Jens Ritter: Er warnt vor einem Wachstumsstopp bei Lufthansa.

Jens Ritter zum Streik des Kabinenpersonals Chef von Lufthansa Airlines: «Wir leben vom Geld der anderen»

Der Streik des Kabinenpersonals von Lufthansa hat begonnen und legt den Flugbetrieb an den Drehkreuzen Frankfurt und München weitgehend lahm. Auch viele andere Flughäfen sind betroffen. Airlines-Chef Jens Ritter kritisiert den Zeitpunkt scharf und warnt vor den Folgen für die Zukunft der Fluggesellschaft.

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Der Streik des Kabinenpersonals bei Lufthansa und Lufthansa Cityline hat in der Nacht auf Freitag (10. April) begonnen und sorgt für erhebliche Einschränkungen im Flugbetrieb. Besonders betroffen sind die beiden Drehkreuze Frankfurt und München.

Die Gewerkschaft Ufo (Unabhängige Flugbegleiter Organisation) hat das Kabinenpersonal für den gesamten Freitag zum Arbeitskampf aufgerufen. Ziel ist es, in den seit Monaten festgefahrenen Tarifverhandlungen Bewegung zu erzwingen und bei Cityline einen für alle verträglichen Sozialplan zu finden.

Flüge von Lufthansa an allen Flughäfen betroffen

Bereits im Vorfeld wurden an den großen Drehkreuzen zahlreiche Flüge gestrichen, in Frankfurt etwa rund drei Viertel der geplanten Abflüge. Auch in München kommt es zu deutlichen Einschnitten.

Darüber hinaus sind zahlreiche weitere Flughäfen betroffen. Vor allem Zubringerflüge fallen aus, etwa in Berlin, Hamburg oder Düsseldorf. Das Ganze zieht auch einen Rattenschwanz an Folge-Ausfällen und Verspätungen nach sich, der dann aufgearbeitet werden muss.

Chef von Lufthansa Airlines: «Wollen wir das wirklich alles aufs Spiel setzen?»

Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter äußert sich wenig überraschend, aber dafür sehr deutlich kritisch in einem internen Interview, das aeroTELEGRAPH vorliegt. Der Streik komme zur Unzeit, sagt er: «Die Welt ist in Aufruhr mit Kriegen und Krisen und all den dramatischen Folgen auch für uns – und wir erleben einen Streikaufruf einer Gewerkschaft am Oster-Rückreisewochenende. Das war bisher undenkbar.»

Ritter verweist zugleich auf die Entwicklung der Airline in den vergangenen Jahren. Man habe «so viel gemeinsam aufgebaut»: stabilere Abläufe, mehr Pünktlichkeit, neue Flugzeuge und ein verbessertes Produkt. «Unser Angebot und unser Service durch die Crews bekommen Top-Bewertungen unserer Gäste», so der Manager. Umso größer sei für ihn die Sorge über die aktuellen Entwicklungen: «Wollen wir das wirklich alles aufs Spiel setzen?»

Lufthansa will eingeschlagenen Kurs fortsetzen

Der Lufthansa-Chef verweist auf wirtschaftlichen Druck. Die bisherigen Strukturen passten nicht mehr zur Realität: «Die Vereinbarungen und Regelungen der Vergangenheit passen einfach nicht mehr zur aktuellen Zeit und zu unserer finanziellen Lage.» Besonders kritisch sieht er die Position der Kernmarke im Konzern. «Fakt ist: Wir leben vom Geld der anderen im Konzern», sagt Ritter. Gleichzeitig habe Lufthansa Classic bereits «mit Abstand die besten Arbeitsbedingungen». Vor diesem Hintergrund sei ein Streik für weitere Verbesserungen schwer nachvollziehbar: «Das passt nicht zusammen.»

Ritter kündigt an, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen, unabhängig von Arbeitskämpfen. Wachstum solle es künftig nur dort geben, «wo wir Gewinne erwirtschaften».

Was Ufo dem Lufthansa-Management vorwirft

Ufo wirft Lufthansa vor, in den Tarifverhandlungen bislang kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt zu haben. Die Arbeitgeberseite habe sich «nicht einen Millimeter» bewegt, kritisierte Verhandlungsführer Harry Jaeger von der Tarifkommission.

Bei Lufthansa Cityline, die aufgelöst und von City Airlines ersetzt werden soll, kritisiert Ufo «die weiterhin ausbleibende Bereitschaft der Arbeitgeberseite, Verhandlungen über einen tariflichen Sozialplan aufzunehmen, auf unsere Forderungen einzugehen oder zumindest ein verhandlungsfähiges Angebot zu unterbreiten – trotz der geplanten Einstellung des Flugbetriebs und der existenziellen Folgen für rund 800 Kabinenbeschäftigte».

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