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Streit um Subventionen

Abu Dhabi investierte 12 Milliarden in Etihad

Zahlen aus dem vertraulichen Geschäftsbericht zeigen, wie stark der Staat Etihad unterstützt. Die amerikanischen Rivalen interpretieren das als Subventionen. Die Golfairline redet von normalen Startinvestitionen.

aeroTELEGRAPH

Dreamliner von Etihad: Wie viel Staat steckt in der Airline?

Für die amerikanischen Fluggesellschaften ist klar: Die Obama-Regierung muss jetzt umgehend handeln, um Jobs in den USA zu erhalten. «Braucht es noch mehr Beweise, dass amerikanische Luftfahrt-Mitarbeiter gegen ausländische Schatzämter bestehen müssen?», fragt die Allianz Partnership for Open & Fair Skies. In ihr sind American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines sowie ihre Gewerkschaften zusammengeschlossenen. Sie kämpfen seit Monaten für eine Einschränkung der Golfairlines in den USA. Nun haben sie neue Fakten vorgelegt, die ihr Argument des unfairen Wettbewerbs von Emirates, Etihad und Qatar endgültig untermauern sollen.

Die Buchprüfer von Etihad hätten festgehalten, dass Etihad nur dank Staatshilfe weitermachen könne, so die Allianz. In der Tat zeigt der vertrauliche Geschäftsbericht 2014, der in die Hände der Amerikaner geriet, dass die Airline aus Abu Dhabi bislang 3,765 Milliarden Dollar an Verlusten angehäuft hat. Nur dank der Möglichkeit, frisches Geld von diversen Finanzinstitutionen zu bekommen und der anhaltenden Unterstützung durch den Staat bescheinigen die Experten dem Unternehmen Überlebensfähigkeit. Das zeige, dass Etihad kein «kommerziell überlebensfähiges Unternehmen» sei, so die Allianz in einer Medienmitteilung.

543 Millionen Dollar an frischem Geld vom Staat

Damit nicht genug. Der Jahresabschluss belege zudem, dass vergangenes Jahr ein Rekord gewesen sei, was die direkten Zuschüsse betreffe. Alleine 2014 habe Etihad neue staatliche Unterstützung über 2,6 Milliarden Dollar erhalten – in Form neuer Kredite, so die US-Allianz gegen Golfairlines.

Ganz so neu und ganz so dramatisch, wie die US-Airlines behaupten, sind die Zahlen indes nicht. Seit längerem ist bekannt, dass Etihad 2007 vom Staat eine hohe Kreditlimite zugestanden erhielt. Gemäß Geschäftsbericht 2014 beläuft sie sich über 5,213 Milliarden Dollar. Ende Dezember 2014 hatte die Fluglinie 5,173 Milliarden davon abgerufen. Vergangenes Jahr wurden 543 Millionen neu beansprucht. Es ist also kein «neuer subventionierter» Kredit, wie die US-Airlines behaupten. Zudem ist er zweckgebunden. Er darf nur dazu verwendet werden, neue Flugzeuge zu kaufen. Das laufende Geschäft, darf nicht finanziert werden.

Kreditlimite ist fast ausgeschöpft

Eine Hilfe ist die nun quasi ausgeschöpfte Kreditlimite aber durchaus. Denn es gibt keine Verpflichtung, das Geld «in der nahen Zukunft» auch zurückzuzahlen, wie es im Geschäftsbericht heißt. «Etihad Airways hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass unsere Aktionäre mittels Eigen- und Fremdkapital in unser Geschäft investieren. Das ist absolut gängig für jedes Unternehmen mit bedeutenden langfristigen Verpflichtungen betreffend Kapital, wie zum Beispiel die Finanzierung von Flugzeugen», verteidigt sich die Fluglinie denn auch. Nicht zu leugnen ist auch, dass diverse inzwischen privatisierte Fluglinien in dieser Phase vom Staat ebenfalls mit sehr viel Geld unterstützt worden waren. Zudem genossen sie jahrzehntelang Marktschutz.

Neben dem Geld aus der Kreditlimite nahm Etihad 2014 einen neuen, langfristigen Kredit über 1,852 Milliarden Dollar bei Banken auf. Er ist im Gegensatz zum Staatsdarlehen innerhalb von zwei bis sechs Jahren rückzahlbar. Und er wird auch nach marktüblichen Raten verzinst, wie es heißt. Die Partnership for Open & Fair Skies weist darauf hin, dass vermutlich staatliche Banken aus Abu Dhabi Kreditgeber seien und das Darlehen nicht mit Sicherheiten unterlegt werden müsse. Daher sei auch dies eine versteckte staatliche Hilfe.

Gewinn dank Aufwertung des Frachtgeschäftes

Und wirklich profitabel ist die Golfairline noch nicht. Für 2014 weist sie zwar einen Gewinn von 73 Millionen Dollar aus. Doch der kam nur zustande, weil das Frachtgeschäft in den Büchern um 700 Millionen Dollar aufgewertet worden ist. Nicht in der Rechnung enthalten sind zudem Bewertungskorrekturen von 1,1 Milliarden auf Hedging-Reserven. Etihad sichert zum Beispiel den Ölpreis ab und erlitt daher durch den Zerfall des Preises im Jahr 2014 hohe Verluste.

So viel steht sicher fest: Etihad steckt immer noch in der Aufbauphase. Die Fluglinie hat bislang nicht bewiesen, dass sie langfristig auf eigenen Beinen stehen kann. Insgesamt, so halten die Buchprüfer fest, bekam Etihad seit 2007 in der Form von Darlehen und Kapital 11,7 Milliarden Dollar vom Staat.

 



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