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Covid-Antigentests

Was können Schnelltests? Wie funktionieren sie?

Die Luftfahrtbranche möchte die neuen und billigen Coronatests rasch breitflächig durchführen lassen. Was können sie und was nicht?

CDC

Illustration des Coronavirus: Tests nicht immer zuverlässig.

In den letzten Wochen war immer wieder von Corona-Antigen-Schnelltests zu lesen: Einfache Tests sollen beispielsweise das OK für Flugreisen oder Grenzübertritte erleichtern. Sie sind billiger, einfacher auszuführen und vor allem schneller als die bislang üblichen PCR-Untersuchungen. Doch wie funktionieren diese Tests eigentlich? Und vor allem: Wie gut sind sie im Luftfahrt-Setting einsetzbar?

Die meisten derzeit in Erprobung bzw. Produktion stehenden Schnelltests nutzen sogenannte Immunossays. Dabei binden Bestandteile des Virus (also «Antigene») an spezifische Antikörper und führen zu einem visuellen Signal, falls sich dieses Ziel-Antigen (also in diesem Fall SARS-CoV-2-Antigen) in der Probe befindet. Die Probe wird dabei – genauso wie bei der PCR – aus dem Nasen-Rachen-Raum entnommen und auf eine Testkassette aufgebracht. Eine Bufferlösung transportiert dann das Antigen über das Testfeld mit dem Corona-Antikörper und weiter zu einem Kontrollstreifen. Bei einer Infektion färben sich sowohl das Test- als auch das Kontrollfeld an. Ist der Befund negativ, verändert nur der Kontrollstreifen seine Farbe – falls es zu gar keiner Färbung kommt, ist der Test ungültig und kann nicht interpretiert werden. Das Prinzip kennt man im Wesentlichen auch vom Schwangerschaftstest.

Nicht alle Infektionen werden erkannt

So weit, so gut. Allerdings hat auch der Corona-Antigen-Test ein paar Tücken: So fällt er nicht bei allen Infektionen «positiv» (also auffällig) aus. «Der Test hat eine Sensitivität von 96,52% und eine Spezifität von 99,68%, basierend auf 426 Proben aus zwei unabhängigen Studienzentren in Indien und Brasilien», so ein Sprecher des Roche-Konzerns (der vor kurzem mit seinem «SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test» auf den Markt gegangen ist) gegenüber aeroTELEGRAPH. Das bedeutet im Klartext, dass der Test unter Studienbedingungen rund jede 30. Infektion nicht erkannt hat – in Realbedingungen bei einem Niedrig-Risikokollektiv könnten diese Werte auch anders aussehen. Aber: Auch beim «Goldstandard» PCR können falsch-negative Tests vorkommen.

Dieser neue Antigen-Test ist außerdem nicht dafür gedacht, von Laien durchgeführt zu werden. Der Roche-Sprecher legt beim Produkt seines Unternehmens Wert auf die Feststellung, dass er «nicht für die Eigenanwendung zugelassen ist. Er richtet sich an niedergelassene Ärzte und Labore.» Das heißt wiederum, dass medizinisches Personal notwendig ist, um die Nasen-Rachen-Abstriche und Analysen durchzuführen. Sollte man also solche Tests beispielsweise in der Luftfahrt vor Abflügen großflächig planen – wie zuletzt gefordert – geht das nicht ohne entsprechende Infrastruktur. Diese ist allerdings um einiges weniger aufwändig als beispielsweise die PCR-Tests.

Test für weniger als 10 Euro

Die Vorteile der neuen schnellen Antigen-Tests sind – wie erwähnt – deren einfache Durchführbarkeit, die kurze Wartezeit auf das Testergebnis (rund 15 bis 30 Minuten) sowie der niedrige Preis. Zu letzterem erhält man zumindest von Roche keine offiziellen Informationen: «Wir geben keine Auskünfte zu den Kosten. In Pandemiesituationen wie dieser sollten die Kosten kein Hindernis für den Zugang zu Diagnostika sein. Wir setzen uns dafür ein, so viele Tests wie möglich an Menschen zu liefern, die sie benötigen. Wir werden den Preis für den Test auf jeden Fall verantwortungsbewusst festlegen», so der Sprecher. Im medizinischen Fachhandel ist dieser Test für Einzelabnehmer aus Ordinationen für knapp 10 Euro netto zu kaufen, ein Konkurrenzprodukt der Firma Abbott kommt auf weniger als 7 Euro pro Stück netto.

Da die Nachfrage nach diesen Antigen-Tests in näherer Zukunft stark steigen wird, möchte Roche die Produktionszahlen deutlich erhöhen: «Pro Monat werden weltweit 40 Millionen Tests zur Verfügung stehen. Die Kapazitäten werden bis Jahresende verdoppelt. Roche liefert die Tests in erster Linie dorthin, wo sie sofort eingesetzt werden können und den größten Impact auf Patienten haben», so der Unternehmenssprecher. Mitbewerber Abbott will ebenfalls die Produktion hochfahren und 50 Millionen Antigen-Schnelltests pro Monat herstellen. Ob trotz der hochgefahrenen Herstellungskapazitäten eine ausreichende Menge an Tests für die Luftfahrt vorhanden sein wird, wird sich weisen.

«So zeitnah wie möglich»

Die Airlines warten jedenfalls schon sehnsüchtig auf diese neue Methode, weil diese das Reisen tatsächlich deutlich erleichtern könnte – Austrian Airlines beispielsweise will den Test «so zeitnah wie möglich» anbieten und auch der Flughafen Wien möchte ihn bald als Ergänzung zur PCR in sein Repertoire holen. Es wird spannend, ob die breite Anwendung dieser simplen und billigen Tests der strauchelnden Luftfahrtbranche wieder etwas Luft unter den Flügeln geben.



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