Lange schien die Nachfolge von Iata-Generaldirektor Willie Walsh praktisch vorgezeichnet. Seit Monaten kursierten Namen aktueller und ehemaliger Airline-Chefs, schließlich galt eine Regel als nahezu unumstößlich: Wer den Weltluftfahrtverband Iata führt, muss zuvor eine Fluggesellschaft geleitet haben. Doch hinter den Kulissen wurde zuletzt zunehmend darüber diskutiert, ob das angesichts der großen politischen Bedeutung des Amtes überhaupt noch der richtige Ansatz ist. Nun hat sich die Iata für einen anderen Weg entschieden.
Mit Saadia Zahidi bekommt der Airline-Dachverband erstmals in seiner Geschichte eine Generaldirektorin. Die 46-Jährige übernimmt das Amt am 1. November und wird damit die neunte Person an der Spitze der Organisation. Zugleich ist sie die erste Chefin, die nicht aus der Luftfahrtbranche kommt.
Zwei Jahrzehnte Erfahrung beim World Economic Forum
Stattdessen bringt Zahidi mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung beim World Economic Forum (WEF) mit. Dort stieg sie bis zur Managing Director und zum Mitglied der Geschäftsleitung auf. Sie gründete und leitet das Center for the New Economy and Society, verantwortete zuvor unter anderem die globale Programmgestaltung sowie die Zusammenarbeit mit Regierungen, Wissenschaft und internationalen Organisationen. Zudem gilt sie als Mitautorin der viel beachteten Berichte Future of Jobs, Future of Growth, Global Gender Gap und Chief Economist Outlook.
Dass die Wahl auf eine Managerin mit diesem Profil fiel, dürfte kein Zufall sein. Seit Jahren beschäftigt sich Zahidi mit den wirtschaftlichen Folgen von Digitalisierung, Automatisierung und geopolitischen Veränderungen. In Interviews betonte sie immer wieder, dass technologische Umbrüche Arbeitsmärkte und Wirtschaft grundlegend verändern und neue politische sowie regulatorische Antworten erfordern. Genau diese Themen prägen inzwischen auch die Luftfahrt.
Branche vor neuen Herausforderungen
Iata-Verwaltungsratspräsident Roberto Alvo hob bei der Vorstellung der neuen Generaldirektorin ebenfalls die geopolitischen und technologischen Veränderungen hervor, vor denen die Branche stehe. Zahidi bringe die richtigen Fähigkeiten mit, um die Interessen der Fluggesellschaften in diesem Umfeld wirkungsvoll zu vertreten. Gleichzeitig werde sie der Iata eine neue Perspektive verleihen und auf den bestehenden technischen und wirtschaftlichen Stärken des Verbandes aufbauen.
Zahidi selbst sprach von einem entscheidenden Zeitpunkt für die Luftfahrt. Diese sei eine unverzichtbare Infrastruktur für Wirtschaft, Handel, Tourismus und Beschäftigung. Gemeinsam mit den Mitgliedsfluggesellschaften, Regierungen und Partnern wolle sie dafür sorgen, dass die Branche Innovationen vorantreibe, widerstandsfähiger werde und nachhaltig wachse.
Finanzchefin übernimmt als Interims-Generaldirektorin
Willie Walsh scheidet bereits zum 31. Juli aus dem Amt aus. Bis Zahidi Anfang November übernimmt, führt Finanzchefin Sandrine Le Borgne die Iata übergangsweise als Interim-Generaldirektorin.
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