David O'Brien: Kein Interesse an Wizz Air oder Norwegian.

Interview mit David O'Brien von Ryanair«Air Berlin ist ein Zombie»

Von einem Angebot für Air Berlin will Ryanair nichts wissen. Der operative Chef der Iren erklärt im Interview warum - und äußert sich zur Kritik an den Arbeitsbedingungen.

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Glauben Sie, dass bald etliche Ex-Air-Berlin-Piloten für Ryanair arbeiten werden?

David O'Brien*: Nein, ich glaube, dass sie für Lufthansa arbeiten werden. Ob Ex-Air-Berlin, Ex-LTU, Ex-Was-auch-immer, am Ende arbeiten sie alle für Lufthansa. Denn der Ablauf ist so gut wie vorbestimmt. Die Übernahme von Air Berlin durch Lufthansa ist ein abgekartetes Spiel. Zwar wären uns die Piloten mehr als willkommen und sie würden bei Ryanair sichere Jobs und exzellente Gehälter erhalten, außerdem könnten sie sehr regelmäßig fünf Tage arbeiten und vier Tage frei machen. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie für Lufthansa arbeiten – für weniger Geld als die Lufthansa-Piloten.

Warum bietet Ryanair nicht selber für Air Berlin?

Weil das einem illegitimen Vorgang einen unverdienten Anschein von Legitimität verleihen würde. Wir werden nicht vor der Tür stehen, bis Lufthansa, die Bundesregierung und Air Berlin ihre Gespräche abgeschlossen haben. Wir sind die größte Fluggesellschaft Europas. Wir befördern 131 Millionen Passagiere jährlich. Und wenn das die Art ist, wie Deutschland sich verhalten möchte, sendet das meiner Meinung nach eine sehr fragwürdige Botschaft hinaus nach Europa.



Was halten Sie vom Angebot von Hans Rudolf Wöhrl?

Ich kenne Herrn Wöhrl nicht. Aber ich denke, dass Lufthansa und die Bundesregierung erfreut sind, dass Leute wie er Lärm machen und dem Ganzen so den Anschein geben, als wäre es ein Wettkampf, obwohl alles schon im August entschieden wurde.

Air Berlin hat bereits große Probleme, muss Verbindungen ...

Air Berlin existiert nicht mehr. Air Berlin ist ein Zombie.

Wenn das die Art ist, wie Deutschland sich verhalten möchte, sendet das meiner Meinung nach eine sehr fragwürdige Botschaft.



Profitieren Sie davon? Fliegen Leute, die nicht mehr bei Air Berlin buchen, jetzt mit Ryanair?

Ryanair fliegt eh mit einer Auslastung von 97 Prozent. Unser Flugzeuge sind also schon fast voll. Air Berlins Situation ist irrelevant für uns. Ausgenommen von dem Fakt, dass sie eine künstliche Blockade an deutschen Flughafen erzeugt. Ich meine nicht nur die physische Blockade der Slots. Die Situation verhindert auch Wettbewerb zwischen deutschen Flughäfen um neuen Verkehr. Dabei geht es um den Appetit eines Airports, das Geschäft zu sichern und effizienter zu werden.



In Deutschland gibt es viele Kritiker von Ryanair. Gewerkschaften werfen Ihnen zum Beispiel vor, viele Piloten nicht fest anzustellen und schlechte Arbeitsbedingungen für das Kabinenpersonal zu haben. Was ist Ihre Antwort darauf?

Klar gibt es Kritik. Denn wir stören die behagliche Umgebung, die die deutsche Luftfahrt zum Vorteil von Piloten und Kabinenpersonal aufgebaut hat, aber nicht zum Vorteil der Konsumenten. Aber in Europa gibt es die Freizügigkeit von Arbeitnehmern, Gütern und Dienstleistungen. Und Ryanair zieht Leute an. Außerdem haben wir keine Streiks. Wie viele Streiks hatte Lufthansa in den vergangenen Jahren? 14 vielleicht? Und Air Berlin geht pleite.

Der Iata-Chef hat vor Kurzem gesagt, es gäbe zu viele Lowcost-Anbieter in Europa. Er könnte sich zwei Auswege vorstellen. Eine Kooperation der Billigtöchter von Lufthansa, ...

Hier ist die Lösung: Schlechte Airlines, Zombie-Airlines werden sterben. Die Lösung ist Wettbewerb. Es ist, als würde man sagen, es gibt zu viele Supermärkte in Deutschland, deshalb muss Lidl sich mit Aldi zusammentun. Es ist Unsinn.

Warum sollten wir Wizz Air kaufen?

Eine andere Option ist in den Augen des Iata-Chefs, dass Ryanair oder Easyjet zum Beispiel Wizz Air oder Norwegian übernehmen.

Warum sollte man Norwegian kaufen? Die haben kein Geld mehr.

Und Wizz Air?

Warum sollten wir Wizz Air kaufen? Wir sind die größte Fluggesellschaft in Zentral- und Osteuropa.

Zu etwas ganz anderem: Ryanair hatte zuletzt immer wieder Probleme mit betrunkenen und aggressiven Passagieren. Warum?

Die gibt es immer noch, vor allem im Vereinigten Königreich. Wir haben gefordert, dass Fluggäste in den Terminals dort nicht mehr als zwei Drinks kaufen dürfen. Denn an manchen Flughäfen gibt es Leute, die schon zum Frühstück ein paar Bier trinken.



Weil sie es sich leisten können bei den tiefen Ryanair-Ticketpreisen?

Wollen Sie jetzt etwa behaupten, dass Ryanair Schuld hat an Alkoholismus? (lacht)



Im Ernst: Sehen Sie eine Chance, dass der Alkoholausschank an den Flughäfen wirklich reguliert wird?

Es ist unwahrscheinlich. Aber die Flughäfen sollten sich ihrer Verantwortung mehr bewusst werden.

*David O’Brien ist seit Anfang 2014 Ryanairs Chief Commercial Officer. Zuvor war er seit Ende 2002 Director of Flight & Ground Operations beim irischen Billigflieger.

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