Embraer E190 von Air Serbia: Zusätzliche Leasing-Maschinen sollen Abhilfe schaffen.

Schwere VorwürfeAir Serbia: Lage am Flughafen Belgrad «außer Kontrolle»

Die serbische Nationalairline kämpft seit Wochen mit Verspätungen und Annullierungen. Die größte Schuld daran sieht Air Serbia beim Flughafen Belgrad. Die Probleme würden «von Tag zu Tag schlimmer».

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Eigentlich lief es gerade gut für Air Serbia. Vergangenes Jahr steigerte die nationale Fluggesellschaft des Landes im Zentrum der Balkanhalbinsel die Passagierzahlen auf 2,76 Millionen. Sie lag damit schon wieder fast auf dem Niveau von vor der Pandemie und war damit weiter als andere europäische Airlines.

Zugleich baut die Führung unter Chef Jiri Marek die Langstreckenflotte mit Airbus A330 aus und fliegt nach dem für lange Zeit einzigen Fernziel New York jetzt auch Chicago und Tianjin an. Und sie hat die Kurz- und Mittelstreckenflotte mit jüngeren ATR 72 erneuert und mit A320 erweitert, die größer sind als die zehn A319, die noch zur Flotte gehören. Doch ausgerechnet jetzt ist Sand ins Getriebe von Air Serbia gekommen - mehrheitlich unverschuldet.

Verspätete Ersatzteile und Flieger, technische Probleme

Die Probleme starteten Mitte Juni. Damals begann Air Serbia mit Verspätungen zu kämpfen und musste auch Flüge annullieren. Sie machte einen Dreifacheffekt dafür verantwortlich. Man habe neue Flugzeuge erst später als geplant in Betrieb nehmen können. Zudem seien mehrere Flieger aufgrund von Nachschubproblemen bei Ersatzteilen später aus der Wartung gekommen. Und nicht zuletzt hätten einige Flughäfen zu wenig Personal, was Abflüge verzögere.

Wenige Tage später fiel dann am Belgrader Flughafen das Röntgengepäckkontrollsystem aus. Daher kam es zu erheblichen Störungen bei allen abfliegenden Fluggesellschaften. Air Serbia als größte Airline vor Ort war davon besonders betroffen. Und vergangenen Samstag (24. Juni) sprach der Belgrader Flughafen ein Betankungsverbot aus - wegen ungünstiger Wetterbedingungen. Wiederum musste Air Serbia Flüge verlegen und streichen.

«Von Tag zu Tag schlimmer»

Deshalb platze der Airline am Wochenende der Kragen. Obwohl der Personalmangel in Schlüsselpositionen bereits vor einem halben Jahr in einem Dokument zum Stand der Vorbereitung auf die Sommersaison als eines der größten Risiken identifiziert worden sei, sei dieses Problem nicht gelöst worden. Dabei habe man die Führung des Nikola Tesla Airports «regelmäßig und umfassend» über alle Pläne mit erhöhter Anzahl von Zielen, Erweiterung der Flotte und Wachstum der Passagierzahlen informiert, schreibt die Fluglinie in einer Mitteilung.

Es gebe am Flughafen Belgrad eine ganze Reihe von Problemen, mit denen man «seit Wochen täglich konfrontiert» sei und welche sehr schwerwiegende Folgen auf die Pünktlichkeit hätten und «von Tag zu Tag schlimmer werden». Die Situation am Flughafen sei «immer mehr außer Kontrolle» geraten, so Air Serbia. Der Ausfall des Röntgengeräts sei nur ein Vorfall gewesen, die Probleme seien viel größer und chronischer Natur.

«Mitarbeitende unzureichend geschult»

Die Passagierabwicklung sei äußerst langsam. Die Mitarbeitenden an den Check-in-Schaltern seien einerseits unzureichend geschult, beklagt sich Air Serbia. Da die Gepäckschlange sehr häufig stoppe, komme es andererseits zu noch längeren Warteschlangen. «Passagiere beschweren sich zu Recht, und Gepäck bleibt oft am Flughafen zurück», schreibt die serbische Fluggesellschaft in der Mitteilung.

Damit nicht genug. Das Personal zum Verladen des Gepäcks ins Flugzeug komme oft in zu kleiner Anzahl und zu spät. Abends mangele es in allen Supportdiensten an Mitarbeitenden, was an Gates zu Verzögerungen führe. Auch bei ankommenden Flügen gebe es Probleme, da Gäste oft lang auf ihre Koffer warten müssten. Der Gepäckdienst sei nicht in der Lage, mit verspätetem Gepäck zeitnah und richtig umzugehen. «Es ist offensichtlich, dass es Probleme mit der Ausrüstung und der Infrastruktur gibt und dass es auf jeder Stufe der Kette an geschultem Personal mangelt» so Air Serbia.

Zusätzliche ATR, drei geleaste Embraer-Jets

Air Serbia selbst hat kürzlich eine sechste ATR 72 eingeflottet. Damit will sie helfen, den Teil der Verspätungen und Flugausfälle zu verhindern, der aufgrund der verspäteten Flieger entstanden ist. Zudem holte sich die Airline von der griechischen Marathon Airlines eine Embraer E190 in die Flotte. Gemäß dem Portal Tango Six sollen im Juli und August zwei weitere geleaste E195 hinzukommen.

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