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Neue Lufthansa-Tochter

Wie viel die Ocean-Crews verdienen

Lufthansa vergibt 300 Jobs beim neuen Ferienflieger Ocean. aeroTELEGRAPH zeigt, wie viel Piloten und Flugbegleiter verdienen - und was die Gewerkschaften dazu sagen.

Airbus/aeroTELEGRAPH

Cockpit eines Airbus A330 und Ocean-Gehaltstabelle: Mit diesem Flugzeugtyp startet der Ferienflieger.

Ocean startet im kleinen Stil. Der neue Ferienflieger von Lufthansa wird im Frühjahr 2021 zunächst mit drei Airbus A330 in Frankfurt abheben. Dafür sucht er 300 Besatzungsmitglieder. Die Jobs sind nur intern im Konzern ausgeschrieben.

aeroTELEGRAPH liegt die Gehaltstabelle für die Piloten vor. Sie ist eingeteilt in vier verschiedene Erfahrungsstufen vom Einsteiger bis zum Piloten mit mehr als 8000 Flugstunden auf großen Flugzeugen. Ein Erster Offizier (Kopilot) erhält demnach bei Ocean auf Basis einer 100-Prozent-Stelle 4300 Euro auf Stufe 1, 4700 Euro auf Stufe 2, 5100 Euro auf Stufe 3 und 5500 Euro auf Stufe 4. Ein Kapitän bekommt 7400, 8400, 9200 oder 10.000 Euro.

«Noch unter dem Niveau von Sun Express»

Leisten müssen die Piloten dafür 75 Blockstunden pro Monat. Zusätzliche Stunden werden extra vergütet. Allerdings sucht Ocean vorerst nur Mitarbeitende für 70-Prozent-Stellen. Somit können die Piloten auch nur 70 Prozent der genannten Beträge verdienen. Zudem sind die Anstellungen auf 24 Monate befristet.

Markus Germann von der Vereinigung Cockpit sagt: «Ich habe mit Piloten der deutschen Brussels Airlines gesprochen, die rund die Hälfte weniger verdienen würden, wenn sie eine 70-Prozent-Stelle bei Ocean annehmen.» Der Rechtsanwalt, der bei der Pilotengewerkschaft für Tarifpolitik zuständig ist, sagt zur Einordnung: «Das Gehalt bei Ocean liegt noch unter dem Niveau von Sun Express. Und Sun Express war nie tarifiert.»

Piloten von Sun Express und Brussels

Sun Express und Brussels Airlines hatten vor der Corona-Krise für Lufthansas Tochter Eurowings die fernen Ferienflüge durchgeführt. Von diesen beiden Fluglinien könnten nun Oceans A330-Piloten kommen. Denn Sun Express Deutschland wird liquidiert und für die Brussels-Piloten gibt es auch nicht viele Alternativen, wenn bald Ocean im Eurowings-Kleid auf die Langstrecke geht. Die drei ersten Jets sollen tatsächlich von Sun Express kommen.

Lufthansa argumentiert, man biete Mitarbeitenden der Gruppe mit den Ocean-Stellen «in diesen schwierigen Zeiten eine Perspektive». Vereinigung-Cockpit-Chef Markus Wahl kritisiert dagegen: «Die Beschäftigten gelten nicht als gesetzt, sondern müssen sich dann auf ihre eigenen Strecken zu deutlich verschlechterten Bedingungen neu bewerben und dürfen auch nur auf einen befristeten Arbeitsplatz hoffen.»

«Leben in Frankfurt beinahe unmöglich»

Gegenwind bekommt Ocean auch von der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation Ufo. Harry Jäger, Tarifreferent bei der Kabinen-Gewerkschaft, sagt: «Das Grundgehalt liegt mit 2000 Euro etwa auf dem gleichen Niveau wie beim Einstieg bei anderen Lufthansa-Airlines.» Durch die 70-Prozent-Anstellung ergebe sich aber ein Gehalt von 1400 Euro brutto und 1120 Euro netto. «Leben im Großraum Frankfurt ist damit beinahe unmöglich.»

Der Tarifreferent kritisiert weiter, es gebe keine Pauschalen für die Purser, es müssten 75 Blockstunden geleistet werden anstatt sonst 70 oder 72 und es gebe auf sieben Tage gerechnet nur 33 Tage Urlaub pro Jahr, wo sonst etwa 42 Tage Standard seien. Zudem seien die Verträge ausnahmslos auf 24 Monate befristet.

Alle Flugbegleiter starten als Einsteiger

«Der eigentliche Skandal ist jedoch, dass Lufthansa Fluglinien wie Sun Express und Germanwings abwickelt und sich die Mitarbeitenden bei Ocean bewerben lässt», sagt Jäger. «Dort starten alle mit dem Einsteiger-Gehalt und sechs Monaten Probezeit, egal wie viele Jahre sie vorher schon für die Lufthansa-Gruppe in Festanstellung gearbeitet haben. Man tut so, als hätte man mit diesen Menschen noch nie etwas zu tun gehabt.»



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