Letzte Aktualisierung: um 9:02 Uhr

Order vom Hersteller storniert

Wie Qatar Airways auf den Airbus-Schock reagieren kann

Der europäische Flugzeugbauer hat eine Order für A321 Neo der Golfairline annulliert. Was kann Qatar Airways jetzt tun?

Präsentiert von
Qatar Airways/Montage aeroTELEGRAPH

Sharklet eines Airbus A350 von Qatar Airways: Wie weiter?

Es war ein echter Paukenschlag. Am Donnerstag (20. Januar) bestätigte Airbus, einen milliardenschweren Vertrag über 50 bestellte A321 Neo mit Qatar Airways gekündigt zu haben. Es ist der nächste Eskalationsschritt im Streit zwischen dem Flugzeugbauer und der Airline, der sich bis dahin lediglich um Rumpfbeschichtung von Airbus A350 drehte.

Mit der A321-Neo-Order, die Airbus sich nun selbst aus den Büchern streicht, ist erstmals ein anderes Modell vom Zerwürfnis betroffen. Neben Bestellungen für 23 weitere A350-900 waren es die einzigen offenen Aufträge der Golfairline beim europäischen Flugzeugbauer. Qatar Airways will die A321-Vertragskündigung anfechten.

Druck über Beteiligungen wie IAG

Ein Londoner Gericht beschäftigt sich bald mit einer Klage von Qatar Airways gegen den Hersteller zum A350, im April soll die erste Anhörung stattfinden. Wie diese juristischen Auseinandersetzungen ausgehen, ist schwer abzuschätzen. Derweil lässt sich ein Blick auf die möglichen Optionen der Fluggesellschaft werfen, sollte Airbus die Kündigung der A321-Order tatsächlich durchbringen.

Zuerst einmal könnte Qatar Airways Druck machen, damit Airbus doch von der eigenen Entscheidung abrückt, selbst wenn diese nicht anfechtbar sein sollte. Als Hebel dazu kann die Fluggesellschaft aus Katar ihren Einfluss nutzen, den sie bei anderen wichtigen Airbus-Kunden hat. Schon im vergangenen Sommer warnte Airline-Chef Akbar Al-Baker den europäischen Hersteller davor, Stress zu riskieren «in den Beziehungen zu IAG, zu Latam und zu anderen Fluggesellschaften, an denen wir beteiligt sind».

Wird Qatar Airways 737-Max-Betreiberin?

Sollte auch dieser Druck nichts an der Lage ändern, hat Qatar Airways im wesentlichen zwei Möglichkeiten. Zum einen könnte sie sich ihre Airbus A321 Neo über Leasingfirmen beschaffen. Schaut man sich an, wie beliebt das Modell aktuell ist, dürfte das aber auch für einen so einflussreichen Leasingkunden wie Qatar Airways einiges an Wartezeit bedeuten, wenn nicht gerade ein anderer großer Betreiber pleite gehen sollte.

Die andere Möglichkeit wäre ein Wechsel zu Boeing. Vom amerikanischen Hersteller betreibt Qatar Airways schon die Langstreckenmodelle 787, 777 und 747-Frachter. Die Fluglinie würde ihre 29 Airbus A320-200 und drei A321-200 dann nicht durch Airbus’ Neo-Generation ersetzen, sondern zur Boeing-737-Max-Kundin werden. Die Flugzeuge des amerikanischen Herstellers sind auf jeden Fall schneller verfügbar.

Das Problem bei einem Wechsel zu Boeing

Doch ein Umstieg auf Kurz- und Mittelstreckenjets von Boeing hätte für Qatar Airways auch einen großen Nachteil: Ohne Airbus als alternative Option könnte die Fluglinie in den Preisverhandlungen kaum Druck auf Boeing machen. Ihre einzige Verhandlungsmacht bestünde darin, clevere Pakete zu schnüren. So könnte Qatar Airways beispielsweise die Größe einer möglichen 777X-Frachter-Order vom Preis für die 737 Max abhängig machen. Ohne Airbus als glaubhafte Alternative hätte sie dennoch klar weniger Durchsetzungskraft.

Andere Flugzeuge wie die Irkut MS-21 aus Russland oder die Comac 919 aus China dürften noch lange keine Alternative für Qatar Airways sein. So gilt für die Fluglinie: Sie hat nur zwei etablierte Hersteller zur Auswahl. Airbus ist dagegen in einer viel komfortableren Position. Der Hersteller hat eine lange Kundenliste, alleine 2021 lieferte er Kurz-, Mittel- und Langstreckenflugzeuge an insgesamt an 88 Kunden aus. Der Backlog enthält modellübergreifend offene Bestellungen für mehr als 7000 Flugzeuge.



Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare zu moderieren und zu kürzen. Kritische Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen oder Kommentare mit rassistischem, sexistischem, themenfremdem, rein politischem, beleidigendem oder rein polemischem Inhalt hingegen werden entfernt. Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Über die Entscheide der Moderatoren wird keine Korrespondenz geführt.