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Muilenburg vor dem Kongress

Jetzt wird der Boeing-Chef im Kongress gegrillt

Boeing-Chef Dennis Muilenburg muss dem US-Kongress zur 737 Max Rede und Antwort stehen. Drei Punkte stehen dabei besondere im Fokus.

Boeing

Boeing 737 Max und Boeing-Chef Dennis Muilenburg: Erklärungen sind gefragt.

Am Dienstag und Mittwoch (29. und 30. Oktober) wird es ernst für Dennis Muilenburg. Der Chef von Boeing muss sich zusammen mit Chefingenieur John Hamilton vor einem Ausschuss des Senates und einem Ausschuss des Repräsentantenhauses antreten. Sie müssen sich den Fragen zur 737 Max, ihren tödlichen Unglücken und Boeings Fehlern stellen.

Im Vorfeld veröffentliche der Flugzeugbauer Muilenburgs Auftaktstatement. «Wir haben aus diesen Unfällen gelernt und lernen immer noch», so der Boeing-Chef. «Wir wissen, wir haben Fehler gemacht und einige Dinge falsch gemacht.» Man habe jedoch Verbesserungen an der 737 Max vorgenommen, «um sicherzustellen, dass solche Unfälle nie wieder passieren». Man wisse, dass man nun nicht nur die Behörden überzeugen müsse, sondern auch Airlines, Crews und Passagiere.

Drei zentrale Punkte

In einer Mitteilung zählt Boeing auch noch einmal die wichtigsten Änderungen auf, die man an der Flugsteuerungssoftware MCAS der 737 Max vorgenommen hat. So wird es künftig die Daten beider Anstellwinkelsensoren abgleichen und sich nur einschalten, wenn beide übereinstimmen. Das System wird auch nicht wieder und wieder anspringen, sondern nur einmal. Zudem wird es jederzeit von den Piloten manuell übersteuert werden können. All das ist nicht neu.

Spannend werden dagegen drei Punkte bei Muilenburgs Befragung:

1. «Wie zum Teufel ist das passiert?»

Der Vorsitzende des Ausschusses des Repräsentantenhauses, Peter DeFazio, machte bereits klar, dass er von Muilenburg grundlegende Erklärungen hören will. «Wie zum Teufel ist das passiert?», fragt DeFazio. So wird der Boeing-Chef womöglich erklären müssen, warum das Unternehmen für einen anderen Flieger bereits ein sicheres MCAS entwickelt hatte, bei der 737 Max aber auf die Absicherungen verzichtete.

Er wird etwas dazu sagen müssen, warum Piloten nichts vom MCAS wussten. Und er wird sich dazu äußern müssen, warum Boeing nach dem Absturz der 737 Max von Lion Air im Oktober 2018 nicht entschlossener reagierte und den Absturz einer Max in Äthiopien im März 2019 nicht verhinderte. Der vergangene Woche veröffentlichte Abschlussbericht der indonesischen Ermittler gibt den Senatoren und Mitgliedern des Repräsentantenhauses jede Menge an die Hand, wozu Muilenburg sich erklären muss.

2. Wie äußert sich der Boeing-Chef zur FAA?

Boeing steht nicht allein in der Kritik. Die US-Luftfahrtbehörde FAA sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, die Zertifizierung der 737 Max Boeing zu großen Teilen selber überlassen zu haben. Erst am Dienstag berichtete die Zeitung Wall Street Journal zudem, bei der FAA habe es nach dem Lion-Air-Absturz Überlegungen gegeben, einzuschreiten. «Warum fliegt dieses Flugzeug immer noch?», fragte demnach ein Ingenieur der Behörde bei einer Besprechung drei Tage nach dem Unglück.

Die FAA kam laut dem Bericht zu dem Schluss, dass die gleiche Fehlfunktion wieder auftreten könnte. Dennoch groundete sie den Flieger nicht, sondern erinnerte Piloten lediglich daran, wie sie vorzugehen in solch einer Notfallsituation haben. Boeing-Chef Muilenburg könnte in der Befragung nun an Punkte geraten, an denen er entweder sein Unternehmen oder die Behörde mehr belastet. Allerdings ist er auf die FAA angewiesen, um die 737 Max wieder in die Luft zu bekommen.

3. Wie schlägt sich Muilenburg persönlich?

Muilenburg hat sich seit den Unglücken selten öffentlich geäußert. Wird er nun vor dem Kongress einen souveränen Auftritt hinlegen? Das kann auch entscheidend für seine eigene Zukunft als Boeing-Chef sein. Seinen Posten als Verwaltungsratsvorsitzender musste er bereits abgeben. Dass er sich auch persönlich präsentiert, zeigt sein Auftaktstatement. Darin sagt er: «Ich habe meine gesamte Karriere bei Boeing gearbeitet. Es begann vor mehr als 30 Jahren, als Boeing mir einen Job als Sommerpraktikant in Seattle anbot.»

Er spricht von den «sanften Hügeln» Iowas, von Milchkühen und Heuballen. «Unsere Eltern lehrten uns den Wert von harter Arbeit, Integrität und Respekt vor anderen», so Muilenburg. «Damals fuhr ich meinen Monte Carlo 1982 von Iowa zu Boeing in Seattle und überquerte zum ersten Mal die Rocky Mountains.» Als tief verwurzelten Firmenchef und hart arbeitenden, ehrlichen Amerikaner – so soll der Kongress Muilenburg offenbar sehen.



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