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XL Airways wagt das Experiment

Die französische Fluggesellschaft will Lowcost auf der Langstrecke bieten. Das schaffte bislang keine Airline längere Zeit.

Javier S R

Flieger von XL Airways: Bald auf der Langstrecke.

Das muss man sich erst einmal vorstellen: Ein Airbus A330 von vom Cockpit bis zur Bordküche im Heck dicht bestuhlt mit den Sitzen der Holzklasse. 408 Menschen hätten so Platz im Flieger. So viele passen auch in einen normal bestuhlten A380 von Korean Airlines. Ein anderer Vergleich: Lufthansa setzt in einen A330 maximal 220 Leute – also fast halb so viele wie XL Airways nun für den Langstreckenjet einplant. Das extreme Projekt der französischen Airline nimmt nun jedoch immer konkretere Züge an. Der Unternehmenschef Laurent Magnin kündigte Ende März in der Wirtschaftszeitung La Tribune an, ab Hebst mit neun brandneuen A330 ins Langstrecken-Lowcost-Geschäft einzusteigen. Er denkt dabei zuerst an Flüge von Europa nach Zentral- und Nordamerika.

Berichten zufolge schrieb XL Airways, vor allem aktiv im Chartergeschäft, seit ihrer Übernahme durch die britische XL Group vor fünf Jahren mit Ausnahme eines Jahres immer schwarze Zahlen. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 400 Millionen Euro. Die Fluggesellschaft betreibt zwei A330, drei Boeing B737-800 und zwei A320. Hauptdestinationen sind die Ferienziele Dominikanische Republik und Cancun. Je nach Saison wechseln die Destinationen aber, so dass die Airline auch dann auf eine hohe Auslastung setzen kann. Dann fliegt sie unter anderem auch von Paris nach New York, Las Vegas und demnächst nach San Francisco.

Zentrale Businessklasse

Bisher hatte es keine Airline geschafft, im Langstrecken-Lowcost-Geschäft Fuß zu fassen. Zuletzt wagte es Air Asia X, eine Tochter von Air Asia, mit Flügen von Kuala Lumpur nach London und Paris. Doch sie musste ihre Flüge 2010 nach kurzer Zeit mangels Auslastung streichen. Zuvor waren schon viele Experimente gescheitert, so etwa durch Oasis Hong Kong Airlines von Bangkok nach Vancouver und London (Grounding 2009) sowie Maxjet mit einer Billig-Businessclass von London nach New York (Grounding 2007). Iceland Express flog 2010 ab Reykjavik (mit Anschluss aus diversen europäischen Destinationen) nach New York. Doch auch sie stellte sie diese Verbindung rasch wieder ein.

Neue Projekte sind angekündigt worden, so etwa von der Norwegian Air Shuttle, die ab Anfang 2013 von Skandinavien nach New York fliegen will. Laut Experten sei es schwierig, auf die Business Class zu verzichten und dennoch Erfolg zu haben. Die Business Class belegt 20 Prozent der Bordfläche, zahlt im Schnitt aber 50 Prozent an die Flugkosten. Selbst Air Asia, die den Langstrecken-Betrieb im Günstigsegment im Dreieck Japan, Thailand und Australien bestreitet, bietet eine gewisse Zahl von Sitzen in der Businessklasse an. Laut einem Bericht der Zeitung International Herald Tribune erreichte Air Asia 2009 Kosten von 4 US-Cents pro Flugkilometer und Sitz, während Easyjet auf 6 bis 6,5 US-Cents kam.



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