Sikorsky Black Hawk UH-60M - Ersatzteilbestellungen aus den USA sind für die Taliban nicht möglichjpgpc-adaptive768medium

Taliban-LuftwaffeWas von Afghanistans Luftwaffe fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban übrig ist

Black Hawks, Super Tucanos, Mi-17 und Transportflugzeuge: 2021 fiel den Taliban ein buntes Arsenal der afghanischen Air Force zu. Fünf Jahre später ist unklar, wie viel davon noch einsatzfähig ist.

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Die Bilder gingen um die Welt: Hunderte Menschen rannten in Panik über die Startbahn des einstigen Hamid Karzai International Airports in Kabul (er heißt inzwischen wieder einfach Kabul International Airport) einer Boeing C-17 Globemaster III hinterher. Einige Verzweifelte klammerten sich sogar an das Flugzeug. Fünf Jahre ist es her, dass die radikalreligiösen Taliban in Kabul einmarschierten und die USA und ihre Verbündeten Hals über Kopf abzogen. Zurück blieb auch ein umfangreiches Arsenal an Fluggeräten.

Die Regierung des damaligen Präsidenten Joe Biden behauptete damals, die meisten Flugzeuge und Hubschrauber seien außer Gefecht gesetzt worden, etwa durch das Entfernen der Kerntechnologie oder wichtiger Kabel. Die niederländischen Militäranalysten Stijn Mitzer und Joost Oliemans machten sich für ihr Portal Oryx die Mühe, Fotos der zurückgebliebenen Fluggeräte auszuwerten. Sie betonten jedoch, dass sich ihre Liste ausschließlich auf fotografisch dokumentierte Maschinen stütze – und nicht auf Gerüchte oder Hörensagen.

Potpourri aus West und Ost

Das Pentagon bezifferte die von internationalen Gebern finanzierte Flotte der Afghan Air Force 2020 auf 174 Luftfahrzeuge. Dokumentiert wurden unter anderem 45 Sikorsky UH-60 Black Hawks, 48 MD-530, Mi-17, 25 Embraer A-29 Super Tucanos sowie C-208/AC-208 und vier Lockheed C-130 Hercules. Ein Teil wurde von afghanischen Piloten in die Nachbarländer Usbekistan und Tadschikistan ausgeflogen. Das betraf insbesondere A-29, UH-60, MD-530 und andere AAF-Maschinen.

Den Taliban fielen ergo keine einsatzbereiten Flugzeuge und Hubschrauber der US Air Force in die Hände. Sie erbten vielmehr einen teilweise funktionsfähigen Mix aus amerikanischen und sowjetisch-russischen Modellen – und ein enormes Wartungs- und Ersatzteilproblem gleich dazu. Geflohene Mechaniker berichteten laut Oryx, die Taliban hätten systematisch alte, ausrangierte oder kaputte Flugzeuge und Hubschrauber ausgeschlachtet, um an Ersatzteile für andere Fluggeräte zu gelangen.

Von der Außenwelt fast abgeschnitten

Nur Russland erkennt seit Juli 2025 das Islamische Emirat Afghanistan vollumfänglich an. Andere Nationen wie China oder die Golf-Emirate haben zwar diplomatische Vertretungen eröffnet, sehen aber bis heute von vollen, normalen Beziehungen ab. Als Binnenstaat verfügt das gebirgige und schwer zugängliche Afghanistan mit seinen 45,1 Millionen Menschen zudem über keine Seehäfen.

Ein späterer Bericht des US-Inspector-General nennt 131 AAF-Luftfahrzeuge im August 2021 und berichtet, dass 78 von US-Truppen «deaktiviert» wurden. Gleichzeitig blieben nach damaligen Angaben der Taliban 81 ehemalige Regierungsflugzeuge in Afghanistan, von denen 41 zumindest teilweise einsatzfähig gewesen sein sollen.

Die Kampfdrohne als Weißer Ritter

Der katarische Nachrichtensender Al Jazeera berichtete bereits 2022, die islamistische Junta habe Dutzende Kampfhubschrauber und einige Jets repariert. Die Reportage vor Ort zeigte Ingenieure bei der Arbeit an Hubschraubern, Interviews mit Piloten und einen Mil Mi-24, der in niedriger Höhe über einem Flugplatz bei Kabul seine Runden drehte. Dazu erließ die Taliban-Führung eine Amnestie für alle Piloten und Flugzeugmechaniker der AAF.

Wie viele Flugzeuge und Hubschrauber die Taliban heute flug- und kampftauglich besitzen, ist nicht bekannt. Das Portal Globalmilitary schätzt das Inventar 2026 auf bis zu 40 Kampfhubschrauber, etwa 50 Propeller- und Transportflugzeuge und null einsatzfähige Kampfjets. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen dagegen Kampfdrohnen als vergleichsweise preiswerte Alternative zu bemannten Kampfflugzeugen. Im Februar 2026 gab die De-facto-Regierung Afghanistans erstmals zu, Kamikazedrohnen gegen Ziele in Pakistan eingesetzt zu haben. Die einstigen Partner sind heute Rivalen und streiten sich vor allem um die genaue Grenzziehung am Hindukusch. Das Portal Afghanistan International berichtete zudem über eine mutmaßliche Produktionsstätte für Selbstmorddrohnen in Kabul.

Zweifel an der Kampftauglichkeit

Den Aufbau einer eigenen militärischen Luftfahrtindustrie erschwert allerdings der Brain-Drain, also die Massenflucht gut ausgebildeter Ingenieure, Programmierer und Techniker. Schätzungen gehen von 1,6 Millionen Menschen aus, die seit 2021 geflüchtet sind. Jonathan Schroden, Vizepräsident bei der Militärforschungsfirma CNA in den USA, glaubt, dass die Flotte Probleme im langfristigen Betrieb habe und der Mangel an Ersatzteilen ein dauerhafter Engpass bleibe.

Sowohl die Vereinten Nationen als auch die Europäische Union und die USA haben ein striktes Waffenembargo gegen die Taliban und mit ihnen verbundene Personen und Organisationen verhängt. Damit bleibt insbesondere die Versorgung mit Ersatzteilen für die übernommenen westlichen Flugzeug- und Hubschraubermuster ein Problem.

Eine Luftwaffe mit begrenzten Möglichkeiten

Fünf Jahre nach der Machtübernahme verfügen die Taliban damit zwar weiterhin über Teile der einstigen afghanischen Luftwaffe. Wie viele dieser Maschinen tatsächlich dauerhaft flug- oder sogar kampftauglich sind, bleibt jedoch unklar. Wartung, fehlende Ersatzteile und der Verlust qualifizierter Fachkräfte setzen dem Betrieb Grenzen.

Gleichzeitig verändert der Aufstieg von Drohnen die Ausgangslage. Für deren Einsatz braucht Afghanistan weder eine Flotte moderner Kampfjets noch Piloten in der Luft. Gerade deshalb werden die Nachrichtendienste sowie die benachbarten Regionalmächte Pakistan und Iran genau registrieren, inwieweit die Taliban neben den verbliebenen Flugzeugen und Hubschraubern auch ihre unbemannten Fähigkeiten ausbauen.

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