Flugzeug von Air France: Am Donnerstag werden etliche am Boden bleiben.

Masturbations-VorwürfeAir-France-Crew in Buenos Aires festgehalten

Eine Crew von Air France geriet in Argentinien ins Visier von Polizei und Justiz. Es geht um die Vorwürfe einer Passagierin.

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Luftfahrt

Das Syndicat National du Personnel Navigant Commercial SNPNC ist konsterniert. Die französische Flugbegleiter-Gewerkschaft hat sich deshalb mit Beschwerdebriefen an Frankreichs Außenminister sowie die argentinische Botschaft in Frankreich gewandt. Sie verlangt die Untersuchung eines Vorfalls von Ende Oktober. Es geht dabei um Air-France-Flug AF228 von Paris nach Buenos Aires vom 29. Oktober und anschließende «48 Stunden in Angst» für die Flugbegleiter, wie SNPNC schreibt.

Was war genau geschehen? Laut der Gewerkschaft hatte sich eine Passagierin, Tochter eines ehemaligen stellvertretenden argentinischen Justizministers, nach einem Upgrade in die Business Class erkundigt. Dies sei jedoch aufgrund fehlender freier Plätze nicht möglich gewesen. Dann habe die Frau um einen Platzwechsel gebeten mit Verweis auf unangebrachtes Verhalten ihres Sitznachbarn. Die Passagierin habe einen neuen Platz erhalten - laut der argentinische Zeitung La Nacion einen Jump Seat, also einen der Klappsitze der Flugbegleiter.

Kabinenchef streng verhört

Angekommen am Flughafen Buenos Aires Ezeiza, sei ein Teil der Kabinencrew von der Polizei für sechs Stunden festgehalten worden, so die Gewerkschaft weiter. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP und La Nacion berichten, hatte die Passagierin bei der Flughafenpolizei gemeldet, dass ihr Sitznachbar während des Fluges masturbiert habe. Am folgenden Tag mussten die Air-France-Mitarbeiter vor Gericht erscheinen, wobei der Kabinenchef laut SNPNC stundenlang in einem ein Quadratmeter großen Raum stehen musste, ohne die Möglichkeit zu essen oder zu trinken, dafür bewacht von bewaffneten Sicherheitskräften.

Sowohl der Richter als auch der Vater der Passagierin sollen den Air-France-Mann befragt haben. La Nacion zufolge trat der Vater als Anwalt seiner Tochter auf und hatte in dieser Rolle das Recht, Fragen zu stellen. Nach Informationen der Zeitung soll der Kabinenchef dabei separat von den anderen Crew-Mitgliedern befragt worden sein, um zu klären, ob er Zeuge oder Beschuldigter sei.

Air-France-Chef empört

Der Grund dafür: Die Passagierin soll dem Air-France-Angestellten vorgeworfen haben, sie zu einer Rückkehr auf ihren Platz gedrängt und ihr mit Konsequenzen gedroht zu haben, so das Blatt. Am Ende ließ der Richter die Besatzung gehen. Auch der beschuldigte französische Fluggast kam laut den Berichten auf freien Fuß.

Die Gewerkschaft SNPNC beklagt, dass die Air-France-Mitarbeiter festgesetzt und teils unter Bedingungen verhört worden seien, die Grundrechte missachteten, und schließlich ohne Erklärung freigelassen worden seien. Air France zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP schockiert. Airline-Chef Jean-Marc Janaillac habe gegenüber dem Außenminister seine Empörung über den Vorfall zum Ausdruck gebracht, hieß es.

Gleiches Vorgehen

Wie La Nacion schreibt, hat es in Argentinien in letzter Zeit zwei weitere Fälle von obszönen Gesten und Exhibitionismus in Flugzeugen gegeben, einmal bei Latam, einmal bei American Airlines. Ein nicht näher genannter Justiz-Informant sagte dem Blatt: «Die Besatzungen von Latam und American haben ebenfalls vor Gericht ausgesagt. Das Vorgehen war das gleiche und sie haben keine Beschwerden eingereicht.»

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