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Schweizer Tochter muss sparen

Air Berlin droht Belair mit Aus

Belair muss massiv sparen. Jobs fallen weg und die Löhne werden 10 Prozent und mehr gekürzt. Erreicht die Tochter das Sparziel nicht, macht Air Berlin sie dicht.

Curimedia/Flickr/CC

Airbus A319 von Air Berlin mit Schweizer Kennzeichnung: Die Tochter Belair ist gefährdet.

Am Anfang wird gelobt und Verständnis gezeigt. Die letzten zwölf Monate seien herausfordernd gewesen, erklärt Firmenchef Lucas Ochsner in der 53-seitigen Präsentation an das Kabinenpersonal. Und der Chef der Schweizer Air-Berlin-Tochter Belair Airlines zeigt viel Mitgefühl. Er spricht von «Ohnmacht, Arbeitsplatz- und Existenzängste, Emotionen» im Unternehmen, wie den Unterlagen zu entnehmen ist, welche das Fachportal Austrian Aviation publik machte. «Ein großes Danke an euch alle!», schließt Ochsner seine Einleitung.

Doch nach der sanften Einleitung kommt die knallharte Botschaft von Christoph Zuber. «Die Kosten von Belair sind zu hoch. Weitermachen ist keine Option», so der Aufsichtsratspräsident in seiner Präsentation. Dies gelte umso mehr, als dass die Konkurrenz durch die neue Schweizer Germania-Tochter Holidayjet und Lufthansa-Billigairline Wings härter werde. Man habe deshalb von Air Berlin den Auftrag erhalten, die Personalkosten gegenüber dem Stand von 2013 um acht Millionen Euro zu senken. Deshalb leitet das Management von Belair das Sparprogramm Pull Up ein. Es soll bis Ende 2015 abgeschlossen werden.

Auch Geschäftsleitung kürzt sich den Lohn – und gleich massiv

Pull Up beinhaltet das volle Programm an Sparmaßnahmen. Auch ein Stellenabbau ist vorgesehen. Wie viele Jobs genau gefährdet sind, ist indes noch nicht klar. In der Präsentation wird von rund einem halben Dutzend am Boden gesprochen, aber auch von einer Kürzung beim fliegenden Personal. Im Papier wird von einem theoretischen Überbestand von acht Piloten und Kopiloten gesprochen. Zudem sollen die Arbeitsverträge flexibilisiert werden. Das soll umgerechnet rund 3,2 Millionen Euro einbringen.

Doch auch die verbleibenden Mitarbeitenden müssen Opfer bringen – und nicht zu knapp. Die Geschäftsleitung kürzt sich den Lohn gleich um 20 Prozent. Kaderleute und Piloten müssen mit 15 Prozent weniger Lohn auskommen, das Kabinen- und Bodenpersonal mit 10 Prozent weniger. Zudem werden Vorsorgeleistungen gekürzt und das Freiflug-Reglement angepasst. Das soll weitere 2,0 Millionen Euro bringen. Der Mindestlohn eines Flugbegleiters wird künftig vor Spesen und Zulagen 3300 Franken oder 2750 Euro betragen.

Air Berlin bietet kein Zuckerbrot, aber eine Peitsche

Erreicht Belair die geforderten acht Millionen Euro an Kostensenkungen nicht, kennt Air Berlin keine Gnade, wie der Präsentation zu entnehmen ist. Dann wird die Schweizer Tochter geschlossen und das Flugprogramm wird von einer anderen Konzerntochter übernommen. Dadurch kann man nämlich ebenfalls 7,9 Millionen Euro sparen. «Das Schließungsszenario ist keine leere Drohung», sagen Insider zu aeroTELEGRAPH.

Air Berlin will die Vorgänge nicht groß kommentieren. «Es wird auch bei Belair zu Anpassungen kommen» erklärt ein Sprecher. Man halte sich dabei aber an das Schweizer Arbeitsrecht und alle bestehenden Verträge. Aber interne Dinge wolle man weiter nicht weiter öffentlich besprechen.



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