Blackbox des Unglücksfluges: Nicht alle Details sind bekannt

AF447: Nur eine Stunde Schlaf

Ein neuer Bericht zum Air-France-Katastrophenflug zeigt: Der Kapitän war schon zu Beginn des Fluges gefährlich übermüdet.

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Wie konnte die Besatzung so falsch und unbedacht handeln? Diese Frage beschäftigt die Branche und Betroffene seit dem Absturz von Air-France-Flug AF447 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris im Juni 2009. Als es beim Airbus A330 über dm Atlantik zu einem Ausfall der Geschwindigkeitsangaben kam, versagte die Crew. Die beiden fliegenden Kopiloten rissen die Nase des Fliegers in einem viel zu steilen Winkel nach oben. In der Folge kam es zu einem Strömungsabriss. Die automatische Warnung davor ertönte im Cockpit ganze 54 Sekunden lang und doch reagierte niemand darauf. Das war der kapitale Fehler der Besatzung. «Die Crew war in einem Zustand des totalen Kontrollverlustes», erklärte später ein Leiter der Ermittlungen.

Der Flugkapitän befand sich zu jener Zeit in der Ruhepause. Als er zurück kam, war es schon zu spät, um das Unglück abzuwenden. Ein bisher nicht öffentlicher Bericht der Ermittler zeigt nun, dass der menschliche Anteil an der Unglücksursache noch größer war als bisher angenommen. Das französische Magazin Le Point bekam den Report in die Hände. In diesem zeigt sich laut dem Blatt, dass der Kapitän in der Nacht vor dem zwölfstündigen Flug lediglich eine Stunde geschlafen hatte – und sich darüber auch schon nach kurzer Flugzeit beschwerte.

«Das ist nicht genug»

«Ich habe zu wenig geschlafen. Eine Stunde. Das ist nicht genug», sagte Dubois laut dem neuen Bericht schon nach weniger als eineinhalb Stunden Flugzeit. Seinen Kopiloten ging es nicht besser. Sie fühlten sich «groggy», sollen sie erklärt haben. Beide hatten die Nacht zuvor in Rio mit Frau und Freundin verbracht und dort Ausflüge unternommen. Die enorme Müdigkeit könnte auch eine Erklärung sein, warum der Kapitän mehr als eine Minute brauchte, um auf den Hilferuf seiner beiden Kopiloten zu reagieren.

Die neuen Erkenntnisse dürften die Summe, die Air France den Familien der 228 Opfer zahlen muss, vergrößern. Bisher zahlt die Airline jeder Familie rund 180'000 Euro. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber noch wegen fahrlässiger Tötung gegen Airbus und Air France.

Verbesserungen im Cockpit

Der Hersteller nahm in Folge des Absturzes zahlreiche Verbesserungen an seinen Jets vor, die die Vereisung von Geschwindigkeitsmessern verhindern sollten. Auch bei Air France reagierte man und passte das Pilotentraining an neue Anforderungen an.

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