien anbieten.»
Davon profitiert auch die Verbindung ab Wien. Rund 55.000 Passagiere nutzen sie jährlich. Allerdings zeigt sich ein strukturelles Ungleichgewicht: Nur etwa 25 bis 27 Prozent der Fluggäste starten tatsächlich in Wien, während der Großteil aus Asien kommt. Für China Airlines ist das ein klarer Hinweis auf ungenutztes Potenzial. «Derzeit fliegen rund 40 Prozent der Passagiere nach Taipeh, der Rest reist weiter in unser Streckennetz», sagt Chang. Dabei gilt der österreichische Markt als schwierig. «Österreich ist stark auf Urlaubsreisen und weniger auf Geschäftsreisen ausgerichtet.»
Der österreichische Markt ist schwierig
Gleichzeitig sieht die Airline Wien als strategisch wichtigen Zugang zu Mittel- und Osteuropa. Entsprechend hat China Airlines ihre Vertriebsstrategie angepasst. Statt auf externe Verkaufsagenten zu setzen, baut die Airline eigene Teams auf: «Wir erschließen die Märkte – insbesondere in Osteuropa – direkt mit unserem eigenen Verkaufspersonal.»
Noch spielen diese Märkte nur eine begrenzte Rolle. Doch die Bedeutung wächst, auch weil zunehmend taiwanesische Unternehmen in der Region aktiv werden. Der Blick richtet sich deshalb nach vorn – und auf zusätzliche Kapazitäten. Derzeit bremsen fehlende Flugzeuge den Ausbau. «Wann immer ich mit meinen Kollegen in Taipeh spreche, bitte ich um mehr Kapazitäten auf der Strecke nach Wien», sagt Chang. Ziel sei es, mittelfristig wieder auf das Vorkrisenniveau zu kommen.
China Airlines will täglich nach Wien
Konkret schwebt ihm ein Ausbau in Etappen vor: fünf wöchentliche Flüge ab dem Winterflugplan 2026/27, später möglicherweise ein sechster. Doch die Ambitionen gehen weiter. «Bevor ich Wien in drei Jahren verlasse, habe ich noch eine wichtige Mission», sagt Chang. «Ich möchte einen täglichen Flug nach Taipeh einrichten.»
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